In seiner Ausrichtung und Aufmerksamkeit auf ein poetisches Tun vergibt der Verein der Bücherwürmer
den N.C. Kaser-Lyrikpreis und das Literaturstipendium Lana, das von der Marktgemeinde und der Stiftung
Südtiroler Sparkasse getragen wird. Es richtet sich an junge Dichter, Übersetzer oder Wissenschafter, in
derem Tun das Denken in Sprache und das Denken über Sprache einander untrennbar bedingen und die
Möglichkeiten von Sprache ästhetisch, aber auch ethisch erforschen und neu erfinden. Die Dichtung sowie
ihr Transfer in andere Sprachen und in sekundäre Reflexionen sind also immer auch ein Laboratorium, in
dem das Wesen der Sprache verhandelt wird, nicht als ontologische oder abstrakte Einheit, sondern als
»Gedächtnisspeicher« (Thomas Kling) und Denkbewegung, als Erkenntnisinstrument, Widerstand oder
Selbstbehauptung.


2011 wurde das Literaturstipendium dem polnischen Dichter Tadeusz Dabrowski zugesprochen. Anknüpfend
an ein »skeptisches Dichten und Denken jenseits der Ideologien«, an ein Misstrauen gegen das rhetorische
Wort und gegen den postmodernen Unglauben an den objektiven Status des Undenkbaren, bewahrt ihn das
Wissen, dass alles relativ ist, dennoch nicht davor, die Wahrheitssuche poetisch nicht absolut zu setzen. Auch
darin schreibt der junge Dichter eine große Tradition der polnischen Lyrik fort.

Das Wort Apfel enthält keine Wahrheit
über den Apfel, ebensowenig wie seine Gestalt, seine Farbe, sein Duft
und sein Geschmack. Wahrheit ist nichts zum Anschauen, Riechen
und Schmecken. Apfel sagend, tust du kaum mehr als ihn zu essen.

Im Raum zwischen dem Wort Apfel und der Wahrheit des Apfels
geschieht der Apfel. Der Raum zwischen dem Wort Tod
und der Wahrheit des Todes ist am weitesten. Darin geschieht
das Leben. Zwischen dem Wort Wahrheit und der Wahrheit geschieht

Tod.

(Aus dem Polnischen von Monika Rinck)

 

 

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