3. Dezember 2021, 20.00 Uhr

Als vor einem Jahr die Viren-Katastrophe über uns kam, begann Michael Krüger, mit einer schweren Gürtelrose geschlagen, gerade eine Therapie gegen seine Leukämie. Und weil seine Immunabwehr auf null stand und ihn ein ferner Husten umgeworfen hätte, musste er sich von Menschen fernhalten. Er lebt seither in einem Holzhaus in der Nähe des Starnberger Sees. Von dort hat er seine poetischen Botschaften geschickt, Meditationen aus der Quarantäne, die viele Monate lang im Magazin der Süddeutschen Zeitung abgedruckt wurden und eine große Resonanz fanden.

26. November 2021, 20.00 Uhr

Fließt – alles? Wie ein fortschreitend oskulierendes Wogengewölle in Form von Worten und Formen ohne Worte, Strudelungen, Zerstreuungen und Häufungen selbstüberwälzter Vorwärtswellen von Reverien, die über die Ufer der inneren Landschaft vorüberschwimmen. Als ob Beziehungslinien im »Bewusstseinsstrom«, die einander berühren und liieren, sich schneiden, überlagern und wiederhin verlieren – wie die Linien einer Hand. Ganz unscheinbare Verursachungen, die jeweils zu Wirk- und Fließlinien führen, setzten sich fort im grellen, kruden Wechsel der Wortbewegungsbilder selbst, der Gedankenhäufung, der Winke und Unstetigkeiten abrupt wechselnder Aspekte.

21. Oktober 2021

Er war ein ungewöhnlicher Mensch im Tal, eine Ausnahme, aber keine Randfigur, von einem eigenwilligen Feinsinn und Intellekt. Blasius Marsoner (1924- 1991) aus St. Pankraz war Humanist, Dichter und Übersetzer. Er hing der Antike und der Klassik nach, besaß eine gut ausgestattete Bibliothek mit den wichtigsten Werken der Weltliteratur, er verfasste philosophische Essays und regionale Beiträge zur Geschichte des Ultentals, er schrieb Gedichte voller Melancholie und grundlegender Skepsis, er war ein origineller nicht weniger als profunder Denker.

15. Oktober 2021, 20.00 Uhr

Fünf Lebensbilder vergessener Persönlichkeiten von 1750 bis heute: Eine junge Frau tritt ins Kloster ein und wagt so einen Schritt in die Freiheit. Ein Organist, Komponist und Schriftsteller findet erst in der Fremde Anerkennung. Eine Mutter verlässt nach dem Ersten Weltkrieg ihren Mann und ihre acht Kinder und macht sich mit einem österreichischen Offizier davon. Eine Schuldirektorin gerät in politische und ideologische Wirren und fällt in Ungnade. Ein uneheliches Kind wird abgeschoben und entkommt der NS-Euthanasie.

„Totgeschwiegene Leben“ wurde im ladinischen Original „Vites scutedes via. Essays letereres“ (2020) beim literarischen Wettbewerb „Scribo. Auturs ladins scrí“ der ladinischen Kulturabteilung Südtirol ausgezeichnet.

30. September 2021, 20.30 Uhr

Ein Liederzyklus mit Gedichten und Texten aus Briefen von Ingeborg Bachmann und Paul Celan. Für Flöte, Horn, Schlagzeug, Violine, Violoncello, Alt, Countertenor und eine Sprecherin. Nach einer Idee von Elmar Locher. Von Herbert Grassl.

23. September 2021, 20.00 Uhr

In dem neuen Band "Barockgarten", der eben im Verlag A. Weger erschienen ist, legt Bertrand Huber Texte wie Beete an. Gedichte liegen neben Essays und kurzen Erzählungen und folgen einer genauen Anordnung und Reihenfolge der Symmetrie. Von Mitsommertagen ist darin die Rede, von Baumhäusern und Kinderängsten, von Apfelmythen und versäumten Träumen, von Zirkusleben, Lektüren und Schilfgürteln. Die Vielfalt der Themen, die sich durch den Band ziehen, wird dabei eingefangen durch die Form der regelmäßigen Abwechslung. Während die Natur im Barockgarten jedoch gebändigt und zur reinen Kunst gestaltet wurde, gibt Bertrand Huber letztlich doch einem freien Lauf der Gedanken sein Recht, einem Suchen, Andocken, Zweifeln und Sehnen.

4. September 2021

Der 3. Literaturtag Lana erinnert in einer Hommage mit dem Dichter Norbert Hummelt und der Schriftstellerin Andrea Winkler an die jüngst verstorbene Grande Dame der österreichischen Poesie Friederike Mayröcker.

Mit Zsófia Bán ist eine der schärfsten und zugleich witzigen Stimmen Ungarns zu Gast in Lana. Die Autorin, Essayistin, Literaturprofessorin und -kritikerin geht in ihren kurzen Texten dem hintergründigen Ziel nach, die Leerstellen von Geschichte aufzuzeigen und wie diese aus der Perspektive der Unterdrückten umgeschrieben werden können.

Den Abschluss des 36. Literaturfestivals Lana macht der Autor Mischa Mangel mit seinem Debütroman „Ein Spalt Luft“. Erinnerungslosigkeit wird darin zum Kern der Verstörung, die in der Suche nach einer verschütteten Vergangenheit zwar nicht erhellt, aber poetisch verwandelt werden kann.

3. September 2021

Mit Aleida und Jan Assmann sind die beiden Größen der Kulturwissenschaft zu Gast in Lana. Zahlreich sind ihre jeweiligen Fachpublikationen, die Hochkulturen, Religionen, Medien und Literatur umfassen. V.a. aber legt das Paar ein gemeinsames Lebenswerk vor, das unter dem Titel "kulturelles Gedächtnis" ein neue s Paradigma für kollektive Identitätsbildung geworden ist. Wie bilden Individuen und Gesellschaften ein Gedächtnis aus, um Identitäten herzustellen, Legitimationen zu gewinnen und Ziele zu bestimmen? Auf solcher Grundfrage geht das Gelehrtenpaar einem Wissen nach, das Zeit- und Geschichtsbewusstsein sowie das Selbst- und Weltbild einer Gesellschaft bestimmt. Institutionalisierte und konstituierte Formen des kollektiven Erinnerns spielen dabei ebenso eine Rolle wie Schrift, Medien, Wissenschaft oder Kunst und Literatur.

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