13. Mai 2020, 20.00 Uhr
Ottmanngut, Verdistraße, Meran


AUFGRUND DER CORONA EPIDEMIE ABGESAGT

Was macht ein Leben aus? Wie fasst man es in eine Form und macht das Wichtige greifbar?
Zu jedem Buchstaben des Alphabets verfasst Ilma Rakusa Beiträge von A wie Anders bis Z wie Zaun, changierend zwischen Prosa, Gedicht und Gespräch.
Sie erzählt und dichtet über ihr bewegtes Leben: Werk, Weltsicht und Weggefährten, Reisen und die schönen Künste, Familie und Kindheit. Ihr gelingt der Kunstgriff, abstraktere Begriffe – wie Träume oder Rituale –, Orte, persönliche Erinnerungen und Erfahrungen kaleidoskopartig zu einem Ganzen zu vereinen. Sie spricht über Dinge, die in unser aller Leben bedeutsam sind und mit denen wir uns auseinandersetzen: Freundschaft, Angst, Alter oder Zärtlichkeit und viele mehr.
Rakusa entfacht in uns eine Neugierde und Entdeckerfreude. Das Leuchten in ihren Augen ist den Zeilen anzumerken: beschwingt klingt das »Querfeldein«, die Lust am Flanieren kommt schon während des Lesens, und nach der Hommage an den Granatapfel wird er niemals mehr nur eine einfache Frucht sein.

Heimat ist
jenes bergende Gras
das Haus dort mit verkrüppeltem Dach
der Wind den du isst wie trockenen Staub Vater Mutter verwehtes Laub
das Märchenbuch das nach Honig riecht
der Mohnkuchen der Erinnerung wiegt
das traurige Lied vom verlorenen Hahn
das Fernweh das nicht ankommen kann
der Glanz in den Augen des Freunds
die Liebe die nichts bereut
was du dir selbst bist in schlafloser Nacht
oder unterwegs zwischen Himmel und Schacht die Stimme des einzigen Sohns
ein Vers mit eigenem Ton
das Gedächtnis das Tiefen auftut
der Lichthase in sicherer Hut
Sommer Herbst und blauweißer Schnee
die lachend weinende Zeit die nie steht.

»Mein Alphabet ist ein autobiografisches Inventar, das sich in poetischer Beschwingtheit über die Enge des Ichs hinwegsetzt und das Leben weit macht.« (Paul Jandl, NZZ)

»Ilma Rakusa ist eine geborene Kosmopolitin und Europäerin; sie verkörpert in einzigartiger Weise den Typ einer femme de lettres, wie er heute kaum noch anzutreffen ist« (Kleist-Preis)

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