13. April 2018, 20.00
Ottmanngut, Verdistraße Meran
1877 veröffentlicht Gustave Flaubert in Frankreich sein letztes Buch, an dem er drei Jahrzehnte gearbeitet hat. Für viele ist es sein vollkommenstes Werk. Félicité, die Magd, die ein „schlichtes Herz“ voller Hingabe und Liebe an die anderen verschenkt, zuletzt an Flauberts berühmten Papagei; Julian, der seine Eltern ermordet und doch ein Heiliger wird; Salome, die tanzt, bis sie den Kopf Johannes‘ des Täufers bekommt – das sind drei unvergessliche Gestalten, drei ganze Leben auf wenigen Seiten. Niemals hat Flaubert so kraftvoll erzählt und dabei so gelassen und einfühlend. Fünf Jahre nach ihrer gefeierten Neuübersetzung der „Madame Bovary“ legt Elisabeth Edl auch diese „Drei Geschichten“ vor, eines der schönsten Bücher der französischen Literatur.

 

Gustave Flaubert wurde 1821 in Rouen geboren; sein Vater war der Chefarzt des städtischen Krankenhauses. Schon seit seiner Jugend schrieb Flaubert unermüdlich. Aufgrund seiner hohen Ansprüche an sich selbst veröffentlichte er jedoch keines seiner Manuskripte. Sein erstes publiziertes Werk wurde der Roman „Madame Bovary“, der 1856 im Feuilleton der „Revue de Paris“ erschien und der ihm einen Prozess wegen Verstoßes gegen die Sitten eintrug. Weniger erfolgreich, aber noch einflussreicher auf die Entwicklung des europäischen Romans war Flaubert mit „L‘ Éducation“ sentimentale (1869). Sein schönstes Buch aber ist für viele „Drei Geschichten“, sein letztes vollendetes Werk. Gustave Flaubert ist einer der besten Stilisten der französischen Literatur und ein Klassiker des Romans; zusammen mit Stendhal und Balzac bildet er das Dreigestirn der großen Erzähler Frankreichs. Gustave Flaubert starb 1880.

Ein halbes Jahrhundert lang beneideten die Bürgerinnen von Pont-l`Èvêque Madame Aubain um ihre Magd Félicité. Für hundert Franc im Jahr kochte sie und putzte, nähte, wusch, bügelte, verstand es, ein Pferd aufzuzähmen, Geflügel zu mästen, Butter zu schlagen, und blieb ihrer Herrin treu – und doch war diese als Person nicht angenehm.
Sie hatte einen hübschen Burschen geheiratet, ohne Vermögen, der Anfang 1809 starb und ihr zwei kleine Kinder hinterließ, nebst einem Haufen Schulden. Da verkaufte sie ihre Immobilien, mit Ausnahme des Gehöfts in Geffosses, aus denen Ise Einkünfte von allerhöchstes 5000 Franc bezog, und sie verließ ihr Haus in Saint-Melanie, wohnte fortan in einem andern, nicht

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