27. Mai 20202, 20.00 Uhr

Mit Esther Kinsky AUFGRUND DER CORONA EPIDEMIE ABGESAGT

Miron Białoszewski war 21 Jahre alt, als er am 1. August 1944 das Haus in der Warschauer Innenstadt verließ, um seiner Mutter Brot zu besorgen und mitten hineingeriet in das heroischste und tragischste Kapitel der polnischen Geschichte. Während die sowjetischen Truppen an die Außenbezirke der Hauptstadt heranrückten, riefen die Anführer der polnischen Untergrundarmee zum Aufstand gegen die deutsche Besatzung. Was sich in den 63 Tagen bis zur Niederschlagung in der Stadt abspielte, hält sein Buch fest: wie mit einer literarischen Handkamera geschrieben – nah dran, in verwackelten, abgerissenen Sätzen, das Stakkato der Gewehrsalven, die fliehenden Schritte aufnehmend, schildert er Episoden aus dem Alltag einer kämpfenden und sterbenden Stadt.

Die Leser sind unmittelbar dabei, laufen mit ihm durch die Stadt, kreuzen die deutschen Linien, weichen Heckenschützen aus, sinken erschöpft und außer Atem an einer Mauerecke zusammen, retten Verwundete, begraben Tote. Zwischen dem Jetzt der unmittelbaren Gegenwart und den späten 60er Jahren, der Zeit der Niederschrift, hin und her springend, gelingt ihm ein unübertroffenes literarisches Dokument. Ein Buch über die Ermordung einer Stadt, das zeitlose Gültigkeit besitzt.

Ein Meilenstein der literarischen Moderne

26. Mai 2020, 20.00 Uhr

Gespräch: Esther Kinsky

AUFGRUND DER CORONA EPIDEMIE ABGESAGT

Für Literatur Lana übersetzt Esther Kinsky Erzählungen aus dem Sammelband „Träume und Steine“, mit dem Magdalena Tulli 1995 debutierte und dafür prompt mit dem renommierten Koscielski-Preis ausgezeichnet wurde. Es ist ein berührendes Buch voller Klugheit, die sich diskret verhält, um der Erzählung und Erinnerung Platz zu machen. Die Stadt, um welche die Erzählungen von Magdalena Tulli kreisen, ist Warschau, es könnte aber irgendeine oder jede Stadt sein. Der Ort wird hier zum Schauplatz und zur Metapher existenzieller Fragen und menschlicher Haltungen. Nicht zuletzt zeichnet er darin ein Bild, das die Absurditäten und Paradoxien von Utopien bloßstellt und zu Fall bringt.

18. Mai 2020, 20.00 Uhr

Gespräch: Elmar Locher

AUFGRUND DER CORONA EPIDEMIE ABGESAGT

Statt der Person Franz Kafka rückt dieses Buch die „Autor-Legende" Kafka ins Zentrum der Aufmerksamkeit. In Anlehnung an Einsichten der russischen Formalisten geht es davon aus, dass das literarische Werk das Leben eines Autors nicht einfach abbildet, sondern mythologisiert, mystifiziert oder idealisiert, auf jeden Fall also modifiziert,.Eben jene Modifikationsprozesse und ihre Ergebnisse bilden das Thema der vorliegenden Untersuchung. Die Arbeit stellt den Versuch dar, Kafkas eigene poetische Darstellungsweise nachvollziehbar zu machen. Sie bedient sich eines indirekten Verfahrens, indem sie der Einzelheit, dem unscheinbaren Detail, den unbedingten Vorrang einräumt und jeder Festlegung eines übergeordneten Ganzen entgegenwirkt.

13. Mai 2020, 20.00 Uhr

AUFGRUND DER CORONA EPIDEMIE ABGESAGT

Was macht ein Leben aus? Wie fasst man es in eine Form und macht das Wichtige greifbar? Zu jedem Buchstaben des Alphabets verfasst Ilma Rakusa Beiträge von A wie Anders bis Z wie Zaun, changierend zwischen Prosa, Gedicht und Gespräch. Sie erzählt und dichtet über ihr bewegtes Leben: Werk, Weltsicht und Weggefährten, Reisen und die schönen Künste, Familie und Kindheit. Ihr gelingt der Kunstgriff, abstraktere Begriffe – wie Träume oder Rituale –, Orte, persönliche Erinnerungen und Erfahrungen kaleidoskopartig zu einem Ganzen zu vereinen. Sie spricht über Dinge, die in unser aller Leben bedeutsam sind und mit denen wir uns auseinandersetzen: Freundschaft, Angst, Alter oder Zärtlichkeit und viele mehr. Rakusa entfacht in uns eine Neugierde und Entdeckerfreude. Das Leuchten in ihren Augen ist den Zeilen anzumerken: beschwingt klingt das »Querfeldein«, die Lust am Flanieren kommt schon während des Lesens, und nach der Hommage an den Granatapfel wird er niemals mehr nur eine einfache Frucht sein.

12. Mai 2020, 20.00

AUFGRUND DER CORONA EPIDEMIE ABGESAGT

Ist das Leben ein ewiger Balanceakt? Darius Kopp drohte an seinem Unglück zu zerbrechen. Drei Jahre sind vergangen, seit seine Frau Flora, seine große Liebe, gestorben ist. Der IT-Experte ist mit Floras Asche durch Europa gereist und schließlich auf Sizilien gelandet. Dort taucht eines Tages unverhofft seine 17-jährige Nichte auf. Das Mädchen ist allein unterwegs und weicht ihm nicht mehr von der Seite. Lorelei braucht Darius' Hilfe - und er die ihre. Mit ihr geht er zurück nach Berlin. Und lernt, sein Glück daran zu messen, was man durch eigenen Willen verändern kann - und was nicht.

2. April 2020, 20.00 Uhr

AUFGRUND DER CORONA EPIDEMIE ABGESAGT

Auch eine Spezialistin für Etrusker und Nabatäer kann gnadenlos mit der Gegenwart und ihren Herausforderungen konfrontiert werden ... das muss die Archäologin Ariane in aller Konsequenz erfahren. Ihr Mann Vittorio schreibt als linksliberaler Journalist gegen Korruption und Gewalt in Italien an, aber erst als ihre Tochter Katja in ein Attentat verwickelt ist, bricht die hässliche Politik über die Familie herein. Katja reist nach Indien und verschwindet dort - Ariane folgt ihr bis nach Nepal und mitten hinein in ihre eigene Vergangenheit. In Mustang, einer abgelegenen Bergregion, hat sie sich einst in eine leidenschaftliche Affäre mit ihrem Professor gestürzt. Kein Stein bleibt auf dem anderen. Erika Wimmer Mazohl erzählt mit wunderbarer Detailgenauigkeit und Liebe zu ihren Figuren eine vielfältige Geschichte um Mutter und Tochter, Mann und Frau, Gewalt und Frieden, Kultur und Krieg, Fremdheit und Zuhause und zeigt in farbenprächtigen, lebendigen Bildern die Zerbrechlichkeit menschlicher Beziehungen wie auch die Gefährdung von Kulturschätzen, wenn sie in Italien, Indien oder Nepal zwischen die Fronten geraten.

10. März 2020, 20.00 Uhr

Übersetzung und Gespräch: Anne Weber

Sie hatte ihr Leben dem Lesen und Schreiben gewidmet. Doch plötzlich zerbricht alles um sie herum, eine Diktatur breitet sich aus, das Schreiben wird unmöglich. Ihre einzige Ausdrucksmöglichkeit findet die Erzählerin in einem rätselhaft bleibenden »Soundblog«. Mysteriöse, beängstigende und philosophische Gedanken beschäftigen sie: Die neue Macht zerstört nach und nach auf heimtückische Weise jede Erinnerung und versucht, alle Spuren der Geschichte zu löschen. Wann und wie hat dieser Umbruch stattgefunden? Gab es Warnsignale? Ist sie selbst schuld daran, dass die Dinge geschehen? Wollte sie sich nicht aus der Vergangenheit befreien? Cécile Wajsbrot beschreibt in ihrem sprachmächtigen Roman auf beeindruckende und erschreckende Weise die Angst vor einer Wiederholung der Geschichte. In einer innovativen ästhetischen Form beschäftigt sie sich mit der deutsch-französischen Erinnerungskultur.

!!!!! DIE VERANSTALTUNG WIRD VERSCHOBEN UND DER TERMIN MITGETEILT, SOBALD ER GEFUNDEN IST. !!!!

9. März 2020, 20.00 Uhr

Gespräch: Christine Vescoli

Der Gedächtniskultur folgt in weiten Teilen auch das literarische Programm von Lana im laufenden Jahr. Anknüpfend an Fragen nach einer individuellen und einer kollektiven, nach einer regionalen und europäischen Geschichte, gestalten erzählerische und dokumentarische Entwürfe ein persönliches und gesellschaftliches Gedächtnis, das durch Mythen und Brüche gekennzeichnet ist. Indem Erinnerungsbilder aufgebaut und wieder verabschiedet werden, indem sie sich resistent halten oder wieder verändern, indem sie zerfallen und neu geformt werden, verändern sie wiederum das Gedächtnis und die Kultur des Gedächtnisses.

Die Lesungen und Gespräche in Lana wollen Spuren der Erinnerung und Fragen nach der Herkunft nachgehen. Nach dem Abend mit Sabine Mayr zu jüdischen Zeugnissen von Meran stellen wir das Zeitreisetagebuch "Ahnen" von Anne Weber vor, ein Buch, das in skrupulöser Selbstbefragung Schritt für Schritt einen tief greifenden Erkenntnisprozess eingeht.

!!!!! DIE VERANSTALTUNG WIRD VERSCHOBEN UND DER TERMIN MITGETEILT, SOBALD ER GEFUNDEN IST. !!!!

22. Januar 2020, 19.00

Die jüngst erschienene und notwendige Studie von Sabine Mayr wirft einen erhellenden, klugen Blick auf eine Geschichte Merans, die bislang unbeschrieben ist und weitgehend unerwünscht war. Wie schon die historischen und literarischen Beiträge, die es in kriminalistischer Detailfreude untersucht, hat auch das Buch eine liberale und tolerante Gesellschaft im Visier und ist darüber hinaus in erfrischender Verve geschrieben.

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