Ann Cotten
Pflock in der Landschaft, sei lyrisch
für die Wiese, nimm Fäden und sing in der Brise,
nenne Brise, was Sturm ist, nenne Brise,
was ein großer Ventilator ist, einen großen
Zwischenraum mit Wind zu füllen,
um alles zu sein, nur nicht ein Pflock.
Valentino Zeichen
La poesia
Come un ricorrente duplicato di Big Bang
simula la nascita dell'universo
a sua differenza possibile figlia d'ignoti.
Ella ha madre sebbene svagata,
espulsa in un baleno dall'ispirata origine e
subito estranea all'istantanea matrice creativa.
La poesia: annodate interiora.
Si dipana nella prosaicità della lingua
e lascia scorgere allettanti Aleph
dall'inafferrabile momentaneità;
gli accostamenti accidentali
fra le lingue ancora brulicanti
l'apparentano agli invertebrati,
i nodi vengono al pettine dello stile e
il poeta deve alla sua perizia di fisiologo
il taglio dei versi.
Senza offendere le sinapsi semantiche
riconduce a capo i misurati segmenti
comparabili agli esagrammi
delle divinazioni Ching.
Ogni volta che la mimesi creativa ricomincia
si ripropone il dilemma: il mondo
deve supporsi creato in versi
come ventilano le scritture oppure
si tratta di opera in prosa evoluzionistica?
Nel dubbio aporistico
applichiamo alle creazione
l'analisi stilistica.
„Ann Cotten ist unbequem. Und das meint nun gerade nicht »unbequem« im landläufigen Sinn von aufsässig, protestierend, originell, sondern schlicht: Das Bequeme interessiert sie nicht, nicht das Gelungene, nicht der Kunstverstand. Sie weiß, sie macht es einfach, weil es so sein muß. Nicht um etwas auszudrücken, was irgendwo in ihrem Innern schlummern würde, sondern, um Welt zu befragen und zu gestalten."
Guido Graf, WDR3, Gutenbergs Welt
"Valentino Zeichen è come un libertino minimale, estroso viaggiatore sei-settecentesco, mai catturato in normalità istituzionali o ideologiche, con una sua morale tutta costruita e gestita da se stesso (proprio come quella degli antichi libertini). Fidando solo sul proprio io, sulla propria biografica atipicità, su questo suo essere 'a parte', egli prende di mira il tempo e la storia, i modi del loro coniugarsi nel presente, le tracce infinite che essi depositano sui frammenti della sua vita e di coloro in cui si imbatte, sulle cose e sulle apparenze che ci circondano. Egli ha attraversato la Roma del secondo Novecento precipitandone da altrove, dal proprio universo fiumano e, in fondo, mitteleuropeo: irregolarità storica e geografica, proiezione obliqua da un'origine che non c'è più, diversione partita da un'Italia che più Italia non è, con quel cognome Zeichen, che in tedesco significa 'segno'... "
Giulio Ferroni, Introduzione alle Poesie 1963-2003, Milano 2004
Eine etwas unorthodoxe, vielleicht auch verquere Dichterpaarung geht der literarische Abend mit der vielseitigen Wortkünstlerin, Performerin und streitbaren Literaturtheoretikerin Ann Cotten (* 1982) aus Berlin und mit dem seit den 50ern in Rom lebenden, im slowenischen Fiume geborenen Valentino Zeichen ein. Beiden Dichtern ist eine je unkonventionelle, eine durchwegs widerständige Art eigen, die sich bei Ann Cotten in unerwarteten Auftritten der Performance zeigt oder darin, wie sie gegen Selbstverständlichkeiten von vermeintlichem Verstehen klug anrennt. Poetisch dreist und theoretisch versiert bedient sich Ann Cotten unverfroren experimenteller und linguistischer Ansätze und scheut es nicht, durchaus waghalsig Grundlagenforschung von Erkenntnisprozessen zu unternehmen. Unterhaltsam ist dabei allemal Ann Cottens Fähigkeit der ostentativen Performance, die mit Rhythmen, Tönen und Lauten eines Musikers spielt.
Valentino Zeichen, dessen jüngstes Buch, Neomarziale (Mondadori, 2006), eine ironisch-epigrammatische Auseinandersetzung mit dem wahlverwandten Dichter Martial ist, ist der vagabundische Bohème der italienischen Dichter, der römische Flaneur, der noble Bettelpoet, der auf Lebensversicherungen und feste Anstellung ebenso pfeift wie auf ein sicheres Dach über dem Kopf und einen sicheren Sitz im Leben. Ohne sich jeglicher Ideologie unterzuordnen, hat Valentino Zeichen seine Position stets allein aufgrund seiner literarischen Experimentierfreude und Leistungen festigen können. Die autarke Poesie Zeichens, die, von der Rezitation herkommend, stets das Sprachspiel beherzigt, sucht den „Balanceakt zwischen metaphysischer Ironie und frivoler Weltgewandtheit, exhibitionistischem Scharfsinn und wütenden Wahrheiten" (Niva Lorenzini). So sieht man Zeichen auch als den „einfallsreichsten und unregelmäßigsten italienischen Schriftsteller" (Klappentext von Ogni cosa a ogni cosa ha detto addio), der auf bestem Wege ist, ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht im deutschen Sprachraum geltend zu machen.