24. und 25. Mai 2017, 19.30 Uhr

Unerschrocken in ihrer Betrachtung der Existenz, gehört die jüngst verstorbene Ilse Aichinger zählt zu den singulären Erscheinungen der deutschen Nachkriegsliteratur. Einer „größeren Hoffnung“ ebenso wie einem anarchistischen Zorn über die Welt verpflichtet, suchte sie nach einer Form des Erzählens, durch die den Wörtern „die Lautlosigkeit zurückzugewinnen sei, aus der sie entstanden sind“. Damit einher ging das Misstrauen gegen die „besseren Wörter“ und gegen den redundanten Einsatz von Rede und Selbstrede. Viel eher schöpfte Aichinger ihr Sprechen aus der Reduktion auf eine Poetik, die ein persönliches Ich zurücknimmt und ihr Maß an der Präzision und Klarheit der Beobachtung nimmt: an einem „Zustand zu schreiben, in dem sich innere und äußere Genauigkeit deckt".

(mehr …)

Mittwoch, 3. Mai 2017, 19.00 Uhr

Szilárd Borbély, dessen Romandebüt Die Mittellosen in Ungarn, Deutschland und vielen anderen Ländern ein literarisches Ereignis war, wollte seinen nächsten großen erzählerischen Text Franz Kafka widmen. Die Sammlung von Bruchstücken, aus dem Nachlass veröffentlicht, ursprünglich zur Publikation bestimmt, bezieht ihre Intensität aus der leidenschaftlichen Suche des Autors nach sich selbst und der eigenen Stimme.

(mehr …)

Dienstag, 2. Mai 2017, 20.00 Uhr

Er gehört zu den großen europäischen Erzählern der Gegenwart und zum ungarischen Gestirn, das mit den im vergangenen Jahr verstorbenen Imre Kertész und Péter Esterházy Weltliteratur als wunderbare Zumutung und Zeugnis schafft. In Romankonstruktionen von höchster Spannkraft leuchtet Péter Nádas die großen geschichtlichen Erfahrungen des 20. Jahrhunderts aus, genauso wie die Naherfahrungen des Einzelnen in ihrer existenziellen Dimension. Das zeigt sich u.a. in dem viel gefeierten „Buch der Erinnerung“ (1986) oder dem anderen Opus maximum „Parallelgeschichten“ (2005), wo in einer Fülle an Geschichten familiäre und europäische Schicksale verhandelt werden.

(mehr …)

Samstag, 22. April 2017, 11.00 Uhr

Meist ist es umgekehrt: Bilder illustrieren Texte. Für dieses außergewohnte Literaturprojekt bilden die Kugelschreiberzeichnungen von Verena Kammerer den Ausgangspunkt: Die in Berlin lebende Künstlerin hat ihre Zeichnungen von Menschen und Tieren befreundeten und bekannten Schriftstellerinnen und Schriftstellern als Inspirationsquelle, Schreibanlass, literarisches Motiv überlassen. Das Ergebnis ist eine Sammlung von 40 Texten, die als Reaktion auf die Zeichnungen entstanden sind oder eine Korrespondenz dazu aufgegriffen haben, u.a. von Rut Bernardi, Ann Cotten, Sabine Gruber, Orsolya Kalász, Josef Oberhollenzer, Sepp Mall, Friederike Mayröcker, Monika Rinck, Markus Vallazza.

Bei der Matinee am Samstag, den 22. April, spricht Verena Kammerer über ihre Zeichnungen und die als unmittelbare Reaktion darauf entstandenen Texte. Es lesen Rut Bernardi, Josef Oberhollenzer und Sepp Mall.

 

 

 

Donnerstag, 23. März 2017, 20.30

Als im November 2016 Ilse Aichinger starb, verschied damit eine Autorin, die ein Leben lang die Nähe zum eigenen Verschwinden gehütet hat, als wäre es die unaufhörliche Einübung in den Abschied. Oder erst die Erprobung der Existenz. Darin präzisierte Ilse Aichinger eine Haltung des Schweigens und der Diskretion, die so wenig ein Verstummen war wie ein Versagen des Sagbaren. In der Zeit des Krieges hielt sie sich mit ihrer jüdischen Mutter jahrelang versteckt, während die Großmutter und Muttergeschwister in den Konzentrationslagern starben. Aichingers Schwester konnte nach England fliehen. Diese Erfahrung und die wachsame Beobachtung der Zeitgeschichte verpflichteten die Autorin, die anarchistisch einen Zorn über die Welt pflegte, zu einer Dringlichkeit des genauen Sagens und einer Erzählung des lautlosen Zuhörens und Zuschauens.

(mehr …)

15. März 2017, 20.00

Zwar wurde er allseits bewundert, aber kaum gelesen und noch weniger fand er die Aufmerksamkeit der literarischen und wissenschaftlichen Bearbeitung. Dabei legte Adalbert Stifter mit dem Roman „Witiko“ ein breit angelegtes Werk vor, das die Geschichte seines besonnenen Helden ebenso dicht und sprachlich hintergründig nachzeichnet wie die Gründung des Adelsgeschlechts der Witigonen.

Der Südtiroler Literaturwissenschaftler und Übersetzer Felix Reinstadler und der Dichter Michael Donhauser nähern sich dem historischen Epochenwerk an.

(mehr …)

Freitag, 3. Februar 2017, 20.00

Als verschroben galt Franz Josef Noflaner, als kurioser Eigenbrötler und unermüdlicher Schöpfer aus dem Grödental, der unerwartet erfrischende Verse ebenso wie distinguierte Briefe an Greta Garbo schrieb und Bilder voll expressiver Glut malte. Die umfassende Monografie, herausgegeben von Markus Klammer, stellt das Werk des Künstlers und Dichters  in facettenreicher Betrachtung vor.

(mehr …)

16. Dezember 2016

Er stammt aus Sarajewo, eine der ehemals blühendsten Städte Mitteleuropas, die viele Kulturen, Religionen und Sprachen vereinte und ein höchst fruchtbares geistiges Leben bot. Daher weiß er, welche Kraft ein friedliches Zusammenleben für eine Gesellschaft hat. In seinem neuen Roman "Der Trost des Himmels" taucht Dževad Karahasan tief in das 11. Jahrhundert von Persien ein, um die Gefährdung einer Kultur durch Fundamentalismus zu betrachten und damit ein Denken und eine Existenz der Gegenwart zu verknüpfen und die zu beziehen.

(mehr …)

23. November 2016, 20.00

Joanna Bator, Autorin der oberschlesischen Landschaften, einst Region der Umsiedler und Vertriebenen, zählt heute zu den bedeutendsten Schriftstellerinnen Europas. Aus der Geschichte ihrer Region schöpfend, leuchtet die polnische Erzählerin fast magisch, fast surreal leuchtet sie die aberwitzigsten Geschichten und subtilen Stimmungen aus, die Überliefertes beschwören und dabei das Absurde so leichtfüßig ins Spiel bringen, dass es ganz und gar real wird.

14. November 2016, 20.00 Uhr

Zur Eröffnung der Veranstaltungsreihe „Heimat Europa“ der Hausgemeinschaft kultur.lana stellt stellt György Dragomán, dieses "herausragende Talent der jungen ungarischen Literatur" (György Konrád), seinen jüngsten Roman "Der Scheiterhaufen" vor. Darin schildert er die politische Geschichte Osteuropas fast in beiläufiger Erzählkunst als gespenstiges Geschehen und zeichnet die Seele der Protagonistin, eines junges Mädchens, so mutig wie zäh und zart - ein großartiges und verstörendes Panorama der Liebe und Grausamkeit" (Paul Jandl).

(mehr …)

21. Oktober 2016, 20.00 Uhr

Wie eine junge Frau aus Kiew auszog, in Moskau ihr Glück zu suchen. Julia Kissina liest aus dem Roman voll irrer, wunderbarer, aberwitziger und kluger Geschichten aus den wilden 80er Jahre in Moskau. Eine éducation sentimentale in grellen, bösen Farben - episodenreich und voller Übermut erzählt. (mehr …)

14. Oktober 2016, 20.00 Uhr

Mit der Präsentation der Festschrift, herausgegeben von Peter Kofler und Ulrich Stadler, feiern die Bücherwürmer ihren langjährigen Präsidenten und stellen die mannigfaltigen Interessen des Literaturwissenschafters vor, die Elmar Locher in seinem wachen und sensiblen Umgang mit Literatur prägen und die seinen beruflichen Weg stets begleitet haben.

8. September 2016, 20.00 Uhr

Nach dem Erfolg ihres letzten Romans „Stillbach oder Die Sehnsucht“ legt Sabine Gruber nun das nächste Buch vor: „Daldossi oder Das Leben des Augenblicks“ heißt das jüngste Werk der gebürtigen Lanenerin, das eben erschienen ist und von Literatur Lana und der Öffentlichen Bibliothek vorgestellt wird. Es erzählt die Geschichte eines ehemaligen Kriegsfotografen, der seine Vergangenheit und Erlebnisse nicht vergessen kann und der von den psychischen Belastungen, die sie bedeuten, schier erdrückt wird.

25. August 2016, Lesungen & Performance

18.00 Uhr: Ann Cotten: Lesung aus „Verbannt!“

19.00 Uhr: Xaver Bayer und Hanno Millesi: Präsentation der Anthologie „Austropilot. Prosa und Lyrik aus österreichischen Literaturzeitschriften“

20.30: Kerstin Cmelka: Vortrag/Lecture-Performance der Wolfgang Bauer-Adaptation „Change“, mit Video-Auschnitten und Live-Darstellung (unter Mitwirkung von Hanno Millesi)

 

24.-26. August 2016

Bitter ist er, schwarz, skurril, ironisch und kaum ohne Charme dessen, der selbst die Katastrophe in heiterer oder grantelnder Gelassenheit ertragen kann. Dem Weinen ebenso nahe wie dem Lachen, ist der österreichische Humor einer der hintergründigsten und doppelbödigsten; keine Komödie, die nicht auch Tragödie (Thomas Bernhard), und keine Verzweiflung, die nicht auch Trost wäre (Nestroy).

 

 

(mehr …)

24. August 2016, 20.00 Eröffnung mit David Schalko

Die Eröffnung der Literaturtage Lana 2016 bestreitet einer der erfolgreichsten Filmemacher Österreichs. Wer kennt nicht die „Sendung ohne Namen“, die Serien „Braunschlag“ und „Altes Geld“ oder die Late-Night-Show „Willkommen Österreich“. Sie alle genießen Kultstatus, sind Popkultur selbst in ihrem bissig grotesken Intellekt und in der tiefschwarzen Seele, für die etwa Thomas Bernhard noch einen gehörigen Skandal und öffentliche Beschimpfungen geerntet hatte.

(mehr …)

© Literatur Lana, Verein der Bücherwürmer,  Impressum, Privacy, P.Iva: 91000470210