Josef Oberhollenzer erzählt in seiner Miniatur stilsicher die Geschichte einer Herzensbildung von der Kindheit bis in die Katastrophe. »Großmuttermorgenland« erzählt von einer Kindheit in den Bergen, von der Sehnsucht nach dem, was hinter den Bergen liegt, und von dem Hereinbrechen eines – wie auf der Lauer gelegenen – Unglücks. Josef Oberhollenzer, einer der wichtigsten Südtiroler Autoren, webt mit leisen, der Moderne verpflichteten Tönen die Geschichte von Bindung, Abhängigkeit und alltäglicher Gewalt. Der Icherzähler entfaltet sein bedrohliches Idyll: die geliebte Großmutter, der ungeschlachte Vater, die fremde Mutter, die Komplizin Schwester, eine Hochzeit; und er erinnert sich an die kleinen Dinge, an das Inventar bäuerlichen Lebens, an die ersehnte Weite »hinter den Bergen« und an die Faszination, die die Irrenanstalt in Pergine auf ihn ausgeübt hat. Und dann, auf einer Wanderung mit seiner Frau zum Klockerkarkopf, nimmt das Unglück überhand, fast mitten im Glück.
Homepage von Joseph Oberhollenzer
Geboren 1935 in Meran, lebt als freier Autor in Bruneck. Sein Werk wurde mit internationalen Preisen ausgezeichnet, 2001 erhielt er die Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung, 2003 den Hermann- Lenz-Preis, 2005 den Walther von der Vogelweide Preis. Neueste Buchveröffentlichungen: »S MAUL AUF DER ERD ODER DRECKKNUIDELEN KLIABN«. Gedichte, mit Zeichnungen von Luis Stefan Stecher und Audio-CD,
Raetia Verlag (2001); »Der Schmerz der Gewöhnung«.
Roman, Hanser Verlag (2002); »Wir gingen / Cen’andammo«.
Erzählung, Raetia Verlag (2004); »Der Himmel über Meran«.
Erzählungen, Hanser Verlag (2005); »Liebe auf den Kopf gestellt«.
Gedichte, Hanser Verlag (2007).
Programm Symposium "Ästhetische Konzeptionen der Gegenwart"
Der Südtiroler Schriftsteller Joseph Zoderer, der seine Arbeit unaufhörlich an die Frage nach Heimat und Identität bindet und damit politische sowie ideologische Felder der Literatur beschreitet, und Elmar Locher, Präsident des Vereins der Bücherwürmer und Professor für Neuere Literatur in Verona, werden am Freitag, 5. Juni 2009 spezifischen sozialpolitischen Aspekten in der Südtiroler Literatur nachgehen: Zoderers Roman "Der Schmerz der Gewöhnung" (2002) vermisst sehr genau die Distanzen, die sich in der Südtiroler Gesellschaft seit seiner präzisen Erzählung "Die Walsche" (1982) konstituiert haben. War Olga der bedrückenden Enge des Dorfes in die Stadt und in die andere Sprache wie die andere politische Kultur entkommen, so ziehen sich Jul und Mara aus der Stadt, aus der Nähe zur anderen Sprache, in ein Bergdorf zurück und hocken "in einem Berghaus auf dreißig Grad Hangneigung".
1956 in Krefeld geboren, lebt in Berlin. Studium der Philosophie und Sozialpsychologie. Veröffentlichungen (u.a.): »Die Sünden der Faulheit« (1987); »Stefan Martinez« (1995); »Alle oder keiner« (1999); »Bryant Park« (2002); »Teil der Lösung« (2007). Auszeichnungen und Preise (u.a.): Bertelsmann-Stipendium beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt (1992); Berliner Literaturpreis (1996); Anna-Seghers-Preis (1997); Bremer Literaturpreis (2003); Berliner Literaturpreis (2008) und Spycher: Literaturpreis Leuk (2008).
Programm Symposium "Ästhetische Konzeptionen der Gegenwart"
Der deutschte Autor hat in dem 2007 erschienenen Roman „Teil der Lösung“, einem „Großstadt-Movie mit Thrillerelementen“, erhellende literarische Analysen einer durchrationalisierten und überreglementierten Gesellschaft gegeben. In einer atemberaubenden Liebesgeschichte verbindet Ulrich Peltzer mit der Beobachtung neuer politischer Bewegungen in einer Grammatik der Überwachung, der Realität unserer Zeit. Neben der Lektüre aus dem Roman wird Ulrich Petzer am 4. Juni einen unveröffentlichten Text lesen, der nach dem Feld des Politischen in der Literatur sowie nach den Aufgaben der Kunst fragt und dabei zu so ernüchternen wie befreienden Erkenntnissen gelangt: Kunst hat keinen Auftrag. Und so sehr sie sich vielleicht im Flüchtigen und Verborgenen einer durchkapitalisierten Welt aufhält, umso mehr behauptet sie einen dezidierten Platz und Sinn des Unvernünftigen, des Widersinnigen oder Widersprüchlichen.
1965 geboren, lebt als freie Journalistin und Literaturkritikerin in München. Sie veröffentlichte Beiträge in diversen Literaturlexika und Anthologien, zuletzt »Das Unglück nebenan: Die große Entsolidarisierung bei Raabe als Vorbotin von Hartz IV« in: »Ralf Rothmann trifft Wilhelm Raabe«. Der Wilhelm Raabe-Literaturpreis und die Folgen (2005) und gab »Undine Gruenters Pariser Libertinagen« (2005) heraus.
Milo De Angelis è nato nel 1951 a Milano, dove vive e insegna in un carcere. Ha pubblicato diversi libri di poesie: »Somiglianze« (Guanda, 1976), »Millimetri« (Einaudi, 1983), »Terra del viso« (Mondadori, 1985), »Distante un padre« (Mondadori, 1989), »Biografia sommaria« (Mondadori, 1999), »Tema dell’addio« (Mondadori, 2005). Ha scritto anche un racconto (»La corsa dei mantelli«, Guanda, 1979) e un volume di saggi (»Poesia e destino
«, Cappelli, 1982). Ha tradotto dal francese (Racine, Baudelaire, Maeterlinck, ecc.) e dalle lingue classiche (Virgilio, Lucrezio, Properzio, Antologia Palatina). Nel 2008, presso La Vita Felice, viene pubblicato »Colloqui sulla poesia«, che comprende le sue principali interviste (a cura di Isabella Vicentini e con un DVD di Viviana Nicodemo e Stefano Massari).
Milo de Angelis wurde 1951 in Mailand geboren, wo er auch lebt und an einem Gefängnis unterrichtet. Er ist Verfasser zahlreicher Gedichtbände: »Somiglianze« (Guanda, 1976), »Millimetri« (Einaudi, 1983), »Terra del viso« (Mondadori, 1985), »Distante un padre« (Mondadori, 1989), »Biografia sommaria« (Mondadori, 1999) sowie »Tema dell’addio« (Mondadori, 2005). Milo de Angelis ist auch Autor einer Erzählung (»La corsa dei mantelli«, Guanda, 1979) und eines Essaybands (»Poesia e destino«, Cappelli, 1982) sowie Übersetzer aus dem Französischen (Racine, Baudelaire, Maeterlinck) und von Texten der klassischen Antike (Vergil, Lucrez, Properz, Anthologia Palatina). 2008 erschien bei La Vita Felice der Band »Colloqui sulla poesia«, mit den wichtigsten Interviews über die Jahrzehnte, zusammengestellt von Isabella Vincentini und mit einer DVD von Viviana Nicodemo und Stefano Massari.
Geboren 1917 in München als Sohn eines Diplomaten der österreichisch-ungarischen Monarchie, Kindheit in Meran, Internate in der Schweiz, Studium der Mathematik in Zürich und Wien, 1939–46 Irland, danach Rückkehr nach Südtirol als Kulturjournalist und Korrespondent der »Weltwoche«, ab 1959 am Zentrum für Kybernetik in Mailand, seit 1970 Professor für kognitive Psychologie an der Universität Georgia und seit seiner Emeritierung an der Univerity of Massachusetts tätig; seine Forschungen als Philosoph, Kommunikationswissenschafter, Begründer des Radikalen Konstruktivismus finden ihre Fortsetzung in den USA. Bücher in deutscher Sprache u. a.: »Wissen, Sprache und Wirklichkeit« (1987); »Radikaler Konstruktivismus. Ideen, Ergebnisse, Probleme« (1997); »Konstruktivismus statt Erkenntnistheorie« (1998); mit Heinz von Foerster: »Wie wir uns erfinden« (1999).
Geboren am 19. April 1947 in Brixen, wuchs Kaser in Bruneck auf. Nach kurzer Zeit im Kapuziner Kloster Studium der Kunstgeschichte in Wien; ab 1970 Aufenthalt in Norwegen und Reisen u.a. nach Barcelona, Rom, Apulien, Tunesien und Venedig. Nach Abbruch des Studiums Unterricht in Bergschulen Südtirols, Publikationen von Gedichten und Prosa in diversen Zeitschriften und Anthologien, literarische Auftritte in Südtirol, Innsbruck und Wien; Beitritt zur KPI und Austritt aus der Katholischen Kirche. Kaser starb am 21. August 1978.
Werke: »Band 1: Gedichte.«; »Band 2: Prosa.«; »Band 3: Briefe.« (alle im Haymon Verlag); »Norbert C. Kaser: jetzt mueßte der kirschbaum bluehen. Gedichte, Tatsachen und Legenden. Stadtstiche.« (1991); Hans Haider (Hrg.): »Das Kaser-Lesebuch« (1993); Christian Pixis (Hrg.): »es bockt meine herz« (1993); Christine Riccabona und Benedikt Sauer (Hrg.): »norbert c. kaser« (1998); Raoul Schrott (Hrg.): »N.C. elementar« (2007).
Norbert Conrad Kaser auf wikipedia
Norbert C. Kaser Seiten des Humanistisches Gymnasium "Nikolaus Cusanus"
Geboren 1949 in Schrobenhausen, lebt als freischaffender Komponist, Dirigent, Regisseur und Interpret musikalisch-literarischer Soloprogramme in München. Mit der Wirtsoper »Heimatlos« (steirischer herbst 1985) Durchbruch im deutschen Sprachraum; Musiktheaterproduktionen und szenische Konzerte: »Sintflut« (nach Herbert Achternbusch); »ich aber/ aus dem dreck herr / schreie ich zu Dir« (nach Gedichten von Norbert C. Kaser); »Carmencita« (nach Prosper Merimce); »Exil« (nach Texten von Oskar Maria Graf) und »Sie bitt’schön, wo brennt’s denn?«(nach Szenen von Karl Valentin). Szenisch-musikalische Soloabende mit Texten von Friedrich Nietzsche bis Hans Magnus Enzensberger, Ein-Mann-Sprechoper nach Texten von Norbert C. Kaser. »Digital Content Award« des Landes Baden-Württenberg für die Interpretation der »Dionysos-Dithyramben« von Friedrich Nietzsche.
Katja Lange-Müller ist 1951 in Ostberlin geboren. Sie lernte Schriftsetzerei, arbeitete später als Hilfspflegerin auf psychiatrischen Stationen, lebte ein Jahr in der Mongolei und verließ die DDR 1984, fünf Jahre vor dem Mauerfall. 1986 erhielt sie den Ingeborg-Bachmann-Preis, 1995 den Alfred-Döblin-Preis für ihre zweiteilige Erzählung »Verfrühte Tierliebe«, 2002 den Preis des ZDF, des Senders 3 sat und der Stadt Mainz, 2005 den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor und 2007 Finalistin beim deutschen Buchpreis. Werke u.a.: »Kasper Mauser – die Feigheit vom Freund« (1988); »Verfrühte Tierliebe« (1995); »Die Letzten« (2000); »Biotopische Zustände« (2001); »Preußens letzte Pioniere« (2001); »Stille Post« (2001); »Die Enten, die Frauen und die Wahrheit« (2003); »Der nicaraguanische Hund« (2003); »Böse Schafe« (2007).
Raketenstation Hombroich und Wien
Oswald Egger, geboren 1963 in Lana, lebt auf der Raketenstation Hombroich und in Wien. Seine Gedichte wurden ins Französische, Amerikanische, Ungarische, Niederländische, Slowenische, Schwedische und Arabische übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der Christian-Wagner-Preis 2006, der Peter-Huchel-Preis 2007 und der H.C.-Artmann-Preis 2008.
Veröffentlichungen u.a.:
»Poemandern Schlaf (der Rede Dreh)« (1999); »Herde der Rede«. Poem (1999); »Nichts, das ist« (2001); »-broich. Homotopien eines Gedichts« (2003); »Prosa, Proserpina, Prosa« (2004); »Nihilum Album. Lieder und Gedichte« (2007); »Diskrete Stetigkeit. Poesie und Mathematik« (2008).
1962 in Freising geboren, Studium der Romanistik, Germanistik, Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft. Kooperationen mit Rob Moonen und Olaf Arndt, Assistentin von Blixa Bargeld, Koordinatorin im Graduiertenkolleg „Praxis und Theorie des künstlerischen Schaffensprozesses“, Universität der Künste Berlin; Recherchen, Dramaturgien sowie Drehbucharbeiten in zahlreichen Dokumentationen; Lehrtätigkeit am Institut für Allgemeine und Vergelichende Literaturwissenschaft der Freien Universität Berlin; wissenschaftliche Mitarbeiterin von Prof. Gert Mattenklott und Lehrtätigkeit am Peter-Szondi Institut der Freien Universität Berlin.
Publikationen (Auswahl): Die kurze Spanne zwischen Aufbruch und Rückkehr. Victor Segalens Reisebuch Équipée, in: Umwege. Ästhetik und Poetik exzentrischer Reisen, 2008. "Große Grüße Dein Glaspapa": Paul Scheerbarts Anteil an Alpine Architektur, in: Christiane Rekade (hg.), 2008; Victor Segalen, Tote Stimmen: Maori Musik, Giorgio Agamben, Ursprung und Vergessen, herausgegeben, übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Maria Zinfert, 2006; Victor Segalen, New York – San Francisco – Tahiti, herausgegeben, übersetzt, mit Anmerkungen und einem Nachwort von Maria Zinfert, 2005; Über eine Poetik der Inversion. Die Romane von Victor Segalen, München 2003.
geboren 1945 in Aarau, lebt in Unterkulm/Schweiz. Zahlreiche Auszeichnungen, u.a. Hermann-Hesse-Literaturpreis 1997, Gottfried-Keller-Preis 2004, Aargauer Kulturpreis 2005, Werkpreis der schweizerischen
Schillerstiftung 2005.
Veröffentlichungen (Auswahl): Am Fuß des Kamels. Geschichten & Zwischengeschichten (1994); Kurze Durchsage. Gedichte & Prosa (1995); Jakob schläft. Eigentlich ein Roman (1997); Kommen Sie mit mir ans Meer, Fräulein? Roman (1998); Garn. Prosa & Gedichte (2000); Adams Kostüm. Drei Erzählungen (2001); Das Turnier der Bleistiftritter. Achtzehn Begegnungen (2003); Löwen Löwen. Venezianische Spiegelungen (2004); LOS. Roman (2005); Priskas Miniaturen. Erzählungen 1978–1988 (2005); Der gestillte
Blick. Sehstücke (2007); Der Argentinier. Novelle (2009).
Wien
Geboren 1971 in Graz, Studium der Germanistik in Salzburg und Berlin; verschiedene Arbeiten im Kunst- und Kulturbereich, lebt in Wien. Schreibt Prosa, Lyrik und dramatische Texte.
Veröffentlichungen bislang in Literaturzeitschriften
und Anthologien; österreichisches Staatsstipendium
für Literatur, Manuskripte-Literaturförderungspreis,
Hermann-Lenz-Stipendium 2007 u.a. Taghelle Gegend ist Reitzers Debütroman, für den sie für den aspekte-Literaturpreis 2007 nominiert wurde. Der Text, den sie beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2008 gelesen hat, ist im Prosaband Frauen in Vasen (2008) erschienen.
Geboren 1924 in Wien. Lebt als freie Schriftstellerin in Wien. 1946 - `69 Englischlehrerin. 1946 erste Veröffentlichung. Seit 1954 Lebenspartnerschaft und enge literarische Zusammenarbeit mit Ernst Jandl bis zu dessen Tod 2000. 1967 bis 1971 vorwiegend Arbeit an Hörspielen, daneben Bücher mit szenischer Prosa, in den 70er Jahren längere und kürzere Prosa, in den 80er Jahren umfangreiche Prosabücher und Gedichtbände.
Preise und Auszeichnungen (Auswahl): 1963 Förderungspreis für Literatur des Theodor-Körner-Stiftungsfonds zur Förderung von Wissenschaft und Kunst; 1968 Hörspielpreis des Bundes der Kriegsblinden Deutschlands, Bonn (gemeinsam mit Ernst Jandl); 1973 Würdigungspreis des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst für Literatur; 1976 Preis der Stadt Wien; 1977 Georg-Trakl-Preis für Lyrik des Landes Salzburg; 1981 Anton-Wildgans-Preis der Österreichischen Industrie für Literatur; 1982 Großer Österreichischer Staatspreis des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst für Literatur; 1982 Roswitha-von-Gandersheim-Preis Bad Gandersheim; 1985 Preis des Südwestfunk-Literaturmagazins; 1985 Literaturpreis des Südwestfunks Baden-Baden; 1987 Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst; 1989 Hans Erich Nossack-Preis der Deutschen Industrie; 1993 „Manuskripte“-Preis für das Forum Stadtpark des Landes Steiermark; 1993 Friedrich-Hölderlin-Preis; 1996 Großer Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Künste; 1996 Else-Lasker-Schüler-Lyrikpreis; 1997 13. Meersburger Drostepreis; 2001 Georg-Büchner-Preis; 2001 Karl-Sczuka-Hörspielpreis, 2003 Premio Internazionale, 2004 Ehrenring der Stadt Wien.
Veröffentlichungen(Auswahl): Larifari, Ein konfuses Buch, Kurzprosa (1956); Texte, Gedichte (1966); Tod durch Musen, Poetische Texte, Gedichte (1966); Minimonsters Traumlexikon, Texte in Prosa (1968); Fantom Fan, Prosa (1971); Sinclair Sofokles der Baby-Saurier, Kinderbuch (1971); Fünf Mann Menschen, Hörspiele (mit Ernst Jandl, 1971); Arie auf tönernen Füszen, Metaphysisches Theater (1972); je ein umwölkter gipfel, Erzählung (1973); Heisze Hunde (mit Ernst Jandl, 1977); Heiligenanstalt (1978); Ausgewählte Gedichte 1944-1978 (1979); Die Abschiede, Prosa (1980); Bocca della Verità, Hörspiel (1981); Ich, der Rabe und der Mond, Kinderbuch (1981); Gute Nacht, guten Morgen, Gedichte 1978-1981 (1982); Magische Blätter, Kurzprosa (1983); Reise durch die Nacht, Prosa (1984); Das Herzzerreißende der Dinge (1985); Magische Blätter II (1986); Winterglück, Gedichte 1981-1985 (1986; mein Herz mein Zimmer mein Name (1988); Gesammelte Prosa 1949-1975 (1989); UMBRA, DER SCHATTEN, Das ungewisse Garten-Werk, Prosa zu Arbeiten von Linde Waber (1989); Magische Blätter III (1991); ABC-thriller (1968) Kinderbuch (1992); Das besessene Alter, Gedichte 1986-1991 (1992); Veritas, Lyrik und Prosa 1950-1992 (1993); Lection (1994); Magische Blätter IV (1995); Notizen auf einem Kamel, Gedichte 1991-1996 (1996); das zu Sehende, das zu Hörende (1997); brütt oder Die seufzenden Gärten, (1998) ; blättersitten (mit Manfred Gruber, 1999); Gesammelte Prosa, 5 Bände (2001); Requiem für Ernst Jandl (2001); Magische Blätter I-V (2001); Mein Arbeitstirol, Gedichte (2003); Gesammelte Gedichte. 1939 - 2003. (2004); Und ich schüttelte einen Liebling (2005); Magische Blätter VI (2007); Paloma. Prosa (2008); Scardanelli, Gedichte (2009).
1950 in Paris geboren, promovierte in Sinologie und lebt als Dichterin, Übersetzerin und Wissenschaftlerin in Südfrankreich. Mit Louis Roquin leitet sie den Verein „Les arts contigus“, der sich mit der Begegnung und Gegenüberstellung diverser künstlerischer Ausdrucksweisen beschäftigt: Literatur, Bildhauerei, Musik, Tanz, Installation. Lange Zeit war sie Mitglied der Gruppe Oulipo. Michèle Métail schreibt, photographiert und stellt ihr Werk in Performance vor. Aktuell auf Französisch erscheint 2009 in ihrem Stammverlag Tarabuste der Band „La route de cinq pieds“. Auf Deutsch veröffentlichte sie Einzelpublikationen bei DAAD (Gehen und Schreiben, 2002) und in der Edition Korrespondenzen (2888 Donauverse, 2006).
1941 in Paris geboren, lebt als Klang- und Bildkomponist und Trompeter in Lasalle in Südfrankreich. Sein Werkverzeichnis beinhaltet mehr als 200 Werke mit Kompositionen für ein Klangumfeld oder für 26 Gongs ebenso wie für diverse Besetzungen. Roquin, der u.a. bei Pierre Schaeffer studiert hat, nähert sich Musik teils über Bild und Text, fertigt Kalligraphien und erfindet Musik für Einbildungskraft, so zuletzt eine „Kosmophonie der unsichtbaren Welten“. Die Konzeption als spielerisches Stück und der graphische Eigenwert sind ihm gleich wichtig.
Jürg Halter, erschienen am 23. Juni 1980 in Bern, wo er lebt. Studium an der dortigen Hochschule der Künste. Halter ist Dichter und unter dem Namen Kutti MC auch als Mundart-Rapper bekannt. Halter hatte zahlreiche Auftritte an internationalen Literaturfestivals in Europa, Russland, den U.S.A. und Afrika. (u.a. Poetry International Rotterdam, Internationales Literaturfestival Berlin, International Poetry Festival San Francisco, Poetry Africa Durban, Book Fair St. Petersburg, ABC-Festival Antwerpen, American National Poetry Slam Chicago).
Zuletzt: «Nichts, das mich hält», 2008, das preisgekrönte Debüt «Ich habe die Welt berührt» 2005 und das Spoken-Word-Hörbuch «Aber heute ist der Tag, an dem ich mehr als sprechen will», 2007.
Veröffentlichungen in Zeitschriften, Anthologien und Zeitungen u.a. in: „ Natürlich die Schweizer“, „Lyrik von Jetzt 2“, „The Spoken Word Revolution Redux.“, „Hermetisch offen“, lyrikline.org“, „Zwischen den Zeilen“, «Volltext», «Manuskripte», «ndl», «Passagen», «Drehpunkt», „art.21-zeitdruck“, „NZZ am Sonntag“, „Der Bund“, „Das Magazin“, „Basler Zeitung“ und „Tages-Anzeiger“. Auftritte mit Musik u.a. mit dem Jürg Halter Quartett oder im Duo mit Julian Sartorius.
Übersetzungen einzelner Halter-Gedichte ins Englische, Polnische, Französische, Japanische, Holländische und Russische. Ungarisch, Tschechisch, Italienisch u.a.
Thomas Meinecke wurde 1955 in Hamburg geboren. Ab 1977 in München lebend, war er dort von 1978 – 1986 Mitherausgeber und Redakteur der Avantgarde-Zeitschrift Mode & Verzweiflung.
In den 80er Jahren erschienen in unregelmäßigen Abständen in der ZEIT Kolumnen von ihm, 1986 der Kurzgeschichten-Band Mit der Kirche ums Dorf. Er folgten die Erzählung Holz (1988) und die Romane The Church of John F. Kennedy (1996), Tomboy (1998), Hellblau (2001) und Musik (2004), 2007 der Erzählband Feldforschung.
Thomas Meinecke ist außerdem Musiker in der 1980 von ihm mitgegründeten Band Freiwillige Selbstkontrolle (FSK) und Radio-DJ in seiner Sendung Zündfunk (BR 2).
1994 zog er mit Frau und Tochter in ein oberbayrisches Dorf.
Auszeichnungen (u.a.): Literarisches Colloquium Berlin (1987); „poet in residence“ an der Universität/GH Essen (1998/99); d.lit – Literaturpreis der Stadtsparkasse Düsseldorf (2003); Tukan-Preis der Landeshauptstadt München (2004); Dozentur „Manuskriptum“ an der Ludwig-Maximilians-Universität München (2004/05); Stipendium des Niedersächsischen Literaturbüros (2005); Karl-Sczuka-Preis für Hörspiel als Radiokunst
Geboren in Baden bei Wien (Niederösterreich).
Studium der Slawistik und Kunstgeschichte. Journalistin der Öko-Zeitschrift "Natur ums Dorf".
Freie Texterin und Journalistin.
Literarische Veröffentlichungen ab 1986.
Freiberufliche Schriftstellerin und Regisseurin. Lebt in Wien, Berlin, London und New York
Auszeichnungen (u.a.): Mara-Cassens-Preis (1997); Hermann-Hesse-Preis (2001); Literaturpreis der Stadt Wien (2001); Walter-Hasenclever-Literaturpreis (2002).
Werke (u.a.): Lisas Liebe. Roman in 3 Folgen (1997); Können. Mögen. Dürfen. Sollen. Wollen. Müssen. Lassen: Frankfurter Vorlesungen (1998); Nachwelt. Ein Reisebericht (1999); Partygirl. Roman (2002); Norma Desmond: A Gothic SF-novel (2002); Gegen die tägliche Beleidigung: Vorlesungen (2004); Morire in Levitate. Novelle (2006); Jessica, 30 (2006); Entfernung. 31 Abschnitte. Roman (2006); Der Abend nach dem Begräbnis der besten Freundin (2008).
Artur Becker, geboren 1968 als Sohn polnisch-deutscher Eltern in Bartoszyce (Masuren), lebt seit 1985 in Deutschland, heute in Verden an der Aller. Romancier, Lyriker und Essayist.
Seine letzten Veröffentlichungen: Die Zeit der Stinte (dtv, 2006), Das Herz von Chopin (Hoffmann und Campe, 2006).
Rainer Nägele, geboren 1943 in Liechtenstein, war von 1979-2005 Professor of German an der Johns Hopkins University in Baltimore, USA. Seit 2006 ist er Professor für deutsche und vergleichende Literaturwissenschaft an der Yale University, USA, mit den Spezialgebieten Literaturtheorie, Ästhetik, Philosophie und Psychoanalyse und besonderem Interesse für die Autoren Hölderlin, Baudelaire, Artaud, Benjamin, Kafka und Freud.
Rainer Nägele, in den USA lehrender Germanist, bezeichnet seine vorliegenden Essays selbst als "Lehrstücke des Lesens" im Sinne von Einübungen in Haltungen des Lesens. Er meint damit ein Lesen, das mit den Texten mitgeht, das sich ihrer Bewegung, ihrem Rhythmus überläßt. Rainer Nägeles Lektüre ist nicht Rekonstruktion, sondern Konstruktion, in der sich etwas heraustellt und herstellt. Er beschäftigt sich in seinen Studien mit Texten von Charles Baudelaire, Walter Benjamin, Bertolt Brecht, Sigmund Freud, Franz Kafka und Georg Trakl. Rainer Nägeles ebenso anregende wie kompetente Lektüre zeichnet in der Vernetzung der Echos zwischen den Texten dieser Autoren einige Lesarten der Moderne nach.
Aase Berg, geboren 1967, gehört zu den wichtigsten, gleichsam eigenwilligsten Stimmen der schwedischen Gegenwartsliteratur, wo sie mittlerweile eine Ausnahmestellung einnimmt.
Sie publizierte in den vergangenen Jahren fünf Bücher (Hos rådjur : prosadikter, Stockholm, Bonnier Alba, 1997; Mörk materia, Stockholm : Bonnier, 1999; Forsla fett : dikter, Stockholm, Bonnier, 2002; Uppland: dikter, Stockholm: Bonnier, 2005; Loss, Stockholm: Bonnier, 2007) und schreibt regelmäßig für überregionale, führende Literaturzeitschriften und Tageszeitungen in Schweden, im BLM (Bonniers Litterära Magasin), Göteborgs-Posten und im 00tal. 1986 gehörte sie zu den Gründern der Surrealistengruppe „Det Stora Saltet“.
Aase Berg lebt in der Nähe von Stockholm.
Ihr Werk ist zum Großteil beim renommierten Verlag in Schweden, dem Bonnier-Verlag, erscheinen, Forsla fett wurde für den angesehenen Preis Augustpriser nominiert.
Die Dichterin publizierte in den vergangenen Jahren fünf Bücher und schreibt regelmäßig für überregionale, führende Literaturzeitschriften und Tageszeitungen in Schweden, im BLM (Bonniers Litterära Magasin), Göteborgs-Posten und im 00tal. 1986 gehörte sie zu den Gründern der Surrealistengruppe „Det Stora Saltet“.
Aase Berg lebt in der Nähe von Stockholm.
(*1971) österreichische Schriftstellerin. Studium der Germanistik und Publizistik. Schreibt Prosa, Hörspiele, Theatertexte und beteiligt sich an Inszenierungen von Theaterstücken und Performances. Lebt seit 1992 in Berlin. In ihren Texten arbeitet sie medienübergreifend, mit dokumentarischen Verfahren und mit den Mitteln der Komik und Ironie: Ihre Arbeiten sind experimentell, sprachkritisch und in steter Auseinandersetzung mit der Mündlichkeit der Schrift. Auszeichnungen (u.a.): Reinhard-Priessnitz-Preis (1995), Italo-Svevo-Preis (2001), Solothurner Literaturpreis (2005). Zuletzt: „wir schlafen nicht“ (2004. „junk space“ (2004). „draußen tobt die dunkelziffer (2005). „Disaster awareness fair“ (2006). „Recherchegespenst“ (2008). „worst case“ (2008).
Programm Symposium "Ästhetische Konzeptionen der Gegenwart"
Die in Berlin lebende Österreicherin wird in Bozen in einem literarischen und theoretischen Beitrag Analysen zur Weltwirtschaftskrise versuchen: Im Theatertext „die alarmbereite“, aus dem Kathrin Röggla lesen wird, und im brandneuen Band „“Gespensterarbeit, Krisenmanagement und Weltmarktfiktion“ begibt sich Kathrin Röggla auf die Spur der Mechanismen von Finanzmärkten und Fiktionsarbeit:
Welche unterirdischen Verbindungen existieren zwischen dem Fiktiven der Finanzmärkte und den Fiktionen der Filmindustrie, und wie sieht es mit der Filmkritik aus? Anhand der Analyse von Rhetoriken und sprachlicher Bilder in den medialen und politischen Diskursen zur Finanzkrise fragt Kathrin Röggla nach den Dramaturgien, den Plotstrukturen und den Figuren, die mit diesen korrespondieren. Immer wiederkehrende Motive wie das der Unsichtbarkeit, der Gier, des Dominoeffekts, des Worst-case-Szenarios und des Insiderwissens sowie ständig verwendete Begriffe wie »Bad Bank« oder »toxische Zertifikate« lassen nicht nur deutlich werden, dass Katastrophismus und Risikogesellschaft längst vereint sind, sondern auch, dass uns anscheinend eine gefährliche Genre-Gemengelage regiert, eine Art »Zombiekapitalismus«. Die Wirklichkeitsmacht der Fiktion hat auf den Finanzmärkten längst eine alles beherrschende Rolle eingenommen und lässt uns zurück mit der Frage, warum wir so zögerlich reagieren, ob Kritik in einer Gesellschaft des Spektakels überhaupt noch möglich ist.
(*1950) Journalist, Übersetzer und Verleger. Studium der Germanistik, Kroatistik und der jugoslawischen Literatur. Er verfasste zahlreiche Beiträge in Zeitschriften und Feuilletons von Wochen- und Tageszeitungen, arbeitete als Übersetzer und Lektor und gründete 1990 in Zagreb den Verlag Durieux, den er bis heute leitet. Auszeichnungen u.a.: Bruno-Kreisky-Preis für das Politische Buch; Hermann-Medaille des P.E.N. Zuletzt: „Verteidigung der Zukunft. Suche im verminten Gelände“ (1999). „Kein Gott in Susedgrad. Junge Literatur aus Kroatien“ (2008).
(*1948) Schriftsteller, Essayist und Dramatiker. Er gilt als einer der wichtigsten zeitgenössischen slowenischen Autoren. 1974 wurde Jancar wegen „feindlicher Propaganda“ und „publizistischen Ungehorsams“ inhaftiert. Zuletzt: „Die Erscheinung von Rovenska“ (2001). „Brioni und andere Essays“ (2002). „Luzias Augen“ (2005). „Der Wandler der Welt. Der Mythos von Dädalus.“ (2007). „Katharina, der Pfau und der Jesuit“ (2007). Auszeichnungen (u.a.): Europäischer Preis für Kurzprosa (1994); Kresnik-Preis (1998); Jean Améry-Preis für Essayistik (2007).
(*1939) Slawist und Übersetzer. Seit 1973 Lehrtätigkeit an der Universität Klagenfurt. Arbeitsschwerpunkt: südslawische Literaturen; Übersetzungen aus dem Slowenischen, Kroatischen, Bosnischen und Serbischen.
(*1948) österreichischer Schriftsteller und Essayist. Studium der Philosophie, Germanistik und Geschichte, Generalsekretär der Grazer Autorenversammlung und Redakteur der Zeitschrift Wespennest und Leiter des literarischen Programms im Verlag Deuticke. Franz Schuh arbeitet als freier Mitarbeiter bei Rundfunkanstalten, bei „Die Zeit“ und „Literaturen“ und ist Lehrbeauftragter an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Auszeichnungen u.a.: „Jean-Améry-Preis“ (2001) und der „Preis der Leipziger Buchmesse“ (2005). Zuletzt: „Das Widersätzliche der Literatur. Essays“ (2000). „Schreibkräfte. Essays“ (2000). „Schwere Vorwürfe, schmutzige Wäsche. Essay“ (2006). „Memoiren. Ein Interview gegen mich selbst“ (2008).
Programm Symposium "Ästhetische Konzeptionen der Gegenwart"
Zur Eröffnung wird Franz Schuh aus dem Band „Schwere Vorwürfe, schmutzige Wäsche“, mit dem er 2007 den Preis der Leipziger Buchmesse gewann, aus dem 2008 erschienenen Essayband „Memoiren. Ein Interview gegen mich selbst“ sowie Unveröffentlichtes lesen.
Der österreichische Philosoph, der sich mit einem unerbittlichen Scharfsinn, einer poetischen Ironie und dialektischen Intelligenz in die Tradition eines Johann Nestroy, Helmut Qualtinger und Karl Kraus reiht, durchleuchtet in seinen Essays, Erzählungen und Notaten Verhältnisse dieser Welt im Großen und im Kleinen und ist all dem Nichtsnutzigen, Sinnlosen und Skurrilen so heiter wie tiefgründig auf der Spur. Im unveröffentlichten Essay „Sehnsucht nach Radikalität“, den er am 5. Juni 2009 vorstellen wird, reflektiert Franz Schuh über die Vorstellungskraft der Sehnsucht, die jeder Kunst jenseits aller Realisierung und kulturbetrieblicher Vernetzung als Denkbares vorausgeht.
Kalifornischer Kulturwissenschaftler, Schriftsteller und Vilém-Flusser-Theory-Award-Preisträger, lebt in Paris und Chicago und schreibt über Kunst, Aktivismus und sozialen Wandel. Er war Redakteur für die Dokumenta X, Mitarbeiter von Nettime und Mitglied des Redaktionsausschusses von Multitudes. Holmes setzt sich mit der Überkodierung unserer Gesellschaftsordnung auseinander, sein Affektvistisches Manifest fordert eine neue künstlerische Auseinandersetzung in Hinblick auf den sich selbst reglementierenden Menschen.
(*1963) studierte Kunstgeschichte an der Auckland University in Neuseelang und Philosophie an der Sydney University in Australien. Er unterrichtet seit 2001 ästhetische Theorie und Filmtheorie an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Zuletzt erschienen: „Art as Abstract Machine: Ontology and Aesthetics in Deleuze and Guatttari“ (2005). „Deleuze, Guattari and the Production of the New“ (2008). Stephen Zepke wird die ästhetischen Konzeptionen der Gegenwart im Gefolge der französischen Philosopie besprechen: Kunst als eine abstrakte Maschine, die auf direkte Weise in unsere politische Realität eingreift.
(*1967) Kunsthistoriker und Kurator Otto Urban unterrichtet am Prager Institut der New York University, sowie am Art Institute of Chicago und der University of Texas, Austin. Seit 1990 befasst sich Urban, dessen Beiträge in zahlreichen Anthologien erschienen sind, vor allem mit dem Mitteleuropäischen Symbolismus, im Besonderen mit der Dekadenz. Otto Urban, der zahlreiche Ausstellungen hierzu kuratiert hat – zuletzt „In Morbid Colours“ in Prag und Brüssel (2008-2009) –, wird in einer Bilderprojektion ausgewählte Arbeiten der letzten 40 Jahre präsentieren und darlegen, wie sich das Selbstverständnis der gegenwärtigen Kunst in dem noch jungen Jahrtausend bereits maßgeblich gewandelt hat.
Der 1961 in Triest geborene und mehrsprachig aufgewachsene Philosoph Pietro Kobau ist Professor für Philosophie und Ästhetik am Philosophischen Institut Turin und Mitglied namhafter Organisation wie der Società Italiana d’Estetica, der Slovensko Društvo za Estetiko oder dem deutschen Virtuellen Institut für Bildwissenschaft. Kobau, der anhand einer Bilderprojektion ausgewählter Arbeiten über Body Art und deren gesellschaftspolitischen Implikationen referieren wird, ist derzeit Koordinator eines Forschungsprojektes der Università degli Studi di Torino.
Zoran Feric wurde 1961 in Zagreb geboren. Er studierte an der dortigen philosophischen Fakultät. Er ist Autor, Essayist, Übersetzer aus dem Polnischen, Ungarischen, Englischen und Slowenischen.
Zoran Ferics publizierte in verschiedenen kroatischen Zeitschriften wie in „Polet“, „Studentski list“, „Pitanja“, „Oko“, „Quorum“, „Plima“, „Evropski glasnik“ und „Torpedo“. Er ist Autor zahlreicher Romane und Erzählungen. Im Zuge einer Kritikerumfrage des Zagreber Wochenmagazins „Nacional“ wurde sein „Engel im Abseits“ zum Buch des Jahrzehnts 1990-2000 gewählt.
Derzeit arbeitet Feric als Gymnasiallehrer für Kroatisch.
1966 in Wien geboren. Studium der Hispanik und Philosophie.
Auszeichnungen (u.a.): Förderpreis der Stadt Wien 2002; aspekte-Literaturpreis 2004; Hermann-Lenz-Stipendium 2004; Förderpreis für Europäische Literatur 2005, Telekom-Austria-Preis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2007, Staatsstipendium 2005/06; Literaturpreis der deutschen Wirtschaft 2007.
Publikationen (u.a.): „Der einzige Ort" (2004), „Ihre Musik" (2006); „Was kommt" (2009).
Thomas Stangls neuer Roman „Was kommt" erschien im Frühjahr diesen Jahres und erntete prompt großen Zuspruch, mehrere Auszeichnungen und die Nominierung für den Deutschen Buchpreis 2009. Der Roman verhandelt Geschichte nicht nur als das, was sich schon ereignet hat. „Geschichte heißt, das kommt erst", schreibt Stangl. In überwältigenden, auch schockierenden Bildern hält Stangl das fest, was sich der Beschreibung - zumindest in der gegenwärtigen Literatur - entzieht und wofür wir höchstens den Film als zuständig erachten: er schafft Räume des Übergangs, der Unschärfen, der Ahnungen und Déjà-vus, Räume für die Lebenden und die Toten, die Geschichte und ihre Opfer, Sterben und Verschwinden, Wirklichkeit und Traum. Thomas Stangls Sätze sind ein Rausch der Wahrnehmung, der die Grenzen zwischen Innen und Außen auflöst.
Hanna Krall wurde am 20. Mai 1937 in Warschau geboren. Den Krieg überlebte sie in Verstecken auf der arischen Seite. Hanna Krall arbeitete nach dem Studium der Publizistik an der Warschauer Universität als Journalistin, zunächst 1957 bis 1966 für »Zycie Wrszawy«, dann 1966 bis zur Verhängung des Kriegsrechts 1981 für die Wochenzeitschrift »Polityka«. Ihr Publikationsverbot brachte Hanna Krall in Verbindung zur Solidarnosc, in deren Zeitung »Gazeta Wyborcza« sie bis heute veröffentlicht. Mit »Dem Herrgott zuvorkommen«, einer literarischen Reportage über Marek Edelman und den Aufstand im Warschauer Ghetto 1943 und dem 1985 in einem Pariser Exilverlag erschienenen autobiographischen Roman »Die Untermieterin« hatte die Autorin ihr Thema gefunden: das Aufspüren von vergangenem jüdischen Lebens in Polen. Hanna Krall arbeitet seit 1979 auch für Theater und Film. In den 90er Jahren nahm sie Stipendien in Berlin und in Iowa wahr. Sie lebt heute als freie Autorin in Warschau. Ihre Werke wurden in siebzehn Sprachen übersetzt.
Theresia Prammer (*1973) arbeitet vorwiegend als Übersetzerin aus dem Italienischen und Französischen sowie als Wissenschaftlerin der deutschen und italienischen Literatur; nicht weniger präsentiert sie Lektüren in Kommentaren, Essays oder Autorenvorstellungen, in denen sie Lesarten exemplarisch als ineinander fließende Denkarten der Sprache, des Sprechenden und Lesenden vorführt. Dabei hält sie sich mit einer präzisen Feinsinnigkeit in den Grenzbereichen des poetischen Sprechens auf und hält fortwährend den Blick der Übergänge von Theorie und Poesie, von Deutung und Sinn oder von Begriff und Vorstellung wach. Auf diese Weise lassen die Texte und Übersetzungen von Theresia Prammer immer auch Gedankengänge erkennen, die in ihrer Bewegung einen Erkenntnisprozess herausbilden.
Theresia Prammer lebt in Berlin und Bologna. Studium der Romanistik in Wien. Beiträge und Essays zur Gegenwartslyrik und zur literarischen Übersetzung. Herausgeberin von Anthologien und Dossiers. Übertragungen aus dem Französischen und Italienischen ins Deutsche sowie ins Italienische. Übersetzerpreis der Stadt Wien 1999, Doktorandenprogramm der ÖAW, Doc.Award 2008. Seit Februar 2008 Herausgeberin der Internet-Anthologie „italo.log" (http://www.satt.org/italo-log, zus. mit Roberto Galaverni); wissenschaftliche Beraterin von „Testo a fronte". Buchpublikationen als Autorin: Lesarten der Sprache. Andrea Zanzotto in deutschen Übersetzungen (2005); Übersetzen. Überschreiben. Einverleiben - Verlaufsformen poetischer Rede (2009). Zuletzt hrsg.: Eine Wissenschaft vom Licht. Gedichte 1960-1975. Schreibheft-Dossier zu Pier Paolo Pasolini (2009). Eine italienische Auswahl deutschsprachiger zeitgenössischer Lyrik erscheint im kommenden Frühjahr im Verlag Scheiwiller.
Zur Eröffnung der Kulturtage Lana 09 stellt Herta Müller ihren neuen Roman „Atemschaukel" zum ersten Mal vor. Im Roman hat die rumäniendeutsche Schriftstellerin, die seit 1987 in Berlin lebt, zusammen mit dem 2006 verstorbenen Lyriker Oskar Pastior die Deportation von Rumäniendeutschen in die Sowjetunion 1945 bis 1950 rekonstruiert. Oskar Pastior selbst musste als 19jähriger fünf Jahre Zwangsarbeit in ukrainischen Bergwerken leisten. Der gemeinsam entstandene Text, der auf eine in Lana geborene Idee von Herta Müller und Oskar Pastior zurückgeht, hat Herta Müller jetzt alleine zu Ende geschrieben. Das Ergebnis ist ein grandioser Roman mit einer fiktionalen Geschichte, die sich am konkret Erlebten orientiert.
Ein Monat, nachdem Herta Müller die Kulturtage 2009 eröffnet hatte, wurde sie mit dem Nobelpreis für Literatur 2009 ausgezeichnet.
Kathrin Schmidt reiht sich in der magisch-realistischen Schilderung und in der Auseinandersetzung mit der jüngeren Vergangenheit Deutschlands in eine deutsche Erzähltradition, die an Günter Grass und Irmgard Morgner anschließt. In dem letzten Roman „Du stirbst nicht" erzählt sie die atemberauschende Geschichte einer Heilung: Sie macht den Orientierungs- und Sprachverlust nach einer Hirnverletzung erfahrbar und zeigt einen Weg der Genesung, der in zwei Richtungen führt, zurück und nach vorn. Dabei entsteht ein Entwicklungsroman ganz eigener Art, der durch seine innere Dynamik fesselt und durch die Rückhaltlosigkeit, mit der seine Heldin sich mit ihrer Vergangenheit und Gegenwart konfrontiert, fasziniert.
Marcel Beyer gehört zu den wichtigsten Vertreter der deutschen Gegenwartsliteratur und bereichert sie durch eine sehr eigenwillige Prägung, die sich am Experimentellen und am französischen Nouveau Roman orientiert und inhaltlich an der Vergangenheit mit der deutschen Geschichte, insbesondere des 3. Reiches abarbeitet. Im Roman „Kaltenburg" entwirft der Heinrich-Böll-, Uwe-Johnson- und Joseph-Breitbach-Preisträger, der „Dichter des ganzen Deutschlands", ein Panorama deutscher Geschichte von den 30er Jahren bis in die Gegenwart. Wie in „Flughunde" verwebt Marcel Beyer Persönliches und Geschichtliches derart miteinander, dass man den Ereignissen im katastrophalen Deutschland des 20. Jahrhunderts gebannt folgt.
Eine Erstpräsentation wird es neben „Atemschaukel" auch von Lutz Seiler geben. Zum ersten Mal liest der mehrfache Preisträger, der in der geschichtsgesättigten Sinnlichkeit für Alltäglichkeiten und der Abrechnung mit der sozialistischen Utopie eine einzigartige Stellung in der Lyrik hat, innerhalb der Kulturtage Lana 09 aus dem lange erwarteten Buch „Die Zeitwaage". Neben „Turksib", für die Lutz Seiler mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet wurde, enthält der Band 13 neue Erzählungen. Ob in der Geschichte einer gespielten Erschießung oder im alltäglichen Drama einer wirklichen Trennung - in allen Texten des Bandes geht es um prägende Wendepunkte, um das Groteske im Leben und unser häufig vergebliches Rungen um einen anderen Verlauf.
Als 2001 in England unerwartet W.G. Sebald verstarb, verlor die deutsche Gegenwartsliteratur einen der stärksten, einzigartigsten und eigenwilligsten Dichter. Gerade in den USA, in Großbritannien und Frankreich genoss er so große Aufmerksamkeit, dass er - nicht ohne Einfluss von Susan Sonntag - gar als Nobelpreisträger gehandelt wurde.
In einer unverwechselbaren Rhythmik und Melodik der Sprache, die die Melancholie des Atmosphärischen und Flüchtigen mit trägt, spürt Sebald in seinem Werk stets dem Schicksal von Außenseitern, Ausgewanderten und vertriebenen Juden nach. Rekonstruktionen des Vergangenen, Sammlungen von Dokumenten und Recherchen von mündlichen sowie schriftlichen Überlieferungen untermauern Sebalds unermüdliche Frage nach der Funktion von Erinnerung und Gedächtnis, dem ein dauernder Appell gegen die Erinnerungslosigkeit voran steht. Nicht weniger (aber auch nicht unumstritten) trägt eine Poetik des Ephemeren das Werk Sebalds, die zwischen Wirklichkeit und Phantasie flirrt und fast geheimnisvoll Bezüge ineinander verwebt.
Dem Schmerz über das Schicksal der Menschen und die Trauer über die deutsche Vergangenheit hat Sebald die Bezeichnung der „Dichters der Toten" eingebracht.
Die Kulturtage Lana 09 widmen W.G. Sebald eine Hommage und präsentieren in Vorträgen, Lebenserzählungen, einem Bezug zum großen Dichter und Freund Michael Hamburger sowie einem vielbeachteten Filmportrait Aspekte von Sebalds Leben und Werk.
2007 ist Wolfgang Hilbig gestorben. Die deutschsprachige Literatur verlor eine einzigartige Stimme, einen Autor zwischen Durchlässigkeit und Kraft, zwischen Unbeweglichkeit und Unruhe - so hat er sich selbst beschrieben. Wolfgang Hilbig war ein „Traumverlorener, ein versprengter Paradiesgänger" (Süddeutsche Zeitung), ein Verletzter und Widerständiger. Seine Romane, Erzählungen und Gedichte sind leidenschaftlich und voll brennender Sehnsucht, elegisch, grüblerisch, zärtlich. Die Hommage mit Jürgen Hosemann, Lektor Hilbigs und großer Kenner seines Werks, Marcel Beyer und Lutz Seiler will des Dichters und Büchner-Preisträgers gedenken, der mit „schwerer Hand" schrieb
Im Vorwort des neu erschienen Bandes „Diese schönen Tage" beschreibt der Übersetzer Piero Salabè die Dichterin Patrizia Cavalli als eine Poetin in einer „Zeit inzwischen untergegangener gesellschaftlicher Utopien in einer wissenschaftlich erschlossenen, medial-funktionalistischen Epoche". In der Tat fällt die Lyrik von Patrizia Cavalli in einer lakonischen Schwermut und in stillem Einverständnis mit dem zwecklosen Gleichmut der Dinge, die mit dem Lauf der Zeit geschehen, eigenwillig aus der Gegenwart. Sie zielt so kühn und manchmal dreist auf Ursachen von Zusammenhängen ab, wie sie sie in poetischer Kraft wieder aufhebt in den Ernst oder den Scherz einer fundierten Gelassenheit.
Der Kritiker Alfonso Berardinelli schreibt über Patrizia Cavalli:
„Die poetische Sprache der Cavalli ist zu pfeilschnellen Aussagen ebenso befähigt wie zu labyrinthischen, syntaktischen Arabesken. Doch sollte nicht außer Acht gelassen werden, daß die erfrischendsten Resultate dieser Dichtung humoristischer Natur sind. [...] Das Glück muß existieren: So lautet der erste Artikel des Gesetzes, das für Patrizia Cavalli die Welt regiert. Allein daß, in der Regel, dieses Glück eben nicht existiert oder momentan abwesend oder aufgeschoben oder unauffindbar ist."
Und der Philosoph Giorgio Agamben befindet im Vorwort des zweisprachigen Bandes „Diese schönen Tage": „Eine Sprache, die weder Hymne noch Elegie ist, sondern in ihrem schlafwandlerischen Fortschreiten die genauen Umrisse des Seins berührt."
aus: MEINE GEDICHTE WERDEN DIE WELT
NICHT VERÄNDERN
Jemand sagte mir
sicher werden meine Gedichte
die Welt nicht verändern.
Aber sicher, antworte ich,
meine Gedichte werden
die Welt nicht verändern.
Ich bin dabei, meine Kindheit, die sich zwischen zuckenden, blutigen Hahnenköpfen, trottenden Pferden, tänzeldnen Kalbstricken bewegte, zu ermorden. Ich werde das Kind, das ich war, umbringen, damit einmal, wenn auch erst auf dem Totenbett, meine Kinderseele zur Ruhe kommt ... Ich hoffe, daß man mich des Mordes anklagt, denn meine Sätze unterscheiden sich von der tatsächlichen, blutigen Tat wiederum nur durch die Ohnmacht. (aus: Menschenkind)
„Josef Winkler hat auf die Katastrophen seiner katholischen Dorfkindheit mit Büchern reagiert, deren obsessive Dringlichkeit einzigartig ist. Was Winkler seit seinem ersten Roman Menschenkind (1979) in einer barock-expressiven Sprache immer neu anklagt, bildet zugleich das produktive Element einer Hassliebe, in der Blasphemie und Frömmigkeit, Todessehnsucht und Todesangst sich zu einem bewegenden Abgesang auf eine untergehende Welt vereinen. Winklers neue Bücher erweitern, nach der eindringlichen Beschreibung der Erfahrung Roms (Friedhof der bitteren Orangen, Natura morta), seinen dichterischen Kosmos noch um die fremde Nähe Indiens" Jury des Georg-Büchner-Preises 2008
Die Kulturtage 2010 werden eröffnet in einer Lesung mit Josef Winkler, dessen Literatur wie kaum eine andere Pathos und Pathologie einer ländlichen, katholischen Welt hervorholt und sie so bilderreich und gewaltig zur Sprache bringt wie sie die davon bestimmte Macht von Ritualen bis in die intimsten Verästelungen kennt. Mit Klaus Kastberger wird Josef Winkler als eine der stärksten Stimmen der deutschsprachigen Literatur vorgestellt und damit einem eindrucksvollen literarischen Beispiel jener Tradition gefolgt, die wie gebannt die hehre Verquickung von Tod, Religion und Macht aufsucht.
Josef Winkler, geboren 1953 in Kamering, Mitglied der Grazer Autorenversammlung und der Interessengemeinschaft österreichischer Autoren und Autorinnen. Er lebt in Klagenfurt.
Für sein Werk wurde er mit vielen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem manuskripte-Preis, dem André-Gide-Preis, dem Großen Österreichischen Staatspreis für Literatur und 2008 mit dem Georg-Büchner-Preis. 2009 erhielt er zudem das Ehrendoktorat der Universität Klagenfurt.
Publikationen (u.a.): „Das wilde Kärnten" (1995); „Leichnam, seine Familie belauernd" (2003); „Roppongi. Requiem für einen Vater" (2007); „Ich reiß mir eine Wimper aus und stech dich damit tot" (2008); „Der Katzensilberkranz in der Henselstraße" (2009).
Besonders begrüßt wird bei den Kulturtagen 2010 der Georg-Büchner-Preisträger 2010, Reinhard Jirgl.
In der Begründung der Georg-Bücher-Preis-Jury 2010 heißt es, Jirgl habe in seinem Romanwerk "von epischer Fülle und sinnlicher Anschaulichkeit ein eindringliches, oft verstörend suggestives Panorama der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert entfaltet". Dabei lasse er die historischen Umbrüche aus unterschiedlichsten Perspektiven alltäglichen Erlebens gegenwärtig werden und mache so zuletzt in den großen Romanen Die Unvollendeten und Die Stille die Stimmen der Vergessenen und Verschütteten wieder hörbar. Von Katastrophen, Kriegen und Vertreibungen erzähle er mit Sensibilität und Leidenschaft.
In Lana wird Reinhard Jirgl aus dem 2009 erschienenen Roman "Die Stille" lesen:
Einhundert Jahre aus der Geschichte zweier Familien und aus der Geschichte eines Landes: Reinhard Jirgls "Die Stille" ist das monumentale Epos des langen Jahrhunderts.
Am Anfang steht ein Fotoalbum, die ältesten Bilder sind über achtzig Jahre alt: einhundert Fotografien zweier Familien, die eine aus Ostpreußen stammend, die andere aus der Niederlausitz. Zwei Weltkriege, Inflation, Flucht, Vertreibungen haben diese beiden Familien über fünf politische Systeme hinweg, von der Kaiserzeit bis heute, überlebt.
Diesen einhundert Fotografien folgend erzählt Reinhard Jirgl in seinem neuen großen Roman mit unterschiedlichen Erzählstimmen aus verschiedenen Zeiten und Perspektiven Geschichten von Verletzungen, Liebe und Verrat; erzählt von einem Glücksspieler, der seine Familie in Tod und Ruin treibt; von einer fatalen Geschwisterliebe; von Menschen, die sich nicht abfinden wollen mit dem wenigen, das ihnen der Alltag vorsetzt.
„Dies ist große Literatur, widerspenstig und ein gewaltiger Rammbock in den gegenwärtigen Moden", schrieb Helmut Böttiger in der Frankfurter Rundschau. "Die Stille" bestätigt Reinhard Jirgls außergewöhnlichen Rang.
Reinhard Jirgl, geboren 1953 in Berlin, lebt dort als freier Schriftsteller. Für sein Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den Alfred-Döblin-Preis, den Marburger Literaturpreis, den Joseph-Breitbach-Preis, den Stadtschreiber-Preis von Bergen-Enkheim, den Lion-Feuchtwanger-Preis und den Grimmelshausen-Preis. Im Juli 2010 wurde ihm von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung der renommierteste deutsche Literaturpreis, der Georg-Büchner-Preis zugesprochen.
Publikationen u.a.: „Genealogie des Tötens" (Trilogie, 2002), „Die Unvollendeten" (Roman, 2003), „Abtrünnig. Roman aus der nervösen Zeit" (2006), „Land und Beute" (Aufsätze, 2008) und „Die Stille" (Roman, 2009).
Barbara Honigmann stellt im Rahmen der Kulturtage 2010, die dem Thema der Erinnerung und ihrer Phantasmen folgen, einen Teil ihres Werkes vor, das unentwegt ein Stück europäische, speziell deutsche Geschichte der Kriege und Diktaturen in einem sehr diffizilen und feinfühligen literarischen Schreiben verfolgt.
In Lana liest die Autorin v.a. aus dem Buch "Ein Kapitel aus meinem Leben".
Zu: "Ein Kapitel aus meinem Leben":
Mit der Geschichte ihrer eigenen Mutter erzählt Barbara Honigmann nüchtern, poetisch und bewegend das unglaubliche Leben einer außergewöhnlichen Frau im Europa der Kriege und Diktaturen. "Ein Kapitel aus meinem Leben", so nannte ihre Mutter Lizzy mit betontem understatement das heikelste Kapitel dieses ungewöhnlichen Lebens: ihre Ehe mit dem weltberühmten "Meisterspion" Kim Philby, der als sowjetischer Agent in England arbeitete und später in die Sowjetunion flüchtete.
"Alltägliche Weltgeschichte: Was für ein aufregendes, kluges, hinreißendes Buch... Barbara Honigmann erzählt von ihrer Mutter. Doch deren Biografie ist so unvergleichlich und von solcher Dynamik, dass sie ganz eigene Perspektiven auf die deutsche Vergangenheit des 20. Jahrhunderts eröffnet. Zudem schreibt sie mit so federnder Leichtigkeit, mit so viel warmherziger Ironie der Mutter und gelassener Distanziertheit der eigenen Person gegenüber, dass dieses Buch nicht nur zu einer intellektuellen Bereicherung, sondern zugleich zu einem großen Lesevergnügen wird... Ein kleines Wunderding: schön, souverän, eindringlich." Uwe Wittstock, Die Welt
"Ein berührendes und unterhaltsames Porträt einer eigenwilligen Frau, ein vielschichtiges Zeitbild, in dem sich individuelle Widersprüche in den Paradoxien der Zeitgeschichte spiegeln. ... So souverän und zugleich liebevoll muss man die Freiheiten des biografischen Schreibens erst einmal auszureizen wissen." Sibylle Birrer, Neue Zürcher Zeitung
"Barbara Honigmanns Buch ist ein sprachliches und erzählerisches Ereignis." Volker Breidecker, Süddeutsche Zeitung
Der Klang des Atems
Im vollkommen abgedunkelten Raum des Espace d'art contemporain in Porrentruy
zeigt Judith Albert fünf einzelne Videos. Es sind fünf stehende Bilder, denn was zu sehen ist,
verändert sich kaum und könnte doch weder Malerei noch Zeichnung sein, sondern funktioniert
nur mittels dieses Mediums. Etwa die Arbeit "zwischen der Zeit", die ein Bild Vermeers
nachstellt - eine Frau an einem Tisch, die aus einem Krug Milch in eine Schale giesst. Auch
der angeschnittene Brotlaib fehlt nicht, und wer genau hinschaut, sieht, dass sich der Milchstrahl,
der Krug und die Hände bewegen. In "Pomeriggio" bewegt sich ein Vorhang vor einem
Fenster im Wind in und her, und in "Handzahm" sammelt eine Frau die an einem Strandstück
am Boden verstreuten Flammen auf und steckt sie in eine Plastiktüte, wo sie weiterbrennen,
"Bilan d'un été" nennt Judith Albert ihre Installation, und wie in Rilkes "Herbsttag" wird auch
in diesen Arbeiten ein Wendepunkt angedeutet. Dabei werden die Handlungen der einzelnen
Videos mehr geahnt als gesehen, und man steht gebannt vor den Bildern - konzentriert
dem Klang folgend, der wie ein regelmässiges Atmen durch den Raum gleitet. Auch
wenn bisweilen Bezüge zu bekannten Gemälden aufleuchten, so erinnert dieses Sprache
höchstens, und auch dies nur von ferne an die Arbeiten Tarkowskis; wie dort ist hier eine
Verbindung von Ruhe, Konzentration und Gelassenheit zu spüren, die einem erst nach dem
Verlassen des Raumes zeigt, dass nicht mehr alles so ist wie vorher.
(NZZ, 9.,10. November 2004)
www.judithalbert.ch
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das: birgt - sagst du: samten - dein bild ein: gebettet ruhn wohl
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fache, schlüpfe als: schlüpften die: zungen
sich - hin, fort - ein: furt
übern -
hoch: bäumt sich der gaumen
dran schuppt - zwerch - ein rieb draus
entsich- -zichelt
zigfach! ins: hoch, lischt, dies
zwischen zwein: wirft
die luft auf die: schmirgelt sich auf
sie der: ihre licht:ach:sichelchen -
ach,
was -
(Aus: A.U.: „brinnen". Wien, 2006)
Montag
Von der großen, überdachten Terrasse aus war
der vor uns liegende, schmalere Streifen des Gartens
wie eine Bühne, Licht, Glitzern, Kulissenhecke,
Kulissenbäume, Schaukelbank, aber demonstrativ
keine Intrige, Blatt-, Rinden-, Luft- und Erdendarsteller,
eventuell kleinere Tiere, Vögel spielten
Vögel, die bloße Anwesenheit von Ameisen,
oder einfach nur wie sie dauernd vorüber zogen,
ein solider Erfolg, und wir mussten nachher nur noch fegen.
Oder eine Art lebendiger, zugemessener Raum,
eine wohltuende Weite unseres mehr oder weniger
unfreiwilligen Zusammenlebens, ein äußerer Ort,
rundherum doch von inneren Säulen begrenzt,
oder umgekehrt, und das seltsame Eindringen von Zeit,
Familienfieber, Sorge, Zerrissenheit, Pflicht,
oder was wir alle noch zum letzten Mal bewohnen können,
aber jeden einzelnen Schritt mit der unglaublichen Anstrengung,
dass doch nicht zurück, oder hier nirgendwo mehr.
Aber für ein Kind war es vielleicht etwas Anderes,
ein richtiger Garten, ein ungarischer Sommer und nur manchmal,
auf bestimmte Zeichen hin, weil es schon sehr genau
auf sie zu achten weiß, die Angst, dass irgendetwas geschieht,
während das Spiel läuft, immerhin, aber vergebens ordnet es
die Dinge darin, und uns, die wir ihm zumindest so viel
schulden, weil es sogar im großen Drängen spürt,
dass etwas kommen wird, vielleicht, nicht mit Sicherheit,
aber durchaus möglich, ein Verlust. Und das kam dann auch.
Aus: F.S.: Kenyércédulák [Brotzettel], Jelenkor, Pécs, 2007
Übersetzt von Edit Kovács
Es ist hier Wasser. Fließend nirgendwo anders als hier.
Ganz nach Belieben fremdgeht den Händen, silbrig zum
Beispiel mit anderer Obhut, ohne Stütze und Schlaf, sich
verzettelnd am Ende im eigenen Prasseln, also offen für
die nächstbeste Bitte um Geduld: Hat geradezuwaschen
eine Durchquerung der Luft
Flaches Land. Eine Handbewegung ist in der Luft, ein Mehrsein
und Verteilen. Das Ähneln der Windfänger auch, der hinaus-
gezögerten Schlafanfänge. Und schließlich das Wetter. Einstweilig
hat die Fernwirkung eine Reichweite und zwei Maulesel bekommen. Einstweilig. Wie die Wüste durch ihr weites, natürliches Dahinter
besticht. Wir sollten noch einen nächsten Gedanken fassen. So
niedrig am Boden führt die Straße ihren Zweck. Die Hitze ist höher.
Hat ganze Stunden mit Türen verwechselt. Und wir können von
den Händen aus über die Arme die Schultern denken, vielleicht
das Hemd, in dieser Größe Umgang haben mit dem Körper selbst.
Farhad Showghi
Aus: Verortung. Hrg. von Robert Huez und Christine Vescoli; Lana, 2010
Tanz als Körperpolitik
Für die Inszenierung von »47 Items« hat Paul Wenninger eine imaginäre Grenze gezogen, die zwischen den Tänzerinnen auf der einen Seite und den zu inszenierenden Objekten auf der anderen Seite verläuft. Imaginär ist diese Grenze deshalb, weil sie weniger räumlich oder zeitlich zu denken ist sondern als Rollenaufteilung. Denn die Geschichte, auf die sich die Inszenierung stützt, wird allein von Objekten und deren Arrangements erzählt; den Tänzerinnen fällt die Rolle zu, diese Objekte stets aufs Neue in Position zu bringen. Die körpersprachliche Leistung der Tänzerinnen konzentriert sich auf eine Figur von Arbeit, die es gewissermaßen im Akkord zu erbringen gilt. Ihre Aufgabe besteht darin, aus Regalen, die mit Supermarktprodukten gefüllt sind, die entsprechenden Waren zu holen und je aufs Neue in eine sich verändernde Choreographie aus Objektinszenierungen einzufügen, um sie für das nächste Arrangement wieder in die Regale zu räumen oder neu zu positionieren. Was dabei entsteht, sind szenische Bilder aus Warenarrangements, die auf die zugrunde liegende Geschichte und die räumlichen Koordinaten der Erzählung schließen lassen. Die Protagonisten der Erzählung selbst werden nur über den Verweis durch die Objekte evoziert. Sie treten nur als Abwesende in Erscheinung, um auch hier dem Imaginären Raum zu schaffen. Unterstützt wird dieses Pendeln zwischen narrativem Andeuten und Evozieren des Imaginären durch ein Soundenvironment, das die Geschichte manchmal narrativ begleitet und sich dann wieder in die Abstraktion von Klang und Komposition allein zurückzieht. So entsteht eine Rezeption, die den Entstehungs- und Veränderungsprozess der szenischen Bilder begleitet, um je aufs Neue den narrativen Subtext zu erahnen und imaginär zu ergänzen, was bewusst der Vorstellung vorbehalten bleiben soll.
Was Wenninger damit leistet, ist eine Arbeit am Tanz, dem der Körper entzogen wird, um Raum zu schaffen für einen Tanz der Requisiten. Deren Sprachlichkeit nährt sich von der Arbeit der Tänzerinnen, die diese in Szene setzen. Die Tatsache, dass die verschiedenen Waren in szenische Bilder eingetragen werden, die mit der Funktion oder dem vermeintlichen Inhalt derselbigen nichts oder nur punktuell zu tun haben, erklärt die Requisiten selbst zu Objekten des Tauschwerts. Was sie trotz ihrer Verschiedenartigkeit gemeinsam haben, ist ihre Austauschbarkeit. Diese Austauschbarkeit gilt für die Waren genauso wie für die Tänzerinnen, die hier jenseits individueller Qualitäten und Persönlichkeiten zur Arbeit am Imaginären herangezogen werden. So wie sie unaufhörlich ihre Positionen ändern, so ändern sie ihre Rollen für das zu arrangierende Bild. Was von deren Körpersprachlichkeit bleibt, ist eine Variable. In dieser Inszenierung von Wenninger sind sie so austauschbar wie die Waren. Und hier beginnt die imaginäre Grenze zwischen beiden Fragen zu stellen - Fragen, die die Rolle des zeitgenössischen Tanzes genauso betreffen wie die Mechanismen einer alltagskulturellen Warenförmigkeit, die hier auf die Vorstellung von (Tanz als) Körperpolitik durchschlägt.
Wenninger zieht die Konsequenzen aus einer Kultur, für die die Variable und die Austauschbarkeit die tragenden Rollen übernommen haben. Vor dem Hintergrund, dass der Tauschwert die konstitutive Figur für den Markt und die damit verbundene Ökonomie darstellt, wird die Frage nach dem Verhältnis zwischen Tanz und Ökonomie zur zentralen Frage in Wenningers Arbeit. Statt den Tanz als körperpolitische Gegenfigur zur Ästhetik des Tauschwerts zu inszenieren, übersetzt Wenninger die Austauschbarkeit selbst in Tanz. Aus dieser Austauschbarkeit zieht er die Konsequenz für ein Bild vom Körper, der sich nicht der Logik der Austauschbarkeit entzieht oder sich gegen diese stellt, sondern ihr folgt. In diesem Sinne stellt sich ob der Inszenierung des Tanzes, der hier als pure Arbeit repräsentiert wird, weniger die Frage, was diese Körper tänzerisch leisten, sondern vielmehr was sie nicht leisten und worauf sie verzichten. Sie verzichten auf Ausdruck, um im Vorenthalten des Ausdrucks diesen selbst nur mehr als imaginäre Figur darzustellen. Was vom Ausdruck übrig bleibt, ist der Eindruck von einer Leistung, die hier jenseits eines individualisierten Körper- und Subjektbegriffs erbracht wird: Tanz entlang der Koordinaten von Arbeit und Sportlichkeit, die ihrerseits eine spezifische Form der Körperpolitik im Rahmen der Ökonomie und Austauschbarkeit markieren. Das Bühnenbild, das mit seiner Lagerung von Regalreihen dem Bildnis eines Supermarkts folgt, unterstreicht diesen Kontext eines ausdruckslosen Ausdrucks zusätzlich.
Was vom Tanz und dessen Ausdrucksfähigkeit und Sprachlichkeit bleibt, ist in dieser Inszenierung das Publikum. Das Publikum hat die Rolle und Aufgabe, die ins Imaginäre verschobene Figur des Tanzes wahrzunehmen, indem es sich je vorstellt, was nicht gezeigt und vorenthalten wird. Die Erfahrungen und Erlebnisse, die man als Publikum hier mit Tanz machen und haben kann, rühren dann von der Erfahrungen und Erlebnissen her, die man mit Tanz gemacht und gehabt hat - eine gewissermaßen retroaktive Wahrnehmung. Das Sichtbare und die Projektion auf das Sichtbare werden hier als differente Figuren aufgerufen und zugleich miteinander verknüpft.
Wenninger berührt damit eine Geschichte des Minimalismus, die sich aber im Unterschied zum historischen Pendant in den 60er Jahren weniger um die Auslotung der formalen Reduktionen des Ausdrucks sorgt als um die Inszenierung eines Körpers, dessen Ausdrucksfähigkeit und Sprachlichkeit schlicht nicht mehr gefragt sind. Waren es in seinen früheren Arbeiten wie »tubed« (2008) noch die Sollbruchstellen, die in den Anpassungsversuchen zwischen Objekten und Körpern Thema waren, so reduziert Wenninger in dieser Inszenierung Tanz und Körper auf eine Dienstleistung. Was dann erscheint, ist das tänzerische Porträt einer Dienstleistungsgesellschaft, die hier aufgefordert wird, das Individuelle und den Ausdruck allein als imaginäre Figuren zu erfahren - als autosuggestive Projektionen, die es genauso selbst zu verantworten gilt wie die Sorge um die eigene Gesundheit und das Überleben.
Die Arbeit am Tanz vermittelt sich hier als Tanz zu einem Begriff von Arbeit. Im Unterschied zu den historischen Versuchen die Arbeit tänzerisch darzustellen als Mechanik und Kontrolle, als Gleichklang und Synchronisierung von Körperlichkeit, bedient sich Wenninger der Leistungsbereitschaft und Sportlichkeit als körperpolitischem Paradigma der Dienstleistungsgesellschaft. Paradox daran erscheint, dass das Individuum dazu aufgefordert wird, je individuell für diese Sportlichkeit und Leistungsbereitschaft zu sorgen, um sie dann als austauschbare Größen zur Verfügung zu stellen. Das körperpolitische Prinzip dahinter erklärt damit die Bedingungen des Körpers und Individuums zu einer Agenda des Privaten, dessen Rolle - wenn überhaupt - nur unter den Koordinaten des Imaginären erscheinen darf. Die Grenze dieses Imaginären zu thematisieren und zu verhandeln, ist körperpolitische Frage, die sich dem Tanz gegenwärtig stellt. Und geschieht dies, wie in der Inszenierung von Wenninger, dann erreicht der Tanz - so paradox dies klingen mag - eine Gegenwärtigkeit auf der Basis dessen, was ihm versagt bleibt.
Andreas Spiegl
Vizerektor Mag.
Akademie der bildenden Künste Wien
www.kabinettadco.at
Werner Hamacher: Für Die Philologie. Es gibt einen anti-philologischen Affekt. Unter den Geisteswissenschaften gilt die Philologie zunehmend als das kleinliche, immer etwas verkniffen betriebene, weltfremde und im Zweifelsfall weltfeindliche Geschäft von Spezialisten, die sich anmassen, als Disziplin auszuüben, worin jeder, der lesen kann, selbstverständlich ein Meister sein sollte. Der Affekt, der sich gegen die Anmassung der konzentrierten Aufmerksamkeit auf die Sprache, das Wort, das Komma richtet, wird nicht nur von der diffusen Öffentlichkeit zu einer massiven Abwehr und oft genug zur Verachtung ausgebildet, er wird von zahlreichen Philologen geteilt und speist sich aus Energien, die mit denjenigen der Philologie auf das Engste verbunden sind. Denn Philologie, so akademisch wohlinstalliert sie noch sein mag, ist keine Disziplin. Sie ist erst recht keine Tätigkeit in den verstaubten Archiven von Fliegenbeinzählern und keine in den neonbeleuchteten Laboratorien von Fliegenbeinzupfern.
Variationen
Und leicht nur geädert wie Blätter schien blass eine Knospe und schwellend, da bläulich, da licht als ein Himmel und herbstlich sich färbte, was nahte und kühler bald sanft, bald starr oder wogend dann brach, strömte, wenn gärend es lag, feucht vom Regen oder raschelnd, das Laub, dass währte der Taumel und ergeben dem Fallen uns streifte, was heller auch zog in Schwärmen oder kahl wie verzweigt stand als Gesträuch und einzeln als Rose, die hob ihre Blüten, rötlich entgegen dem sinkenden Tau.
Es gab, da nahm, was blühte, sich als Glanz den Duft, der wie von Quitten wehte blass durchs licht belaubte Baumgezweig, dass so ein Hauch es war und wärmer auch der Tag, da wir bald säumten, bald uns heftig als ein Sturm, der Äste rauschen liess, bewegte die Ergebenheit, wenn trunken, selig oder seufzend bog sich auf, was Lust, was Neige war und wich und süsser noch verloren sank, in einem Garten, wo bemoost lag Stein um Stein und fremd den Schritten, die silbern klangen einst im Streulichtschein.