Kito Lorenc, prominenter Dichter der Sorben in den Sechziger und Siebziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts, zählt auch heute noch zu den wichtigsten literarischen Vertretern dieser slawischen Volksgruppe im Osten Deutschlands. Nun ist ein neuer Gedichtband mit einem beeindruckenden Vorwort von Peter Handke, dem begnadeten Leser der Literaturen von Enklaven und Slawen, erschienen. Darin ist zu lesen: „Kito Lorenc erzählt die sorbische Geschichte in seinen Gedichten, wo das spezielle Geschichtswissen übergegangen ist in etwas Universelles, die Ahnung. Und diese Ahnung geht, gedichtweise, das heißt: Weise des Gedichts, wiederum über ins Bild, in die Bilder, in den Klang, in die Klänge, und wird so Gegenwart, anders als die Vergegenwärtigungen selbst der lebendigsten Geschichtsschreiber. Was anders? Wie anders? Keine Antwort, keine Erklärung. Die wird auch gar nicht gebraucht oder, bewahre, benötigt vor, mit oder nachsolchart Gedichten. Diese sind, schlicht und einfach, etwas anderes, so wie es in den Erzählungen Adalbert Stifters [,,,] jedes Mal schlicht und einfach, ohne Kommentar, ohne Wenn und Aber, heißt: ›Das ist (das war, das wird) etwas anderes."

Julia Hartwig, eine der wichtigsten polnischen Dichterinnen, blickt in ihrem lyrischen Spätwerk zurück auf ein reiches, bewegtes Leben. Ihre Erinnerungen an persönliche Erlebnisse und poetische Momente, aber auch an Geschichtskatastrophen und politische Umbrüche fügen sich zu einer ungeschönten, aber niemals bitteren Bilanz fast eines ganzen Jahrhunderts.
Die Auswahl von Gedichten Julia Hartwigs aus den Jahren 2001-2011 möchte einem deutschsprachigen Publikum, dem die Dichterin noch viel zu wenig bekannt ist, erstmals eine poetische Stimme von ganz eigenem Charakter und eigenem Klang präsentieren, die einerseits die historischen Erfahrungen ihrer Generation keinesfalls negiert, andererseits aber auch andere existenzielle Fragen verhandelt. Dabei achtet Julia Hartwig immer auf die poetische Form und hält Distanz zu übermäßigen Emotionen, ohne Widersprüche, Tragik und menschliche Schwächen zu beschönigen oder auszublenden. Das verleiht ihrem Werk eine einzigartige innere Spannung.


Julia Hartwigs Verleger Ryszard Krynicki und ihr deutscher Übersetzer Bernhard Hartmann präsentieren ihren neuesten Gedichtband "Und alles wird erinnert". Die Gedichte werden in einer Rezitation zu Gehör gebracht.

 

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