Der zweite der Literaturtage Lana 2026 präsentiert im Schallerhof den viel beachteten „Rosenroman“ des ungarischen Schriftstellers Zoltán Danyi sowie den Film „Die Werckmeisterschen Harmonien“ von Béla Tarr, der auf die Vorlage des Romans „Melancholie des Widerstands“ von László Krasznahorkai zurück geht.
18.00
Zoltán Danyi: Rosenroman (Roman. Aus dem Ungarischen von Terézia Mora. Suhrkamp 2023)
Moderation: Cornelius Hell
20.00
Béla Tarr: Die Werckmeisterschen Harmonien (Spielfilm mit Lrs Rudolph, Peter Fitz, Hanna Schygulla u.a. Ungarn/Italien/Deutschland/Frankreich 2000, 35 mm, 145 Min)
„Ich stand am Fenster und wartete, dass die Sonne unterging, denn das war die Regel, und wenn ich nicht wollte, dass etwas Schlimmes geschah, musste ich warten, bis sie untergegangen war.“
Mit diesen Sätzen beginnt er, der Lebensbericht eines Erzählers, der nach einer existenziellen Krise in seine serbische Heimatstadt zurückgekehrt ist – von der belgischen Nordseeküste an die Theiß, aus Westflandern unter den hohen leeren Himmel der Vojvodina. Die Handlung umfasst drei Jahrzehnte, vom Beginn der Jugoslawienkriege bis in die Gegenwart.
Dem Kriegsdienst entgangen, arbeitet er auf der Rosenfarm seines Vaters. Trotz eines Handelsembargos transportiert er die Pflanzen ins europäische Ausland, die Angst mit selbstgesetzten Regeln bekämpfend. Jahre später werfen ihn eine schwere Krankheit und eine Beziehungskrise aus der Bahn.
Mit bezwingender sprachlicher Schönheit, in seiner Ruhe und unerhörten Intensität vollzieht Zoltán Danyis meisterhafter Roman die seelische und physische Selbsterforschung eines Menschen nach, der sich schreibend aus der Sackgasse seines Lebens herausarbeitet.
„Der 50-jährige ungarische Erzähler Zoltán Danyi hat auch mit seinem zweiten Roman einen grossen Auftritt. Man könnte fast von einem Anti-«Candide» sprechen – Voltaires Vorstellung von der Pflege eines Gartens als Ort des Friedens erfährt ein scharfes Dementi.“ (NZZ)
Zoltán Danyi, 1972 in Senta, Jugoslawien geboren, studierte moderne Literatur an der Universität Novi Sad, Serbien, und an der Universität Szeged, Ungarn. Ab 2003 veröffentlichte er mehrere Gedichtbände und Kurzgeschichten. Sein Debütroman Der Kadaverräumer aus dem Jahr 2015 erhielt bedeutende ungarische Literaturpreise, darunter den Miklós-Mészöly-Preis, den Tibor-Déry-Preis und den Milán-Füst-Preis. Die deutsche Übersetzung des Romans stand 2019 auf der Shortlist für den HKW-Literaturpreis. Sein zweiter Roman Rosenroman wurde mit dem einzigen unabhängigen ungarischen Literaturpreis, dem Merítés-Preis, ausgezeichnet. Die deutsche Übersetzung des Romans wurde 2023 von der Darmstädter Jury zum Buch des Monats gewählt. Ebenfalls 2023 erschien in der Edition Thanhäuser Aus dem Tagebuch des Gärtners. Zoltán Danyi lebt als Rosenzüchter und Schriftsteller in Senta, Serbien.
Cornelius Hell, 1956 geboren, übersetzt aus dem Litauischen und lebt als Literaturkritiker und Autor in Wien. Er verfasste mehrere Bücher und viele Sendungen für den ORF und den BR und erhielt u.a. den Österreichischen Staatspreis für literarische Übersetzung 2018 sowie den Preis für Publizistik der Stadt Wien 2024. Zuletzt: Lesezeichen & Lebenszeiten (Streifzüge durch Bücher und Biografien, Sonderzahl, 2025).
20.00:
Béla Tarr: Die Werckmeisterschen Harmonien (Spielfilm mit Lrs Rudolph, Peter Fitz, Hanna Schygulla u.a. Ungarn/Italien/Deutschland/Frankreich 2000, 35 mm, 145 Min)
Regisseur Béla Tarr erarbeitete diesen Film nach einer Romanvorlage Romans von László Krasznahorkai „Melancholie des Widerstands“.
Die Temperaturen liegen 20 Grad unter Null, doch es liegt kein Schnee in der tristen ungarischen Kleinstadt. Aus der ganzen Region strömen Menschenmassen wie im Wahn in das Städtchen, um im gastierenden Zirkus die Hauptattraktion zu bewundern: einen toten Wal. Auch der junge Außenseiter Valuska macht sich mit seinem einzigen Freund György auf den Weg, um das Monster zu bestaunen. Die schneelose Kälte und die ungewohnte Menschenmasse bringen das Städtchen bald an den Rand des Chaos’. Angestaute Aggressionen werden frei, eine destruktive emotionale Woge überrollt die Menschen, ob beteiligt oder unbeteiligt, und verwandelt den Ort in ein apokalyptisches Szenario. Einzig die Freundschaft der beiden Männer lässt in diesem Spektakel noch an Hoffnung und Menschenwürde glauben.
„‚Werckmeister Harmóniák‘, gedreht in einem prächtigen Schwarz-weiß, ist auch in diesen Augenblicken ein Kino der Langsamkeit, des Atmens, der Fermaten: Jede Geste hat Zeit, zu ihrem Abschluss zu kommen und mit einer anderen verknüpft zu werden. Tarr stellt die Zeit nicht still, er gibt ihr einen menschlichen Takt. Das ist mehr, als man nach dem Motto hoffen dürfte, das über László Krasznahorkais Roman ‚Melancholie des Widerstands‘ steht, der Tarr als Vorlage gedient hat: ‚Es vergeht, aber es geht nicht vorüber.'“ (Tagesspiegel)
