Am 4. Juli 1915 wird Christine Lavant als neuntes Kind des Bergarbeiters Georg Thonhauser und seiner Frau Anna im Kärntner Lavanttal geboren. Die Familie lebt unter ärmlichen Verhältnissen und die schweren Erkrankungen, an denen Christine Lavant seit frühester Kindheit leidet, begleiten sie, die als Strickerin ihr Geld verdient, das ganze Leben.
Nachdem ihr „alles, was weh tut, schon geschehen ist", wie sie einer Freundin schreiben wird, scheint ihre Lebenskraft von einer untrüglichen Furchtlosigkeit und ihre Schreibkraft von einer Kompromisslosigkeit, die große künstlerische Eindringlichkeit bezeugt.
Es entstehen Erzählungen wie „Das Wechselbälgchen", das berührend und beklemmend die Geschichte von Zitha, der unehelichen Tochter einer Bauernmagd, erzählt; körperlich entstellt und geistig beeinträchtigt, ist sie als Ausgegrenzte in einem Dorf ihrem Schicksal ausgeliefert. Oder die „Aufzeichnungen aus einem Irrenhaus", die scharfsinnig und unbeirrbar konsequent Erfahrungen in der Nervenheilanstalt wiedergeben.
Der Vermittlung von Paula Grogger, einer einflussreichen Freundin, ist es zu verdanken, dass 1948 Gedichte und Erzählungen im bedeutenden Brentano Verlag publiziert werden.
In den 50er Jahren kommt Christine Lavant in Kontakt mit der Künstlerwelt und mit Vertretern der Wiener Avantgarde. Sie pflegt enge Freundschaften in Klagenfurt und Wien und fällt in den Gesellschaften, in denen man lebe „wie die Sterntalerkinder", durch ihren sprühenden Geist und Witz auf. Von einer souveränen, äußerst sensiblen, mitunter schalkhaften Wandlungsfähigkeit zeugen auch die zahlreichen Briefe, die Lavant wie besessen schreibt.
In dieser Zeit wird sie Autorin des O. Müller Verlags in Salzburg, es erscheinen „Wirf ab den Lehm. Gedichte" oder der Erzählband „Nell". 1964 erhielt Christine Lavant zum 2. Mal den Georg-Trakl-Preis und 1970 den Großen Österreichischen Staatspreis für Literatur. 1972 veröffentlicht der Deutsche Taschenbuch Verlag die Bände „Gedichte", „Bettlerschale", „Spindel im Mond" und „Der Pfauenschrei". Begleitet werden die Erfolge jedoch von wiederkehrenden Krankheiten, von einem Schlaganfall und längeren Aufenthalten im Krankenhaus.
Am 7. Juni 1973 stirbt Christine Lavant im Landeskrankenhaus in Wolfsberg.


Klaus Amann ist 1949 geboren und lebt als Professor für Geschichte und Theorie des Literarischen Lebens am Robert-Musil-Institut in Klagenfurt. Zuletzt: „Robert Musil - Literatur und Politik. (Reinbek 2007), „Robert Musil: Klagenfurter Ausgabe (KA)" (2009).

Orsolya Kalász, 1963 in Ungarn geboren, lebt als Lyrikerin und Übersetzerin in Berlin. Zuletzt: „Ich habe keine andere Wahl als einen Garten zu finden: Más választásom nem marad mint találni egy kertet." (2006), „alles was wird, will seinen strauch : Ami volt, még bokor akar lenni" (2007).

Chris Pichler, lebt in Wien und Berlin, spielt an renommierten Bühnen wie u.a. an dem Deutschen Theater Weimar, dem Volkstheater Wien, dem Theater an der Josefstadt oder dem Berliner Ensemble.

Theresia Prammer, geboren 1973 in Wien, lebt als Literaturwissenschafterin und Übersetzerin in Berlin. Zuletzt: „Übersetzen. Überschreiben. Einverleiben - Verlaufsformen poetischer Rede" (Wien, 2009), „Ricostruzioni. Nuovi poeti di Berlino" (Mailand, 2011).

Monika Rinck, 1969 geboren, ist deutsche Lyrikerin und Übersetzerin und lebt in Berlin. Zu den zahlreichen, renommierten Preisen zählt seit jüngstem der Peter-Huchel-Preis 2013. Zuletzt: ICH BIN DER WIND (Berlin, 2011), HONIGPROTOKOLLE (Berlin, 2012).

 

 

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