2. Mai 2014
Hofmannplatz 2, Lana
Als die iranische Dichterin Forough Farrochsad 1968, kaum 32 Jahre alt, starb, hinterließ sie ein Werk, das trotz staatlichen Verbots bis in die Gegenwart hinein gelesen und weiter erzählt wird. So ungeheuer ist die moderne poetische Sprengkraft und so eindrücklich der Widerstand gegen eine konservative Gesellschaft und Moral, dass die Gedichte eine unbeirrbar künstlerische Radikalität erreichen. Heute gilt Farouch Farrochsad als eine der bedeutendsten Dichterinnen der persischen Moderne.    

Als Regisseurin zeichnete sie über ein filmisches Meisterwerk über ein Lepra-Ghetto im Norden von Iran, das weltweit Aufsehen erregte – und dem kleinen Hossein das Leben rettete.

Ein Abend in Lana ist der legendären Perserin gewidmet. Dazu spricht und liest Hossein Mansouri, Farrouchsads Adoptivohn. Elmar Locher und Linda Wolfsgruber, die den schönen Band „Der Vogel ist sterblich“ (Bibliothek der Provinz 2007) illustriert hat, begleiten das Gespräch.

„Behalte den Flug im Gedächtnis /Der Vogel ist sterblich“

Mit Farrokhzad schrieb erstmals eine Iranerin über das Begehren und die Liebe der Frau, sie brach mit Versen gesellschaftliche Konventionen, Ihr frühes Gedicht “Die Sünde” löste in Teheran Empörung aus. Ihr letzter Gedichtband “Lasst uns an den Beginn der kalten Jahreszeit glauben” kritisiert das enge gesellschaftliche Korsett iranischer Frauen und stellt dem traditionellen Bild der stummen und gefügigen Frau Sehnsüchte und Wünsche entgegen. Mit dem Lyrikband “Rebellion” bezog sie auch klar gesellschaftspolitisch Stellung.

Nachdem ihr erstes Gedicht veröffentlicht wurde, musste sie sich scheiden lassen – die junge Poetin wurde persona non grata, das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn erhielt der Ehemann. 1956 flüchtete sie vor den Anfeindungen nach Europa, nach ihrer Rückkehr verliebte sie sich in einen verheirateten Mann, einen iranischen Filmemacher, und wird seine Geliebte. Ein weiterer Skandal im Teheran der 1950er-Jahre, einer Stadt, in der der Islam aus dem 14. Jahrhundert und das moderne 20. Jahrhundert Tür an Tür wohnten.

Während der Dreharbeiten zu “The House is Black”, dem Dokumentarfilm über das  Lepra-Dorf  im Norden Irans, lernte sie den kleinen Hossein Mansouri kennen, der wegen der Krankheit seines Vaters dort lebte. Er wuchs der Dichterin ans Herz und sie adoptierte ihn. Der einfühlsame Dokumentarfilm “Mond Sonne Blume Spiel” von Claus Striegl porträtiert diese Geschichte von Mansouri und Farrokhzad. Haltlos und beziehungslos hätte er sich später oft gefühlt, erzählt Mansouri im Film, und es hätte gedauert, bis er sich mit seiner eigenen Lebensgeschichte auseinandersetzen konnte.

Mein Herz ist bedrückt
Mein Herz ist bedrückt,
ich trete auf den Balkon
und meine Finger streichen über die
gespannte Haut der Nacht.
Die Lampen der Beziehung sind erloschen.
Die Lampen der Beziehung sind erloschen.
Niemand wird mich der Sonne vorstellen
Niemand wird mich
zu dem Gastmählern der Spatzen mitnehmen.
Behalte den Flug im Gedächtnis
der Vogel ist sterblich.

 

 

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