1. September 2022, 17.00
Raiffeisenhaus Lana

Donnerstag, 1. September 2022

17.00 Uhr
Katrin Hillgruber: Lebendig und arbeitsam. Aus Stahlbeton. Die Stadt Charkiw und ihre Bedeutung für die ukrainische Kultur

18.00
Yevgeniy Breyger
Dagmara Kraus
Ernest Wichner: Heute Mai und morgen du (Gedichte. SChöffling & Co. 2022)
Moderation: Christine Vescoli

20.00 Uhr
Tomas Venclova: Variation über das Thema Erwachen (Gedichte. Aus dem Litauischen von Cornelius Hell. Edition Lyrik Kabinett bei Hanser 2022)
Moderation: Cornelius Hell

Katrin Hillgruber unternimmt einen Streifzug durch das ostukrainische Charkiw, das wie andere Städte des Landes für eine offene, vielfältige Welt stand, für kulturellen Reichtum, für Schönheit und Freiheit. Nun verbindet sich der Namen mit Schreckensnachrichten, die zeigen, wie ein Aggressor die Stadt und ein Land zerstören und dem Erdboden gleich machen will. Was das für Europa bedeutet und was für die Entwicklung der Demokratien, bleibt eine Frage des Vortrags und der Literaturtage Lana.
Katrin Hillgruber studierte Literatur- und Theaterwissenschaft sowie Geschichte Ost- und Südosteuropas. Sie arbeitet als Literaturkritikerin und Kulturjournalistin mit besonderem Interesse für Osteuropa, Film und Fernsehen unter anderem für den Tagesspiegel, die F.A.Z, den Deutschlandradio und den Bayerischen Rundfunk. Katrin Hillgruber lebt in München.

Mit Yevgeniy Breyer, Dagmara Kraus und Ernest Wichner kommen eine Lyrikerin und zwei Lyriker zu Wort, die alle drei ihre Wurzeln in osteuropäischen Staaten haben, in Polen, der Ukraine und in Rumänien. Sie stammen aus teils unterschiedlichen Generationen und Ländern, die sie unter unterschiedlichen Bedingungen verlassen haben. So prägen die imperialistische Hand Russlands, die in die Geschicke ihrer Völker und Familien eingreift, sowie das Verlassen des Heimatlandes ihre persönliche Geschichte. Nicht zuletzt führt alle drei die Frage nach der Sprache zum literarischen Spiel mit Mehrsprachigkeit, Dialekt oder Jargon, in dem sich eine Form von Freiheit eröffnet. Während Yevgeniy Breyer und Dagmara Kraus aus älteren und neu entstandenen Gedichten lesen, stellt Ernest Wichner seinen neuen Band „Heute Mai und morgen du“ (Schöffling & Co., 2022) vor.
Ernest Wichner, geboren 1952 in Guttenburg (Banat/Rumänien), lebt seit 1975 in Berlin. Studium der Germanistik, Rumänistik und Politologie. Am 1988 Tätigkeit für das Literaturhaus Berlin, von 2007 bis 2017 dessen Leiter. Herausgeber, Übersetzer, Dichter, Kurator. Lebt in Berlin. Zuletzt: „Bin ganz wie aufgesperrt“ (Wunderhorn 2010) „Neuschnee und Ovomaltine“ (hochroth 2010) „Heute Mai und morgen du“ (Schöffling & Co. 2022)

Dagmara Kraus, geboren 1981 in Wrocław (Polen, lebt in Straßburg. Studium der Komparatistik und Kunstgeschichte in Leipzig, Berlin und Paris; Gastdozenturen für Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig, an der Universität für Angewandte Kunst Wien und am Schweizerischen Literaturinstitut Biel. Seit Juni 2021 ist sie Juniorprofessorin am Literaturinstitut Hildesheim. Zuletzt: „liedvoll, deutschyzno“ (kookbooks, 2020), „aby ohrkraft`s HUNCH POEM, Schupfart et al (Urs Engeler/roughbooks 2018).

Yevgeniy Breyger, geboren 1989 in Charkow, Ukraine, 1999 nach Magdeburg übersiedelt. Studium an der Universität Hildesheim, am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und an der Hochschule für Bildende Künste Städelschule in Frankfurt am Main. Zuletzt: „gestohlene luft“ (kookbooks, 2020), „flüchtige monde“ (kookbooks 2016). Neben Stipendien und Preisen Leonce-und-Lena-Preis 2019. Er ist Mitglied des Dichter*innenkollektivs Salon Fluchtentier und lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.

Lyrik aus Litauen – „Tomas Venclova ist Litauens Stimme in der Weltliteratur. Ein lakonischer Elegiker und moderner Klassiker.“ Carsten Hueck, Deutschlandradio Kultur

Tomas Venclova ist einer der großen Dichter unserer Zeit. In seiner Heimat Litauen erlebte er den langen Winter des Totalitarismus, wegen seiner kritischen Haltung kam er in Bedrängnis. Es folgten Exil, Reisen und Heimkehr – die Lebensthemen seiner Lyrik –, doch als dieser unfreiwillige Weltbürger schließlich zurückkehrte, war das Land ein anderes. Was unverändert blieb, ist die rettende Kraft der Sprache. Stets beruft sich Venclova auf die Tradition der europäischen Literatur – von der griechischen Klassik bis zur Moderne. Lakonie, kristallklare Eleganz und feiner spöttischer Witz zeichnen seine Poesie aus, jene „unwirkliche Wirklichkeit“, die sich unauflöslich mit der Erfahrung der Welt verwebt.

Tomas Venclova, geboren 1937 in Memel, heute Klaipėda, gilt als der bedeutendste Dichter Litauens. 1977 emigrierte er in die USA, wo er bis zu seiner Emeritierung an der Yale University russische Literatur lehrte. Heute lebt er wieder in Vilnius. Auf Deutsch sind die Gedichtbände „Gespräch im Winter“ (2007) und „Vor der Tür das Ende der Welt“ (2001), die Gespräche „Der magnetische Norden“ (2017) sowie das Porträt „Vilnius. Eine Stadt in Europa“ (2006) erschienen. Sein lyrisches und essayistisches Werk wurde vielfach übersetzt und ausgezeichnet, u. a. mit dem Petrarca-Preis 2014. Bei Hanser erschien zuletzt eine Auswahl seiner Gedichte unter dem Titel Variation über das Thema Erwachen (2022).
Cornelius Hell, 1956 geboren in Salzburg, lebt als Autor, Übersetzer und Literaturkritiker in Wien. Lehraufträge an den Universitäten Salzburg, Wien und Klagenfurt. Publikationen u.a. zu Thomas Bernhard, Milo Dor, Imre Kertész.

Tomas Venclova, Copyright Ekko von Schwichow
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