21.10.2021

Er war ein ungewöhnlicher Mensch im Tal, eine Ausnahme, aber keine Randfigur, von einem eigenwilligen Feinsinn und Intellekt. Blasius Marsoner (1924- 1991) aus St. Pankraz war Humanist, Dichter und Übersetzer. Er hing der Antike und der Klassik nach, besaß eine gut ausgestattete Bibliothek mit den wichtigsten Werken der Weltliteratur, er verfasste philosophische Essays und regionale Beiträge zur Geschichte des Ultentals, er schrieb Gedichte voller Melancholie und grundlegender Skepsis, er war ein origineller nicht weniger als profunder Denker.

15. Oktober 2021, 20.00 Uhr

Fünf Lebensbilder vergessener Persönlichkeiten von 1750 bis heute: Eine junge Frau tritt ins Kloster ein und wagt so einen Schritt in die Freiheit. Ein Organist, Komponist und Schriftsteller findet erst in der Fremde Anerkennung. Eine Mutter verlässt nach dem Ersten Weltkrieg ihren Mann und ihre acht Kinder und macht sich mit einem österreichischen Offizier davon. Eine Schuldirektorin gerät in politische und ideologische Wirren und fällt in Ungnade. Ein uneheliches Kind wird abgeschoben und entkommt der NS-Euthanasie.

„Totgeschwiegene Leben“ wurde im ladinischen Original „Vites scutedes via. Essays letereres“ (2020) beim literarischen Wettbewerb „Scribo. Auturs ladins scrí“ der ladinischen Kulturabteilung Südtirol ausgezeichnet.

30. September 2021, 20.30

Ein Liederzyklus mit Gedichten und Texten aus Briefen von Ingeborg Bachmann und Paul Celan. Für Flöte, Horn, Schlagzeug, Violine, Violoncello, Alt, Countertenor und eine Sprecherin. Nach einer Idee von Elmar Locher. Von Herbert Grassl.

23. September 2021; 20.00

In dem neuen Band "Barockgarten", der eben im Verlag A. Weger erschienen ist, legt Bertrand Huber Texte wie Beete an. Gedichte liegen neben Essays und kurzen Erzählungen und folgen einer genauen Anordnung und Reihenfolge der Symmetrie. Von Mitsommertagen ist darin die Rede, von Baumhäusern und Kinderängsten, von Apfelmythen und versäumten Träumen, von Zirkusleben, Lektüren und Schilfgürteln. Die Vielfalt der Themen, die sich durch den Band ziehen, wird dabei eingefangen durch die Form der regelmäßigen Abwechslung. Während die Natur im Barockgarten jedoch gebändigt und zur reinen Kunst gestaltet wurde, gibt Bertrand Huber letztlich doch einem freien Lauf der Gedanken sein Recht, einem Suchen, Andocken, Zweifeln und Sehnen.

4. September 2021

Der 3. Literaturtag Lana erinnert in einer Hommage mit dem Dichter Norbert Hummelt und der Schriftstellerin Andrea Winkler an die jüngst verstorbene Grande Dame der österreichischen Poesie Friederike Mayröcker.

Mit Zsófia Bán ist eine der schärfsten und zugleich witzigen Stimmen Ungarns zu Gast in Lana. Die Autorin, Essayistin, Literaturprofessorin und -kritikerin geht in ihren kurzen Texten dem hintergründigen Ziel nach, die Leerstellen von Geschichte aufzuzeigen und wie diese aus der Perspektive der Unterdrückten umgeschrieben werden können.

Den Abschluss des 36. Literaturfestivals Lana macht der Autor Mischa Mangel mit seinem Debütroman "Ein Spalt Luft". Erinnerungslosigkeit wird darin zum Kern der Verstörung, die in der Suche nach einer verschütteten Vergangenheit zwar nicht erhellt, aber poetisch verwandelt werden kann.

3. September 2021, 18 Uhr und 20.00 Uhr

Mit Aleida und Jan Assmann sind die beiden Größen der Kulturwissenschaft zu Gast in Lana. Zahlreich sind ihre jeweiligen Fachpublikationen, die Hochkulturen, Religionen, Medien und Literatur umfassen. V.a. aber legt das Paar ein gemeinsames Lebenswerk vor, das unter dem Titel "kulturelles Gedächtnis" ein neue s Paradigma für kollektive Identitätsbildung geworden ist. Wie bilden Individuen und Gesellschaften ein Gedächtnis aus, um Identitäten herzustellen, Legitimationen zu gewinnen und Ziele zu bestimmen? Auf solcher Grundfrage geht das Gelehrtenpaar einem Wissen nach, das Zeit- und Geschichtsbewusstsein sowie das Selbst- und Weltbild einer Gesellschaft bestimmt. Institutionalisierte und konstituierte Formen des kollektiven Erinnerns spielen dabei ebenso eine Rolle wie Schrift, Medien, Wissenschaft oder Kunst und Literatur.

2. September 2021, 20 Uhr

Zur Eröffnung der Literaturtage Lana 2021 stellt die russische Autorin Maria Stepanova den Roman vor, der Furore machte und dem man ein neues Genres attestierte: Mit "Nach dem Gedächtnis" sei der »Metaroman« erfunden. 2018 auf Deutsch erschienen, gelang ihm nahezu der Status als Klassiker. Liebesgeschichten und Reiseberichte, Reflexionen über Fotografie, Erinnerung und Trauma verschmilzt die Stimme der Autorin zu einer spannungsvollen essayistischen Erzählung. Im Zentrum steht eine weitverzweigte jüdisch-russisch-europäische Familie von Ärzten, Architekten, Bibliothekaren, Buchhaltern und Ingenieuren, die in unzivilisierten, gewaltgeprägten Zeiten ein stilles, unspektakuläres Leben führen wollten. 

September 2021

Erinnerung kommt nicht immer gelenkt in Gang. Sie läuft nicht auf der Zielgeraden rückwärts. Sie drückt nicht auf den Knopf, der in unserem Kopf Vergangenheit abruft. Erinnerung steht uns immer bevor und ist jedes Mal unverschämt ein neuer Anfang. Manchmal überfällt sie uns wie der Schlaf oder wie im Schlaf der Traum. Sie treibt uns ein Bild oder eine Ahnung zu, mit der sich keine Nacherzählung und kein Bericht decken können. Sie kommt von irgendwo und wir wissen nicht immer woher. Aber mit ihr ist eine Vergangenheit da, die unsere Gegenwart löchert, und wir rutschen durch die Löcher und Lücken in ihre Arme.

12.06.2021

Jemand malt ein Bild. Auf das Bild antwortet jemand mit einem Gedicht. Daraus macht jemand eine Zeichnung, worauf wieder jemand mit einem Text reagiert, auf den ein anderer Jemand eine Skulptur anfertigt, die der Anstoß zu einer Geschichte wird. Das geht fort und fort, ohne dass der eine weiß, wer die andere ist. Kunst und Dichtung gehen eins ins andere über und ordnen sich entlang einer allmählichen Verfertigung eines Ganzen. Einem Chor vergleichbar, wird das Werk zur Stimme aus Stimmen, die Ahnung und Wissen ist, Furcht und Freude und das, was nur ein Aufeinander-Hören zu sagen vermag. Ein Chor von Zikaden.

Mit Johannes Bosisio, Ann Cotten, Leander Schönweger, Martina Steckholzer, Monika Rinck, Dagmara Kraus, Arnold Holzknecht, Lene Morgenstern, Esther Kinsky, Michael Höllrigl, Josef Oberhollenzer, Wil-ma Kammerer, Sissa Micheli, Oswald Egger, Carmen Müller, Bertrand Huber

Kuratiert von Heinrich Schwazer und Christine Vescoli

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