9. März 2020, 20.00 Uhr
Kultur.Lana, Hofmannplatz 2

Gespräch: Christine Vescoli

Der Gedächtniskultur folgt in weiten Teilen auch das literarische Programm von Lana im laufenden Jahr. Anknüpfend an Fragen nach einer individuellen und einer kollektiven, nach einer regionalen und europäischen Geschichte, gestalten erzählerische und dokumentarische Entwürfe ein persönliches und gesellschaftliches Gedächtnis, das durch Mythen und Brüche gekennzeichnet ist. Indem Erinnerungsbilder aufgebaut und wieder verabschiedet werden, indem sie sich resistent halten oder wieder verändern, indem sie zerfallen und neu geformt werden, verändern sie wiederum das Gedächtnis und die Kultur des Gedächtnisses.

Die Lesungen und Gespräche in Lana wollen Spuren der Erinnerung und Fragen nach der Herkunft nachgehen. Nach dem Abend mit Sabine Mayr zu jüdischen Zeugnissen von Meran stellen wir das Zeitreisetagebuch „Ahnen“ von Anne Weber vor, ein Buch, das in skrupulöser Selbstbefragung Schritt für Schritt einen tief greifenden Erkenntnisprozess eingeht.

!!!!! DIE VERANSTALTUNG WIRD VERSCHOBEN UND DER TERMIN MITGETEILT, SOBALD ER GEFUNDEN IST. !!!!

Anne Weber begibt sich auf eine persönliche Erkundungsreise, die in die fremde und faszinierende Welt ihres Urgroßvaters (1864 – 1924) und damit in die Abgründe und Höhenflüge einer ganzen Epoche führt. Florens Christian Rang – im Buch Sanderling genannt – war Jurist, Pfarrer in zwei Dörfern bei Posen, Schriftsteller und Philosoph. Er korrespondierte mit Hugo von Hofmannsthal, war befreundet mit Martin Buber und Walter Benjamin. Anne Weber spürt den Widersprüchen und Krisen, den Abrechnungen und Aufbrüchen dieses Urgroßvaters nach, in dem sie seine Schriften liest, seien Briefe und Tagebücher entziffert, eine Reise auf seinen Spuren nach Polen unternimmt. Doch auf der Reise zu diesem Urgroßvater stellt sich immer wieder ein gewaltiges Hindernis in den Weg: die deutsche und familiäre Vergangenheit, wie sie nach Sanderlings Tod 1924 weiterging. Und damit die Frage, wie es sich lebt mit einer Geschichte, die man nicht loswerden kann. Was bedeutete es vor hundert Jahren, deutsch zu sein? Und wie ist es heute?

„Kann man sich aus einer Familie auch heraus schreiben?“

„Lauter atemberauschende Suchbewegungen über ein deutsches Jahrhundert hinweg.“ (Alexander Cammann, Die Zeit)

„Anne Webers Text ist (…) ein hintergründiges und existentielles Spiel mit Fakten.“ (Helmut Böttiger)

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