In Dostojewskijs Roman Der Idiot schlägt Fürst Myschkin als Sujet für ein Gemälde das Gesicht eines zum Tode Verurteilten vor, unmittelbar bevor das Beil niedersaust. In diesem Augenblick zeigt sich die Wahrheit des Gesichts. Ingeborg Bachmann wird diese Szene in ihrem Libretto zur Ballettpantomime Der Idiot wieder aufnehmen. Zwischen Dostojewskij und Bachmann liegt der verstörende Text Franz Kafkas In der Strafkolonie. In Kafkas Text zeigt sich um die sechste Stunde auf dem Gesicht des Verurteilten die Erlösung. Der Vortrag von Elmar Locher versucht den änigmatischen Beziehungen von Sprache, Strafe, Recht und Gerechtigkeit nachzugehen.

Joseph Zoderers Werk, dessen Erzählkraft und Frage nach der Beschaffenheit und Grenze des Menschen stets aus einer poetischen und persönlichen Notwendigkeit schöpft, ist beeindruckend an jenen Motor geknüpft, den Per Olov Enquist den „Muskel der Vorstellungskraft" nennt. Exemplarisch dafür ist gerade der Roman „Dauerhaftes Morgenrot", ein mit allen Mitteln der Kunst erzählte Liebesgeschichte aus dem Jahr 1987.
Joseph Zoderer (*1935) lebt in Bruneck und ist für sein Werk mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden. Zuletzt: „Der Himmel über Meran" (2005), „Liebe auf den Kopf gestellt" (2007), „Die Farben der Grausamkeit" (2011), „Mein Bruder schiebt sein Ende auf" (2012).

Einer, der das Bilderdenken nicht nur als Diktum setzt, sondern es vor allem dem Erzählen als Erkenntnis zugrunde legt, ist Peter Handke. Wie kaum ein anderer beschwört und beschreibt seine Literatur keine Erklärung, sondern die „Zwischenräume" und „Niemandsbuchten" von Wirklichkeit. Oder, wie Peter Hamm sagt, „jene Art des Schauens, die eine Einheit von Gewahrwerden und Vorstellungskraft ist".
In seinem Haus bei Paris und an den Orten seines vehementen politischen Engagements spricht Peter Handke mit Peter Hamm über sein Leben und Schreiben. Dabei präsentiert er sich schonungslos und genau, in einer spannenden, bekenntnishaften Selbstanalyse seines Lebens und schriftstellerischen Selbstverständnisses. "Der schwermütige Spieler" ist ein Portrait eines der renommiertesten Vertreter der modernen deutschsprachigen Literatur.

Peter Hamm (*1937), arbeitet seit 1960 als freier Schriftsteller, Lyriker, Literaturkritiker und Autor zahlreicher Dokumentarfilme. Ab 1964 war er Kulturredakteur beim Bayerischen Rundfunk. Hamm ist Vizepräsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und ist u.a. Jurymitglied des Büchner-Preises.


 

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