10. März 2020, 20.00 Uhr
Kultur.Lana. Hofmannplatz 2

Übersetzung und Gespräch: Anne Weber

Sie hatte ihr Leben dem Lesen und Schreiben gewidmet. Doch plötzlich zerbricht alles um sie herum, eine Diktatur breitet sich aus, das Schreiben wird unmöglich. Ihre einzige Ausdrucksmöglichkeit findet die Erzählerin in einem rätselhaft bleibenden »Soundblog«. Mysteriöse, beängstigende und philosophische Gedanken beschäftigen sie: Die neue Macht zerstört nach und nach auf heimtückische Weise jede Erinnerung und versucht, alle Spuren der Geschichte zu löschen. Wann und wie hat dieser Umbruch stattgefunden? Gab es Warnsignale? Ist sie selbst schuld daran, dass die Dinge geschehen? Wollte sie sich nicht aus der Vergangenheit befreien?
Cécile Wajsbrot beschreibt in ihrem sprachmächtigen Roman auf beeindruckende und erschreckende Weise die Angst vor einer Wiederholung der Geschichte. In einer innovativen ästhetischen Form beschäftigt sie sich mit der deutsch-französischen Erinnerungskultur.

!!!!! DIE VERANSTALTUNG WIRD VERSCHOBEN UND DER TERMIN MITGETEILT, SOBALD ER GEFUNDEN IST. !!!!

„Mein Leben habe ich – hatte ich – den mit Lesen oder Schreiben verbrachten Stunden des Rückzugs gewidmet. Ich habe geglaubt – ich glaubte –, die Welt sei nur auf diesen von mir nach und nach in einer Mischung von Ungeduld und Erwartung durchblätterten Seiten wirklich existent. Dieser
besondere Zustand, diese Lebensweise nannte sich Literatur. Alles schien einfach. Und nun verlangen Sie von mir zu reden, das Wort zu ergreifen für die, die nicht reden. Eine mündliche Erzählung abzugeben, eine Art Bericht über eine allgemeine Atmosphäre, über Ereignisse, und das allein zu Hause in der Nacht sitzend – wie gerade im Moment –, ich soll gedankenlos hingesagte Wörter aufzeichnen, eine Rohfassung, ohne Revision, ohne Verbesserungen, ganz anders, als ich bisher gearbeitet habe – oder kann ich noch »wie ich arbeite« sagen? Ich gebe immer erst die vierte oder fünfte Fassung meiner Bücher aus der Hand, ich lese alles noch zigmal durch, berichtige, streiche hier, füge dort etwas hinzu, und nun soll ich alles lassen wie es ist, soll alles wegschicken ohne noch einmal einzugreifen?“(Aus: Zerstörung. 2020)

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