Montag, 6. Februar 2017, 18.00
Vigilius Mountain Resort
In seiner 14. Ausgabe wird der N.C. Kaser-Lyrikpreis dem irischen Lyriker Trevor Joyce zugesprochen. Im Mountain Resort auf dem Vigiljoch wird der Preisträger mit der Übersetzerin Swantje Lichtenstein und der Preisstifterin Ursula Flora von den Bücherwürmern gefeiert.     Rebellisch, heißt es, sei N. C. Kaser (1946-1978) in seinem Temperament und seiner Literatur gewesen, risikofreudig und von einem unruhigen Geist, der für seine Maßlosigkeit stets das poetische Maß suchte und darin untrüglich zu einer eigenen Sprache fand.   Dem Südtiroler Dichter ist der Lyrikpreis gewidmet, der von den Bücherwürmern in Lana seit 1988 vergeben wird und seitdem von Land zu Land und von einer Sprache zur nächsten zieht. Indem er besonders Dichtungen von ästhetischer Experimentierfreude und gesellschaftskritischer Wachsamkeit kürt, ist er nicht zuletzt Hommage an seinen Patron.   Der englische Dichter Tom Raworth, dem vor zwei Jahren der Preis zugesprochen wurde, hat nun seinen Nachfolger vorgeschlagen. In seiner 14. Ausgabe kommt der N.C Kaser-Lyrikpreis dem Iren Trevor Joyce zu. Im Vigilius Mountain Resort, das seit Jahren schöner Ort der Vergabe des Preises ist, wird der Preisträger gefeiert und sein Werk durch die Übersetzung von Swantje Lichtenstein und die Laudatio von Tom Raworth vorgestellt. Ursula Ganahl Flora, die mit ihrer Familie seit 30 Jahren den Preis mit stiftet, und der Lanener Bürgermeister Harald Stauder werden den Preis dem irischen Dichter auf dem Vigiljoch übergeben.      

Trevor Joyce

Seit seiner ersten Buchveröffentlichung im Jahre 1967 gilt Trevor Joyce (*1947 in Dublin) als einzigartiger Vertreter der irischen Literatur. Durch den wandlungsfähigen und vielfältigen dichterischen Ausdruck zeichnet sich seine Position als eine der komplexesten der gegenwärtigen irischen Lyrik aus. Höchst experimentierfreudig und konzeptionell versiert nimmt er Quellen, Vorlagen und Literaturen aller Konvenienz heran, um damit neue sprachliche Wege zu erkunden und die Frage nach der Funktion und Entwicklung von Sprache dichterisch auszuloten.

So deckt sein umfangreiches Werk eine große Spannweite an Formen und Techniken ab und bezieht Anleihen aus der Volks- bis hin zur modernen Dichtung. In seinem frühen Werk erforscht Trevor Joyce neue Möglichkeiten poetischer Verfahren, indem er den Einsatz der Übersetzung elementar zur Wirkung bringt und sich durch die Adaption und Wiedererzählung legendärer Stoffe in einer Archäologie der Sprache übt. In den 1970er Jahren zog sich der Dichter aus der Öffentlichkeit und Publikationsarbeit zurück und widmete sich, während er als Systemanalytiker arbeitete, intensiv dem Studium der chinesischen Dichtung. Auf 20 Jahre des Schweigens folgte ein späteres Werk, das als beispiellos innerhalb der irischen Dichtung gilt. In allen Büchern, die Trevor Joyce nun vorlegte, erkundet er konzeptionell Möglichkeiten, einen Ausgangstext zu transferieren, ihn in einen computergenerierten Ausdruck, in einem rigoros systemischen oder strukturalistischen Schreibverfahren oder einem radikalen Übersetzungsansatz zu übertragen und durch kaum merkliche Irritationen unsere gewohnte Wahrnehmung zu unterbrechen. Dabei steht Joyce dem fantastischen und traditionsreichen Bilderreichtum Ezra Pounds näher als einer streng gehaltenen Übersetzung.

Wie sehr Joyce einem politischen und gesellschaftlichen Verständnis von Sprache verpflichtet ist, zeigt auch sein Einsatz von Poesie im öffentlichen Raum, den er in Aktionen und Performances mit Texttafeln und Gedichtserien ausstattet. 1967 war Trevor Joyce Mitbegründer des Verlags New Writer`s Press in Dublin, in den späten 70er Jahren stand er der Gründung der Zeitschrift für Poesie The Lace Curtains vor und in den 1990er Jahren gehörte er zu den Initiatoren und war Direktor des SoundEye Festivals in Cork. Seine Gedichte sind in wichtigen Anthologien vertreten, etwa in Penguin Book of Irish Poetry oder Anthology of Twentieth-Century British and Irish Poetry. 2002/03 war Trevor Joyce Filbright-Stipendiat und 2009/2010 Stipendiat an der Universität von Cambrigde, 2004 war er als nach Aosdána eingeladen.

wie sehr muss sich etwas ändern um ein anderer zu werden

so lange könnte
ein ding sein
und doch sich selbst überleben

wenn jeder geringste umstand die
wunden seiner zukunft birgt

ist nichts leichterdings zu
nehmen 

(Übersetzung: Swantje Lichtenstein)

 

An die 14. Ausgabe des N.C Kaser Lyrikpreis ist ein Übersetzerprojekt geknüpft. Eine Auswahl an Gedichten und Texten des irischen Preisträgers werden von Swantje Lichtenstein, Dichterin, Übersetzerin und Literaturwissenschafterin, ins Deutsche übersetzt und bei der Feier vorgetragen. In einer Nachlese der Reihe „Adligat“ werden sie publiziert.

Swantje Lichtenstein, geboren 1970 in Tübingen, Studium Germanistik, Philosophie, Soziologie, wurde in Köln mit einer Arbeit über neuere deutsche Lyrik promoviert, arbeitete als DAAD-Lektorin an der University of Delhi und veröffentlichte in diversen Zeitschriften und Anthologien. Swantje Lichtenstein ist Dichterin und Übersetzerin und lehrt seit 2007 als Professorin Literatur an der FH Düsseldorf. Zuletzt: „Geschlecht“ (2013), „Kommentararten“ (2015), „turtle dreams“ (2015), „is the artist necessary for making art today?“ (2015)

© Literatur Lana, Verein der Bücherwürmer,  Impressum, Privacy, P.Iva: 91000470210