Und vergeßt mir den Garten nicht, den Garten mit goldnem Gitterwerk!
Und habt Menschen um euch, die wie ein Garten sind
– oder wie Musik über Wassern, zur Zeit des Abends.
(Nietzsche)
Die Gärten nicht vergessen! Die Gärten! Die Gärten?
Die Gärten der Semiramis? Die Gärten der Könige? Die Gärten der Klöster? Orte der Schönheit, der Ordnung und Kunst.
Oder die Gärten von Platon, Aristoteles und Epikur, die den Raum für ein Denken und Nachdenken öffnen? Die mit goldenem Gitterwerk die Grenzen zum Außen wahren, wo die Welt tobt, und eine Innenwelt öffnen.
Oder gar den Garten Eden? Ort der Sehnsucht nach einem paradiesischen Ursprung, der sterblich im Hortensischen aufblüht und einen Kosmos herein holt?
Sag mir, wo die Blumen sind, singt Marlene Dietrich.
140 Jahre nach seinem Erscheinen klingt Friedrich Nietzsches Aufruf aus „Jenseits von Gut und Böse. Vorspiel einer Philosophie der Zukunft“ wie eine melancholische Vorausahnung verlorener Gärten.
Denn wie wollen wir uns eine Welt von Krisen, Kriegen und Katastrophen begreifbar machen? Wie eine Gegenwart voller Irr- und Wahnsinn? Was ist ihr Sinn in der Willkür von Mächtigen und deren erratischen Wut, in der zynischen Hybris, die auf Vernichtung zuläuft? Es ist das Werk des Nobelpreisträgers László Krasnahorkai, das uns diese Zumutung in wuchtiger sprachlicher Kühnheit vor Augen führt.
Und doch nicht nur. Und wir fragen mit ihm und Leibnitz: Ist die unsere nicht doch die beste aller möglichen Welten?
Auch wenn ehrgeizige Visionen daran arbeiten, sie für eine bessere Zukunft zu verlassen, scheint die Erde bis auf weiteres doch die beste aller Welten zu sein. Denn weder vom Mars noch Mond oder von Sternen können wir bisher annehmen, dass sie für den Menschen lebbar sind.
Kein anderer Planet als die Erde wartet mit der Einzigartigkeit auf, die Leben bedeutet. Keiner, der alle denkbaren und undenkbaren Möglichkeiten dafür bereithält, auch die, nächstes Leben hervorzubringen, selbst an Ecken und Enden, die nach Millionen von Jahren doch kein Ende waren.
Nichts davon ist uns bislang von einer Terra X oder von Exoplaneten bekannt, auch nichts von einem Wesen, das dort lebte und fähig wäre, seinen Intellekt auszuloten und damit die Grenzen des Machbaren zu erweitern, oder das so mächtig wäre, Großartiges zu schaffen oder Zerstörung anzurichten; keines, das fähig ist zur Erfindung und Erzählung oder zur Denkübung der Existenz Gottes, dem allein Gut und Böse einsehbar ist, und keines, das der gestirnte Himmel über ihn zum Sandkorn macht und das moralische Gesetz in ihm zum Riesen, wie Kant schreibt.
„Ich weiß keine bessere Welt“, sagt die vor 100 Jahren geborene Ingeborg Bachmann.
Das alles will zu keinem Befund führen, der der Welt und dem Menschen Verlässlichkeit bescheinigt, außer der der Unverlässlichkeit und Unvernunft, die pünktlich Unrecht schafft.
Aber wir lesen Nietzsche, dessen Aphorismus wir zum Motto der diesjährigen Literaturtage Lana nehmen: „Und vergeßt mir den Garten nicht (…) und habt Menschen um euch, die wie ein Garten sind. …“
Das variierte Zitat borgen wir uns aus, um wider besseres Wissen und aller drückenden Wirklichkeit und Verwundbarkeit zum Trotz den erhellenden Widerstand und Mut zu erproben, der im Gemeinschaftssinn liegt und im Sinne von Hannah Arendt im wachen Handeln, das sich auf die Probleme der Zeit einlässt.
Aber nicht weniger liegt er in der Erkenntnis von Schönheit und in der Kraft der Imagination und Poesie, in der Macht der Kunst, wie in Inger Christensens wunderbarem Poem „Alphabet“, einem alles umfassenden Buchstabieren von Schöpfung und Vernichtung. Denn:
„den herbst gibt es; den nachgeschmack und das nachdenken / gibt es; und das insichgehn gibt es; die engel, / die witwen und den elch gibt es; die einzelheiten / gibt es, die erinnerung, das licht der erinnerung; / und das nachleuchten gibt es.“
Wir laden Sie herzlich zu den Literaturtagen Lana 2026 ein und freuen uns auf Ihr Kommen.
PROGRAMM:
27. August, 20.00 Uhr
Villa Arnica, Andreas-Hofer-Straße 8, Lana
Begrüßung: LR Philipp Achammer; BM Dr. Helmut Taber; Elmar Locher, Präsident der Bücherwürmer; Christine Vescoli, Kuratorin der Literaturtage Lana
Lesung: László Krasznahorkai
Moderation: Gregor Dotzauer
28. August:
Schallerhof, Raffeingasse in der Vill, Lana
18.00:
András Visky: Die Aussiedlung (Aus dem Ungarischen von Timea Tankó. Roman. Suhrkamp 2025)
Moderation und Übersetzung: Cornelius Hell und Timea Tankó
20.00:
Béla Tarr: Die Werckmeisterschen Harmonien (Spielfilm mit Lars Rudolph, Peter Fitz, Hanna Schygulla u.a. Ungarn/Italien/Deutschland/Frankreich 2000, 35 mm, 145 Min)
29. August:
Schallerhof, Raffeingasse in der Vill, Lana
11.00: Anja Utler (Deutschland), Milena Marković (Serbien) und Stanisław Kalina Jaglarz (Polen)
18.00: Eva Geulen: Über den Mut
Moderation: Klaus Hartig
20.00: Inger Christensen: alfabet / alphabet
Es lesen Alberta von Poelnitz und Julia Wieninger
Die Literaturtage Lana 2026 werden kuratiert von Christine Vescoli und vor Ort assistiert von Walter Garber und Jonas Reisigl.
