2010 wird der N.C. Kaser Lyrikpreis zum 11. Mal vergeben, auf Vorschlag seiner Vorgängerin, der Preisträgerin 2008 Aase Berg aus Schweden.

Øyvind Rimbereid (*1966) lebt in Bergen, ist Lehrbeauftragter an der Skrivekunst-akademiet in Bergen und veröffentlichte Kurzgeschichten und mehrere Gedichtbände. Bisher erschienen vier Gedichtbände, u.a. „Solaris korrigiert (2004), für den er mit dem norwegischen Kritikerpreis ausgezeichnet wurde. Mit dem Band „Herbarium“ wurde Øyvind Rimbereid 2009 für den Literaturpreis des Nordischen Rates nominiert. Seine Lyrik, vielfach von Langgedichten getragen, zeichnet sich durch einen sehr klaren, melodiösen Ton und eine eigenwillige Textur aus einer Mischung von Sprachen und Dialekten aus, in der Rimbereid gesellschaftliche und existenzielle Reflexionen abhandelt und dabei den Blick häufig von alltäglichen Dingen oder von lapidar skizzierten Szenenbildern ausgehen lässt.

Oevind Rimbereid

II.

Herbst 1636,

und die Preise majestätisch hinauf.

In einer Spirale, jede Woche

eine halbe Umdrehung hinauf, 

in der ein paar exotische Tulpensorten drehen,

vor denen mindestens zehn mal zehn neue Kaufwillige stehen.

Generael der Generaelen van Gouda:

Dezember 1634 – Dezember 1635: 30% plus.

Dezember – Mai 1636: 50% plus.

Mai – Oktober 1636: 100% plus.

Aber wie daran festhalten können,

Schritt für Schritt,

wenn nicht für diese magische 

„future“?

Der Schnell-Umlauf

war, bloß 10 Prozent des Preises

zu zahlen, der für den Sommer 

abgesprochen war.

Und unterwegs würde die Zwiebel zulegen

an Gewicht und Wert.

Eine Faust, geschlossen um 

das Kommende: verkürzte Geschichte,

Gegenwart und Zukunft zusammengepreßt

in der Blase einer Zwiebel.

Eine Blankomagie,
um das Hirngespinst bar zu wechseln in

das Land Nirgendwo,

mitten in einem Dutzend zukünftiger, schöner Paragon van Delft 

wo sieben gestandene Ochsen und zwölf fette Schafe grasen

297 Tonnen Weizen und 571 Tonnen Roggen stehen

21 Leisten Butter und 97 Pfund Käse glänzen

und ein bläuliches Boot dümpelt, 50 Fuß lang.

Ob da nicht eine Admirael van Engeland

das eigentliche Eintrittsbillett wäre?

Oder Viceroy? Die schon lange beinah am höchsten stand?

Ob da nicht zuoberst eine noch ungesehene, 

höchste Sorte thronte?

Unmöglich

die Blumenzukunft zu berechnen.

Wie die Hand in eine Luke zu stecken,

wo sehr warmes Geschmeide hängt,

und es zu berühren mit Fingern

aus Wachs.

In fliegendem Wechsel geschieht

die Zukunft. Januar 1637: bis zu zehn Mal 

den Tag jede options-

abstrahierte Zwiebel.

Dreißigtausend Gulden in Zirkulation

in jeder niederländischen Stadt jeden gewöhnlichen Tag.

Der Wert fast jede Woche verdoppelt.
Bullenmarkt!

Zwanzig ordinäre Switsers wechseln jetzt die Hand für tausend Gulden.

Und bei dem Gerücht sprang der Preis für eine einzige
Semper Augustus-Zwiebel hoch,

zum ersten Mal verkauft

für zehntausend Gulden,

 dem Preis eines Patrizierhauses.

 Das nationale Brutto-Tulpenprodukt

wächst aus dem schon

engen Januar heraus

und hinein in ausgestorbene Wouter Winkels,

gigantische post mortem-Auktion in Nieuwe Schutters-Doelen,

wo eine Zwiebel Admirael van Enkhuizen wegging für

dreinhundertfünfzig Gulden pro Gramm.

Die totale Summe für sieben elternlose Kinder: neunzigtausend Gulden.
Für jedes Kind: sieben mal sieben sorgenfreie Leben …

(Aus: Tulipan. Manie. In: Herbarium, 2008, Gyldendal Forlag)

Aus dem Norwegischen von Klaus Anders

© Literatur Lana, Verein der Bücherwürmer,  Impressum, Privacy, P.Iva: 91000470210