Den „Kulturtagen Lana 09“ steht ein Zitat W.G. Sebalds voran: „Zerstöret das Letzte / Die Erinnerung nicht“. Dem Zitat - das in abgewandelter Form auf Hölderlin zurückgeht – folgt das Festival und stellt damit das Thema der Erinnerungsarbeit, das Thema von Literatur und Gedächtnis in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung und Präsentation.
Der Appell Sebalds trägt also die Literaturtage in Lana und in diesem Sinne die künstlerische Reflexion über Vergangenheiten des 20. Jahrhunderts, die ihre Schatten weit über die Jahrzehnte werfen und ein Denkbares auch als das, dem zu gedenken ist, leiten. Ein literarisches Schreiben, das solchem Denken folgt und solchem Gedenken verpflichtet ist, evoziert – wie Sebald meint – Erinnerung als das Letzte, das verschwinden möge. Das letzte Leid, das nicht sein darf, wäre demnach das Verlöschen der Erinnerung oder gar die Auslöschung.
Zum anderen ist Erinnerung aber immer auch Erfindung und hat in unterschiedlichen Maßen Teil am Faktischen und an der Fiktion. Literarisches Schreiben misst eben diese Verhältnisse zwischen Erfindung und Erinnerung, zwischen Vergessen und Gedenken und wirkt in dieser Weise an der Darstellung wie an der Herstellung von Wirklichkeiten.
Das Literaturfestival in Lana präsentiert an drei konzentrierten Tagen Lesungen, Hommagen, Erstpräsentationen, Filme, Referate und Diskussionen, die Vergangenheit sowohl in literarischer Rekonstruktion wie auch in den Bedingungen des Erinnerns wachrufen.
Bedeutende Vertreter der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, Wissenschaftler, Denker und Künstler tragen das Programm der „Kulturtage Lana 09“ und machen sie zu einer Drehscheibe des Diskurses literarischen (Ge-)Denkens.
Marcel Beyer, Walter Busch, Iain Galbraith, Jürgen Hosemann, Thomas Honickel, Hanna Krall, Elmar Locher, Herta Müller, Kathrin Schmidt, Raoul Schrott, Renate Schmidgall, Lutz Seiler, Thomas Stangl, Norbert Wehr und Ernest Wichner werden die Kulturtage Lana gestalten und Wolfgang Hilbig und W.G. Sebald sind Hommagen gewidmet.
Die Kulturtage Lana finden in diesem Jahr im Ansitz Schallerhof in der Vill statt. Er gehört zu den stattlichen Weinhöfen am Fuße des rebenreichen Aichberges und geht als Besitz des Klosters Weingarten auf das 13. Jahrhundert zurück. In der vornehmen Halle mit Rundpfeilern und den beiden Renaissancestuben finden die literarischen Veranstaltungen ein einmaliges Ambiente.
Eröffnung
19.00: Begrüßung LRin Dr. Sabina Kasslatter-Mur; BM Christoph Gufler
Erstpräsentation des Romans "Atemschaukel" (Hanser Verlag, 2009) von Herta Müller
Gespräch zwischen Herta Müller, Ernest Wichner und Norbert Wehr.
Foto- und Tondokumente begleiten die Veranstaltung
Buffet
16.00: "Erinnerung. Chemie. Ein Eingeweide..." In memoriam Wolfgang Hilbig. Hommage an den Dichter mit Jürgen Hosemann, Marcel Beyer und Lutz Seiler
18.00: Lesungen:
Thomas Stangl: "Was kommt" (Droschl Verlag 2009)
Kathrin Schmidt: "Du stirbst nicht" (Verlag Kiepenheuer & Witsch, 2009)
Pause und Buffet
20.00 Marcel Beyer: "Kaltenburg" (Suhrkamp Verlag, 2008)
Lutz Seiler: "Die Zeitwaage" (Suhrkamp Verlag, 2009)
Einführungen und Moderationen: Christine Vescoli und Theresia Prammer
15.00: "Ein ungeheuerer Appell". In memoriam W.G. Sebald
Walter Busch "Schmerzausdruck und Schmerzgedächtnis bei W.G. Sebald"
Elmar Locher " W.G. Sebald oder "Die Poetik der Heimsuchung"
Iain Galbraith: " Von einem dunklen Ufer zum andern": Zum Gedanken der Synchronizität bei Michael Hamburger und W. G. Sebald "
18.00: "W.G. Sebald. Der Ausgewanderte" Ein Film von Thomas Honickel. In Anwesenheit des Filmemachers
Pause und Buffet
20.00: Raoul Schrott liest W.G. Sebald
21.00: Hanna Krall liest aus ihrem Gesamtwerk; Einführung, Übersetzung und Gespräch: Renate Schmidgall
Kuratiert von Christine Vescoli unter Mitarbeit der Literaturstipendiatin Theresia Prammer