Seit der Finanzkrise 2008 treibt die Welt die Frage um, was denn Geld sei. Und die Frage sei zu ernst, meinen einige, als dass man sie ausschließlich den Ökonomen überlassen könne. Selbst in den ökonomischen Modellbildungen ist die Frage nach dem Geld nicht eindeutig zu beantworten.
Es verwundert daher nicht, dass sich auch die Kulturwissenschaft vermehrt um die Frage kümmert. So erscheint 2010 Joseph Vogls Das Gespenst des Kapitals. Das Werk des Berliner Germanisten und Kulturwissenschaftlers hat großes Aufsehen erregt und ist in seiner Annahme der Chaos-Moral des Kapitalismus, die untauglich sei für eine vernünftige oder gerechte Organisation der Gesellschaft, ebenso angegriffen wie begeistert gelesen worden. Dem Zusammenhang von Schuld und Schulden geht Vogl in jüngsten Diskussionen nach, die auch in Lana aufgegriffen werden sollen.

Dass nun gerade die Literaturwissenschaft sich intensiv der Frage nach der Verbindung von Geld, Kredit und Poesie widmet, mag auf einen ersten Blick verwundern. Ein zweiter aber macht deutlich, dass es in der Poesie um die Diskussion des Zeichencharakters von Sprache geht und dass auch der Status des Geldes in zeichen- bzw. medientheoretischen Modellen verhandelt werden muss. Das ist allerdings nicht erst eine Bemühung nach der Krise von 2008, vielmehr verstärkt der Übergang vom 18. ins 19. Jahrhundert die Diskussion um den Zeichencharakter der Poesie und den Zeichencharakter des Geldes in der politischen Romantik. Goethe wird dann im Faust II den immer noch gültigen großen geldtheoretischen Entwurf vorlegen. Im Übrigen gilt Goethe als einer der großen Geldtheoretiker. Aber auch bei Novalis finden sich geldtheoretische Überlegungen und die Ästhetik Jean Pauls ließe sich auch in geldtheoretischer Begrifflichkeit fassen. In diesem Kontext erfährt nun auch Adam Müller, der allzu oft nur als die schwarze Seele Heinrich von Kleists und als der reaktionäre Interessensvertreter des Junkertums gedeutet wurde, neue Beachtung. Adam Müller erscheint auch in der Bewertung von Joseph Vogl und Jochen Hörisch als ökonomischer Denker, der als erster die neue Erscheinungsform des Geldes als Kreditform erkannt hat.

Von einem der profiliertesten Literaturwissenschaftler Deutschlands, von Jochen Hörisch von der Universität Mannheim, erschien 1996 die Aufsatzsammlung Kopf oder Zahl. Die Poesie des Geldes. 2004 folgte sein Buch Gott, Geld Medien. Fasziniert vom paradoxen Medium Geld geht Jochen Hörisch dem Spannungsverhältnis von Geld und Geist, von Geld und Gott, Hostie und Münze nach und findet in der Sphäre des Geldes viele religiöse, aber auch erotische Begierden und einen dementsprechenden Paradigmenwechsel in der ökonomischen Theoriebildung. Die Frage, was Geld eigentlich sei, sieht Hörisch vielfach auch bei Goethe beantwortet.
2004 erscheint auch der gewichtige Band von Eske Bockelmann Im Takt des Geldes. Zur Genese modernen Denkens, der moderne Denkformen auf die Erscheinungsformen des Geldes zurückführt und die Konstitution der Subjekte durch den Markt und die von ihm erzwungene Geldhandlungen bestimmt. 2011 veröffentlicht der Schweizer Soziologe Aldo Haesler, der an der französischen Universität Caen in der Normandie lehrt, den Band Das letzte Tabu. Ruchlose Gedanken aus der Intimsphäre des Geldes und betrachtet dabei Geld nicht als nationalökonomischen Gegenstand, sondern als letztes soziales Band einer vollends individualisierten Gesellschaft.

Literatur Lana hat sich in diesen Diskurs begeben und 2011, anlässlich der 200. Wiederkehr des Todestages von Heinrich von Kleist, einen ersten Beitrag zum Zusammenhang von geldtheoretischen Erwägungen Adam Müllers und deren Auswirkungen auf das Werk von Heinrich von Kleist, spezifisch zum Zusammenhang von Schuld und Schulden, vorgestellt.

Diesen Zusammenhängen will Lana in nächster Zeit auf der Spur bleiben und im Herbst 2012 eine Vortragsreihe mit Jochen Hörisch, Aldo Haesler und Eske Bockelmann beginnen, die 2013 mit Joseph Vogl fortgesetzt werden soll.

 

 

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