30. August 2022; 20.00
Raiffeisenhaus Lana, Andreas-Hofer-Straße

Dienstag, 30. August 2022

20.00 Uhr
Eröffnung mit Bürgermeister Dr. Harald Stauder, Elmar Locher, Präsident der Bücherwürmer, und Christine Vescoli, Kuratorin der Literaturtage Lana

Juri Andruchowytsch: „Radio Nacht“ (Aus dem Ukrainischen von Sabine Stör, Suhrkamp Verlag 2022)
Moderation: Ilma Rakusa

Mit Juri Andruchowytsch eröffnet ein Schriftsteller die 37. Literaturtage Lana, der zu den wichtigsten intellektuellen Stimmen der Ukraine zählt. Einem freien kulturellen Geist und zivilgesellschaftlichen Gewissen verpflichtet, setzt er sich seit der Revolution auf dem Maidan für die Unabhängigkeit der Ukraine ein und reflektiert sein Heimatland von der Verwurzelung in der Habsburger Monarchie über die Diktatur der Sowjetunion bis hin zur gegenwärtigen Tragödie des Krieges. Das freie Denken, das nicht in Ideologien, Bildnissen und Mythen erstarrt und einfriert, zeichnet auch die Protagonisten seiner Romane aus.
Sein jüngster erscheint unter dem Titel „Radio Nacht“ in wenigen Tagen auf Deutsch und wird in Lana mit Ilma Rakusa vorgestellt.

Als »Barrikadenpianist« hat er die Revolution zu Hause unterstützt. In der Emigration verdient er sein Geld als Salonmusiker – Josip Rotsky, ein Mann unklarer Identität, dessen Name sich auf Trotzki, Brodsky und Joseph Roth reimt. In einem Schweizer Hotel muss er für den Diktator seines Landes spielen – und wird zum Attentäter.
Nach der Haft zieht Rotsky sich in die heimatlichen Karpaten zurück. Geheimdienstler und andere Finsterlinge trachten ihm nach dem Leben. Mit seiner Geliebten Animé und dem Raben Edgar flieht er nach Griechenland. Erst auf der Gefängnisinsel am Null-Meridian ist Schluss. Dort sendet sein »Radio Nacht« rund um die Uhr Musik, Poesie und Geschichten in die sich verfinsternde Welt.
Radio Nacht, in der Ukraine 2020 erschienen, ist nicht nur ein sprachliches Feuerwerk, sondern ein Gegenwartsroman von eminenter Aktualität. Klimaproteste, Pandemie, die Bedrohung durch Russland – er handelt von einer Zeit, in der die Hoffnungen auf radikale Veränderungen begraben werden.

Juri Andruchowytsch, © Ekko von Schwichow

Juri Andruchowytsch, geboren 1960 in Iwano-Frankiwsk/Westukraine, dem früheren galizischen Stanislau, studierte Journalistik und begann als Lyriker. Außerdem veröffentlicht er Essays und Romane. Andruchowytsch ist einer der bekanntesten europäischen Autoren der Gegenwart, sein Werk erscheint in 20 Sprachen. 1985 war er Mitbegründer der legendären literarischen Performance-Gruppe Bu-Ba-Bu (Burlesk-Balagan-Buffonada). Mit seinen drei Romanen Rekreacij (1992; dt. Karpatenkarneval, 2019), Moscoviada (1993, dt. Ausgabe 2006), Perverzija (1999, dt. Perversion, 2011), die unter anderem ins Englische, Spanische, Französische und Italienische übersetzt wurden, ist er zum Klassiker der ukrainischen Gegenwartsliteratur geworden.
Goethe-Medaille 2016; Hannah-Arendt-Preis 2014; Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2006

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