Josef Winkler

Ich bin dabei, meine Kindheit, die sich zwischen zuckenden, blutigen Hahnenköpfen, trottenden Pferden, tänzeldnen Kalbstricken bewegte, zu ermorden. Ich werde das Kind, das ich war, umbringen, damit einmal, wenn auch erst auf dem Totenbett, meine Kinderseele zur Ruhe kommt ... Ich hoffe, daß man mich des Mordes anklagt, denn meine Sätze unterscheiden sich von der tatsächlichen, blutigen Tat wiederum nur durch die Ohnmacht. (aus: Menschenkind)

„Josef Winkler hat auf die Katastrophen seiner katholischen Dorfkindheit mit Büchern reagiert, deren obsessive Dringlichkeit einzigartig ist. Was Winkler seit seinem ersten Roman Menschenkind (1979) in einer barock-expressiven Sprache immer neu anklagt, bildet zugleich das produktive Element einer Hassliebe, in der Blasphemie und Frömmigkeit, Todessehnsucht und Todesangst sich zu einem bewegenden Abgesang auf eine untergehende Welt vereinen. Winklers neue Bücher erweitern, nach der eindringlichen Beschreibung der Erfahrung Roms (Friedhof der bitteren Orangen, Natura morta), seinen dichterischen Kosmos noch um die fremde Nähe Indiens" Jury des Georg-Büchner-Preises 2008

 

Die Kulturtage 2010 werden eröffnet in einer Lesung mit Josef Winkler, dessen Literatur wie kaum eine andere Pathos und Pathologie einer ländlichen, katholischen Welt hervorholt und sie so bilderreich und gewaltig zur Sprache bringt wie sie die davon bestimmte Macht von Ritualen bis in die intimsten Verästelungen kennt. Mit Klaus Kastberger wird Josef Winkler als eine der stärksten Stimmen der deutschsprachigen Literatur vorgestellt und damit einem eindrucksvollen literarischen Beispiel jener Tradition gefolgt, die wie gebannt die hehre Verquickung von Tod, Religion und Macht aufsucht.

 



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Josef Winkler, geboren 1953 in Kamering, Mitglied der Grazer Autorenversammlung und der Interessengemeinschaft österreichischer Autoren und Autorinnen. Er lebt in Klagenfurt.
Für sein Werk wurde er mit vielen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem manuskripte-Preis, dem André-Gide-Preis, dem Großen Österreichischen Staatspreis für Literatur und 2008 mit dem Georg-Büchner-Preis. 2009 erhielt er zudem das Ehrendoktorat der Universität Klagenfurt.
Publikationen (u.a.): „Das wilde Kärnten" (1995); „Leichnam, seine Familie belauernd" (2003); „Roppongi. Requiem für einen Vater" (2007); „Ich reiß mir eine Wimper aus und stech dich damit tot" (2008); „Der Katzensilberkranz in der Henselstraße" (2009).