Grund und Grat

Die Frage nach der Frage, worauf die Kulturtage Lana jährlich eine weitere Antwort vorzustellen wissen, könnte, - in Form von Worten und Formen ohne Worte - die Idee der Sprache sein. Im okkasionellen Zusammensein von Autoren, Wissenschaftlern und Künstlern, aus welchem die Exkursion ihr Panorama klittert, lässt sich das fließende Gefüge seiner Genealogie und Linien ebenso weit zurückverfolgen und dort die unzusammenhängenderen Gebiete verschränken: Ungelände der stillen Übereinkunft, und die wie ausgemalten Paysagen bewegterer Bilder, imaginäre und verästelte, die vor dem ruhenden Auge vorüberziehen. Die Exkursion - im mehrfachen Sinn als Auszug, Extrakt, Essenz und Zitat - wird sich der Idee solcher innerer Formen widmen: jener zwischen Formulierungen formular aufgehender, auch gegenstandsfreier Landschaftslosigkeit, welche selbstredend interim wirkt, aber sich versagt, in dem, was nicht gesagt ist: Es ist nicht gesagt, ob tiefengrammatisch charakteristische Merkmale in den dialektalen, vorrömischen Rest- und Trümmersprachen areallinguistisch im und ums Nonstal noch unverwandt nachweislich sein müßten (und aus den dialektalen Paysagen auch isolierbar - mit zig syntaktischen Besonderheiten und kaum verstandenen Konjunktiven und Aktionsarten, Tempus- und Aspektwechseln). Ob in Schleichwegen und über die Trampelpfade (Pascher ist ein Anagramm von "Sprache"), in hellichten Lärchwiesen oder karstigen Tobeln - den arealen Arealen der allein vorgestellten Wegzusammenhänge zwischen den vertrauten Waldwegnetzen, Viehsteigen und Partisanen-Cañons werde nachzugehen sein, ... so wie ein Echo die Wirklichkeit durch Wiederholung der Beschränkung auskostet, aber auf immer weniger Wirklichkeit trifft. (Oswald Egger)

Unterwegs gibt es Lesungen, Gespräche und Filmvorführungen.


Für die Teilnahme ist eine Anmeldung erforderlich.

 

Bodo Hell, geboren 1943, gehört zu den vielfältigsten Künstlern der Gegenwart, die sich munter jeder Etikettierung durch die Unstetigkeit des geistigen Vagabunden und durch die Sammlerlust des hellwachen Weltchronisten verweigern. Er ist Schriftsteller, Dichter, Theaterautor, Filmemacher, Musiker, Bergsteiger und Almhirte und changiert in seinen prosaischen, essayistischen und künstlerischen Arbeiten virtuos von einem zum anderen Wissensfeld, ohne dabei je von der Sorgfalt der Recherche und der Genauigkeit des Sprachdenkens abzuweichen. Dabei gelten seine experimentierfreudigen Erkundigungen den alltäglichen Skurrilitäten gleich wie den volkskundigen Spuren, der schrillen Werbung gleich wie alpinen Blumen und heiligen Legenden.
„Kunst muss einen - wie die Wissenschaft - gescheiter machen, wenn man sich damit beschäftigt, und nicht nur Bestätigungen liefern für das, was man schon zu wissen glaubt." (Bodo Hell)

 

Oswald Egger lebt als Dichter in Hombroich und ist Professur für „Sprache und Gestalt" an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel. 10 Jahre leitete er die Kulturtage Lana und war Herausgeber der Zeitschrift Der Prokurist. Zum Anlass der 30. Kulturtage Lana hat er die Durchführung einer Exkursion ins Nonstal übernommen. Deren Wegroute verweist durchaus auch auf eine Poetik von Oswald Egger; dazu gehört ein wortwörtliches Durchqueren von Denkmöglichkeiten durch Anschaulichkeit und Analogien, das durch topologische Felder oder mathematische Verhältnisse, durch tiefengrammatische Strukturen oder serielle Anordnungen führt. Was sich auf solchen Strukturgefügen und Beziehungslinien aufbaut, was sich anhäuft an Dialektalem und Enzyklopädischem, an Neologismen und Vokabularien, setzt ein Reden in Gang, das so abenteuerlich und überraschend verläuft, wie es ganze Welten durchmusternd beschreibt.

 

Alexander Hecht-Glaskov ist 1985 in Altai/Russland geboren. Die deutsche Sprache und Kultur (Mutter Deutschlehrerin, Vater Russlanddeutscher) waren von Anfang an fester Bestandteil seines Lebens. In der 7. Klasse in Russland lernte er „Loreley" von Heinrich Heine auswendig, in seinem Studium an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel erfuhr er, wie der Kuleschow-Effekt funktioniert. Alexander Hecht-Glaskov bewegt sich in unterschiedlichen Medien wie Performance, Video und Fotografie.

 

 

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