27. - 29. August 2026
Villa Arnica und Schallerhof, Lana

Und vergeßt mir den Garten nicht, den Garten mit goldnem Gitterwerk!
Und habt Menschen um euch, die wie ein Garten sind
– oder wie Musik über Wassern, zur Zeit des Abends.
(Nietzsche)

Die Gärten nicht vergessen! Die Gärten! Die Gärten?

140 Jahre nach seinem Erscheinen klingt Friedrich Nietzsches Mahnung aus „Jenseits von Gut und Böse. Vorspiel einer Philosophie der Zukunft“ wie eine melancholische Vorausahnung verlorener Gärten. Als wäre der Welt eine Seele abhanden gekommen. Mit dem Bild des Gartens entwirft er eine Topographie des Rückzugs, in dem sich – in Abgrenzung gegen die Straße und deren Trubel – ein geistiger und sinnlicher Freiraum entfaltet.

Denn wo, wenn nicht im Geschützten, wollen wir uns die Gegenwart voller Krisen, Kriege und Katastrophen begreifbar machen?

Es ist das Werk des Nobelpreisträgers László Krasznahorkai, das uns diese Zumutung in wuchtiger sprachlicher Kühnheit vor Augen führt. Wo Nietzsche an den Garten als Ort erinnert, in den der Hass der Welt und die Willkür, der Irrsinn und die zynische Hybris der Mächtigen nicht eindringen können, führt Krasznahorkai in einen wuchernden Kosmos der Sprache, der jedoch nie Abkehr oder Exil bedeutet.

Und dann fragen wir mit ihm und Leibnitz: Ist die unsere nicht doch die beste aller möglichen Welten?

Auch wenn technokratische Visionen sie für eine bessere Zukunft im All verlassen möchten, bleibt unser Planet bis auf weiteres doch die beste aller Welten. Denn weder vom Mars noch Mond können wir bisher annehmen, dass sie für den Menschen lebbar sind. Und kein anderes Wesen als der Mensch ist uns bisher bekannt, das kraft seines Intellekts fähig ist, dieses Leben zu gestalten, zu reflektieren und ihm Sinn zu verleihen.
„Ich weiß keine bessere Welt“, sagt die vor 100 Jahren geborene Ingeborg Bachmann.

Das alles will zu keinem Befund führen, der dem Planeten und dem Menschen Verlässlichkeit bescheinigt, außer jener der Unverlässlichkeit und Unvernunft, die stets – und pünktlich – Unrecht schafft.

Aber wir lesen Nietzsche, dessen Aphorismus wir zum Motto der diesjährigen Literaturtage Lana nehmen: „Und vergeßt mir den Garten nicht (…) und habt Menschen um euch, die wie ein Garten sind. …“

Dann suchen wir die Gärten auch in jenem Zwischenraum auf, der nach Hannah Arendt „zwischen Menschen sich bildet, die etwas Gemeinsames unternehmen. In ihm wächst dann gleichsam von selbst jedem Einzelnen Macht zu, wenn alle zusammen zu handeln beginnen.“

Aber nicht weniger liegt er in der Erkenntnis von Schönheit und in der Kraft der Imagination und Poesie, in der Macht der Kunst, wie in Inger Christensens wunderbarem Poem „Alphabet“, einem alles umfassenden Buchstabieren von Schöpfung und Vernichtung. Denn:
„den herbst gibt es; den nachgeschmack und das nachdenken / gibt es; und das insichgehn gibt es; die engel, / die witwen und den elch gibt es; die einzelheiten / gibt es, die erinnerung, das licht der erinnerung; / und das nachleuchten gibt es.“

Wir laden Sie herzlich zu den Literaturtagen Lana 2026 ein und freuen uns auf Ihr Kommen.

PROGRAMM:

27. August, 20.00 Uhr
Villa Arnica, Andreas-Hofer-Straße 8, Lana

Begrüßung: LR Philipp Achammer; BM Dr. Helmut Taber; Elmar Locher, Präsident der Bücherwürmer; Christine Vescoli, Kuratorin der Literaturtage Lana
Lesung: László Krasznahorkai
Moderation: Gregor Dotzauer

28. August:
Schallerhof, Raffeingasse in der Vill, Lana

18.00:
András Visky: Die Aussiedlung (Aus dem Ungarischen von Timea Tankó. Roman. Suhrkamp 2025)
Moderation und Übersetzung: Cornelius Hell und Timea Tankó

20.00:
Béla Tarr: Die Werckmeisterschen Harmonien (Spielfilm mit Lars Rudolph, Peter Fitz, Hanna Schygulla u.a. Ungarn/Italien/Deutschland/Frankreich 2000, 35 mm, 145 Min)

29. August:
Schallerhof, Raffeingasse in der Vill, Lana

11.00: Anja Utler (Deutschland), Milena Marković (Serbien) und Stanisław Kalina Jaglarz (Polen)

18.00: Eva Geulen: Über den Mut
Moderation: Klaus Hartig

20.00: Inger Christensen: alfabet / alphabet
Es lesen Alberta von Poelnitz und Julia Wieninger

Die Literaturtage Lana 2026 werden kuratiert von Christine Vescoli und vor Ort assistiert von Walter Garber und Jonas Reisigl.

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