27. Mai 20202, 20.00 Uhr
Schallerhof, Raffeingasse 2, Lana

Mit Esther Kinsky

AUFGRUND DER CORONA EPIDEMIE ABGESAGT

Miron Białoszewski war 21 Jahre alt, als er am 1. August 1944 das Haus in der Warschauer Innenstadt verließ, um seiner Mutter Brot zu besorgen und mitten hineingeriet in das heroischste und tragischste Kapitel der polnischen Geschichte. Während die sowjetischen Truppen an die Außenbezirke der Hauptstadt heranrückten, riefen die Anführer der polnischen Untergrundarmee zum Aufstand gegen die deutsche Besatzung. Was sich in den 63 Tagen bis zur Niederschlagung in der Stadt abspielte, hält sein Buch fest: wie mit einer literarischen Handkamera geschrieben – nah dran, in verwackelten, abgerissenen Sätzen, das Stakkato der Gewehrsalven, die fliehenden Schritte aufnehmend, schildert er Episoden aus dem Alltag einer kämpfenden und sterbenden Stadt.

Die Leser sind unmittelbar dabei, laufen mit ihm durch die Stadt, kreuzen die deutschen Linien, weichen Heckenschützen aus, sinken erschöpft und außer Atem an einer Mauerecke zusammen, retten Verwundete, begraben Tote. Zwischen dem Jetzt der unmittelbaren Gegenwart und den späten 60er Jahren, der Zeit der Niederschrift, hin und her springend, gelingt ihm ein unübertroffenes literarisches Dokument. Ein Buch über die Ermordung einer Stadt, das zeitlose Gültigkeit besitzt.

Ein Meilenstein der literarischen Moderne

„Am Dienstag, den 1. August 1944 war es bedeckt, nass, es war nicht besonders warm. Am Nachmittag bin ich wohl hinaus auf die Chłodna gegangen (damals meine Straße, Hausnummer 40), und ich erinnere mich an die vielen Straßenbahnen, Autos, Menschen und dass mir gleich an der Ecke Zelazna das Datum einfiel, der 1. August, und ich dachte bei mir etwa in diesen Worten:
»1. August – Fest der Sonnenblumen«. Allerdings ist mir das so in Erinnerung, dass ich die Chłodna in Richtung Kercelak vor mir hatte. Doch woher die Assoziation mit Sonnenblumen? Weil sie um diese Zeit blühen, ja verblühen, weil sie reif werden …“

»Miron Bialoszewskis Erinnerungen an den Warschauer Aufstand zeigen die Vielfalt des Lebens am Nullpunkt.«
Jörg Plath, Neue Zürcher Zeitung

»In seinen Erinnerungen aus dem Warschauer Aufstand brilliert Miron Bialoszewski mit der Darstellung menschlichen Leidens in seiner ganzen erbarmungslosen Banalität.«
Veronika Dyks, literaturkritik.de

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