Zur Reihe „Erinnerungen an Europa"

 

2008 folgten die Kulturtage Lana in literarischen und wissenschaftlichen Annäherungen einer „Archäologie der Phantasie", und den Kulturtagen 2009 stand motivisch ein Zitat von W.G. Sebald voran: „Zerstöret das Letzte, die Erinnerung nicht". Ein solches Augenmerk, das in den letzten beiden Jahren also Felder und Fragen der Literatur Lana bestimmte, kehrt ein wesentliches Moment einer künstlerischen und reflexiven Auseinandersetzung hervor, welches das, was Kunst und Literatur selbst immerzu im Rücken haben, nahezu fordernd auch zu deren Betrachtung herbei ruft; es ist dies das Moment der Erinnerung, das gar nicht an den Grund, den es etwa als Endstation eines Verstehens gar nicht gibt, vielmehr an Herkunft und Anteilnahme des literarischen Schreibens rührt. Und wenn dieses Hervorkehren und Wiederkehren der Erinnerung vielleicht auch kein definitives Fazit hervorbringt, keine Erklärung, auf die jederzeit Verlass wäre, so hält sie doch wach, was gewesen ist, und bewahrt davor, dass es vergessen wird.

In den kommenden Lesungen im Mai und Herbst dieses Jahres wird das Thema der Erinnerung an tiefe zeitgeschichtliche Umwälzungen Europas gebunden und in Begegnungen mit bedeutenden Vertretern der ost- und mitteleuropäischen Literatur konkretisiert.

Fragen nach einem veränderten Europa, nach Unversöhnlichkeiten zwischen Vergangenem und Gegenwärtigem, nach zwiespältigen Erfahrungen, die den langen Nachhall von vergangenem Glück und Leiden tragen, sollen Lektüren und Gesprächen mit Dichtern und Schriftstellern vorangestellt werden. Nicht weniger jedoch wollen die Stimmen in ihrer jeweiligen ästhetischen Eigenart und kritischen Differenzierung wahrgenommen werden und so Einblicke gewonnen werden in die so vielfältigen und auch unbekannten Geschichten und Stimmen eines unergründlichen Europa.

Den Auftakt der Reihe macht die Schriftstellerin, Übersetzerin und Wissenschafterin Ilma Rakusa. Ihr folgen ein Abend mit dem bedeutendsten lebenden Dichter und Literaturwissenschaftler Litauens, nämlich mit Tomas Venclova (21. Mai 2010) und eine Begegnung mit Serhij Zhadan, dem fulminant erzählenden jungen Autor der Ukraine (26. Mai 2010).

Im Herbst wird die Reihe „Erinnerungen an Europa" fortgesetzt mit Juri Andruchowytsch, Andrzej Stasiuk, Vincenzo Consolo u.a.

 

 

 

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