Friederike Mayröcker

24.04.2009, 19:00

 

Scardanelli

(Suhrkamp Verlag 2009)

Einführung: Christine Vescoli

Damensalon Hotel Laurin
Laurinstraße 4, Bozen

Friederike Mayröcker

Geboren 1924 in Wien. Lebt als freie Schriftstellerin in Wien. 1946 - `69 Englischlehrerin. 1946 erste Veröffentlichung. Seit 1954 Lebenspartnerschaft und enge literarische Zusammenarbeit mit Ernst Jandl bis zu dessen Tod 2000. 1967 bis 1971 vorwiegend Arbeit an Hörspielen, daneben Bücher mit szenischer Prosa, in den 70er Jahren längere und kürzere Prosa, in den 80er Jahren umfangreiche Prosabücher und Gedichtbände.
Preise und Auszeichnungen (Auswahl): 1963 Förderungspreis für Literatur des Theodor-Körner-Stiftungsfonds zur Förderung von Wissenschaft und Kunst; 1968 Hörspielpreis des Bundes der Kriegsblinden Deutschlands, Bonn (gemeinsam mit Ernst Jandl); 1973 Würdigungspreis des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst für Literatur; 1976 Preis der Stadt Wien; 1977 Georg-Trakl-Preis für Lyrik des Landes Salzburg; 1981 Anton-Wildgans-Preis der Österreichischen Industrie für Literatur; 1982 Großer Österreichischer Staatspreis des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst für Literatur; 1982 Roswitha-von-Gandersheim-Preis Bad Gandersheim; 1985 Preis des Südwestfunk-Literaturmagazins; 1985 Literaturpreis des Südwestfunks Baden-Baden; 1987 Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst; 1989 Hans Erich Nossack-Preis der Deutschen Industrie; 1993 „Manuskripte“-Preis für das Forum Stadtpark des Landes Steiermark; 1993 Friedrich-Hölderlin-Preis; 1996 Großer Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Künste; 1996 Else-Lasker-Schüler-Lyrikpreis; 1997 13. Meersburger Drostepreis; 2001 Georg-Büchner-Preis; 2001 Karl-Sczuka-Hörspielpreis, 2003 Premio Internazionale, 2004 Ehrenring der Stadt Wien.
Veröffentlichungen(Auswahl): Larifari, Ein konfuses Buch, Kurzprosa (1956); Texte, Gedichte (1966); Tod durch Musen, Poetische Texte, Gedichte (1966); Minimonsters Traumlexikon, Texte in Prosa (1968); Fantom Fan, Prosa (1971); Sinclair Sofokles der Baby-Saurier, Kinderbuch (1971); Fünf Mann Menschen, Hörspiele (mit Ernst Jandl, 1971); Arie auf tönernen Füszen, Metaphysisches Theater (1972); je ein umwölkter gipfel, Erzählung (1973); Heisze Hunde (mit Ernst Jandl, 1977); Heiligenanstalt (1978); Ausgewählte Gedichte 1944-1978 (1979); Die Abschiede, Prosa (1980); Bocca della Verità, Hörspiel (1981); Ich, der Rabe und der Mond, Kinderbuch (1981); Gute Nacht, guten Morgen, Gedichte 1978-1981 (1982); Magische Blätter, Kurzprosa (1983); Reise durch die Nacht, Prosa (1984); Das Herzzerreißende der Dinge (1985); Magische Blätter II (1986); Winterglück, Gedichte 1981-1985 (1986; mein Herz mein Zimmer mein Name (1988); Gesammelte Prosa 1949-1975 (1989); UMBRA, DER SCHATTEN, Das ungewisse Garten-Werk, Prosa zu Arbeiten von Linde Waber (1989); Magische Blätter III (1991); ABC-thriller (1968) Kinderbuch (1992); Das besessene Alter, Gedichte 1986-1991 (1992); Veritas, Lyrik und Prosa 1950-1992 (1993); Lection (1994); Magische Blätter IV (1995); Notizen auf einem Kamel, Gedichte 1991-1996 (1996); das zu Sehende, das zu Hörende (1997); brütt oder Die seufzenden Gärten, (1998) ; blättersitten (mit Manfred Gruber, 1999); Gesammelte Prosa, 5 Bände (2001); Requiem für Ernst Jandl (2001); Magische Blätter I-V (2001); Mein Arbeitstirol, Gedichte (2003); Gesammelte Gedichte. 1939 - 2003. (2004); Und ich schüttelte einen Liebling (2005); Magische Blätter VI (2007); Paloma. Prosa (2008); Scardanelli, Gedichte (2009).

ZUM BUCH


Die Spur führt nach Tübingen, in eine Turmstube oberhalb des Neckars. Dort sitzt einer und schreibt. Hölderlin
nennt er sich indes nicht mehr. Seine Gedichte unterzeichnet er »Mit Unterthänigkeit / Scardanelli«.
Seine Stube verläßt er nur selten, und doch begegnet ihm Friederike Mayröcker auf ihren Streifzügen durch magische Kopf- und Sprachlandschaften auf Schritt und Tritt: Mal stößt sie auf ihn, »wo junge Blättchen wo verborgene Veilchen schwärmten«, mal zeigt er sich als »1 schöner / Wanderer mit Alpenhut und einer Blume in seiner / Hand«.
Zwischen Januar und September 2008 entstanden 40 Gedichte, in denen Friederike Mayröcker dem hymnischen
Ton und den freien Rhythmen Friedrich Hölderlins folgt. Meist reicht ein einzelnes Wort, manchmal ein Teil einer Verszeile, um die Sehnsucht zu beflügeln: »ich möchte / leben Hand in Hand mit Scardanelli«.

AUS »SCARDANELLI« (2009)

erschrecke zuweilen dasz der zu dem ich
spreche nicht da ist, gelbe und rote längliche
Blättchen vom Robinienbaum wehen zur Erde, dann
durch die Quergasse ins BÜRGER CAFÉ, lesend mit
Blüten und Wolken, o Jesu dein Blut wer kann mich
erretten, mit Eichen bedeckt und seltenen Tannen, dieser
rasche Abschied du eilst zum Wagen die Steine von Syphnos mit
blaugrünen Brauen während die Schnittblumen messer-
scharf in der Wiese, die knallharte Mnemotechnik, Gedächtniskunst,
automatisiertes Hersagen An- und Ausziehen Lesen, tropfe
tupfe auf den Asphalt oder meine knarrenden
Schritte. Das Küchefenster steht offen mein Hirn
in den Kniekehlen, atme schwer

15./16.10.04


mit Scardanelli
im Grunde deines Mundes, damals
wann weisz die Schwalbe dasz es Frühling
wird nachts nadelst du als Regen an mein Fenster ich
liege wach ich denke an die Nachmittage umschlungenen
Mitternächte, vor vielen Jahren diese Rosenkugeln die
Schaafe auf der dunklen Himmels Weide


19.1.08

 

 

WEITERE VERANSTALTUNGEN


25.04.09; 17.30 Uhr
»Das Schreiben und das Schweigen. Die Schriftstellerin Friederike Mayröcker« (D/I/A, 2008)
von Carmen Tartarotti
Innerhalb der 23. Bozner Filmtage
In Anwesenheit der Regisseurin und der Dichterin
25.4. bis 2.5.2009
»Formen«: 6 Graphiken von Stefan Fabi mit Texten von Friederike Mayröcker
Galerie Spazio Arte Luna-Mondschein, Bindergasse 25, Bozen
Öffnungszeiten: täglich 10:00-12:00 und 18:00-20:00 Uhr