Literaturtage Lana 2016: „Dass von zwa Irren der Irrere gewinnt“

Bitter ist er, schwarz, skurril, ironisch und kaum ohne Charme dessen, der selbst die Katastrophe in heiterer oder grantelnder Gelassenheit ertragen kann. Dem Weinen ebenso nahe wie dem Lachen, ist der österreichische Humor einer der hintergründigsten und doppelbödigsten - die 31. Literaturtage von Lana versuchen ihn zu ergründen und erproben ihn mit einigen der spannenden Protagonistinnen und Protagonisten der derzeitigen Literatur- und Kunstszene. 

Keine Komödie, die nicht auch Tragödie (Thomas Bernhard), und keine Verzweiflung, die nicht auch Trost wäre (Nestroy) – der österreichische Humor.

Dass er es bei all seiner kritischen und bösen Sicht auf die Welt nie scheut, sich selbst auf die Schippe zu nehmen und rücksichtslos den Stachel gegen das eigene Fleisch zu richten, macht den Humor aus Österreich menschlich und nicht zuletzt auf eine hellsichtige Weise klug.

Mit besonderer Prägnanz schaut er auf den Menschen und die Gesellschaft und rückt ihr rücksichtslos zu Leibe; er kritisiert oder urteilt, er entlarvt oder verdreht sie, und nimmt sich dabei in aller Nonchalance und Eleganz die Freiheit einer Narrheit, die keinem konventionellen Dienst verpflichtet ist, vielleicht aber dem Gedanken einer besseren Welt. Wo der Humor das Schwache erhebt und das Starke belächelt, wo er das Scheitern heiter feiert und vor der Eitelkeit fröhlich die Flucht ergreift, ist er Rebell gegen eine falsche Welt und Anwalt der Unzulänglichkeit menschlicher Existenz.

Österreich kennt den Humor in seiner Kraft des Widerstands und in seiner intellektuellen Schärfe, die im jüdischen Witz fest verwurzelt ist, seit Langem. Das Melancholische und Düstere, das Bitterböse und Sarkastische zeichnet ihn ebenso aus wie die Selbstironie, die Sprachkritik und Poesie oder der Schmäh und der Schalk. Die Tradition reicht von Johann Nestroy über Sigmund Freud und Karl Kraus bis Helmut Qualtinger, von H.C Artmann über Thomas Bernhard und Elfriede Jelinek bis zu Josef Hader und Wolf Haas.

Das österreichische Lachen, das liebe, das böse, das ohnmächtige, das zerstörerische, das enthemmte oder das unerhörte – es ist Thema der Literaturtage Lana 2016. Zusammen mit renommierten Künstlerinnen und Autorinnen wie Xaver Bayer, Ann Cotten, Kerstin Cmelka, Klaus Händl, Nicolas Mahler, Hanno Millesi, David Schalko und Voodoo Jürgens wollen wir es, anhand von Gedichten, Geschichten, Performances, Zeichnungen, Musik und Geistesblitzen, auf die Bühne und unter die Leute bringen.

Programm

Mittwoch, 24. August 2016
20.00 Uhr

  • Begrüßungen: LR Philipp Achammer, Präsident Prof. Dr. Elmar Locher, Kuratorinnen Theresia Prammer und Christine Vescoli
  • David Schalko: Lesung und Gespräch mit dem Schriftsteller und Filmemacher
  • Buffet

Donnerstag, 25. August 2016
18.00 Uhr

Ann Cotten: Lesung aus „Verbannt!“

19.00 Uhr
Xaver Bayer und Hanno Millesi: Präsentation der Anthologie „Austropilot. Prosa und Lyrik aus österreichischen Literaturzeitschriften“

20.30 Uhr
Kerstin Cmelka: Vortrag/Lecture-Performance der Wolfgang Bauer-Adaptation „Change“, mit Video-Auschnitten und Live-Darstellung (unter Mitwirkung von Hanno Millesi)

Freitag, 26. August 2016
18.00 Uhr

Klaus Händl: Lesung aus „Legenden“ sowie neueren Arbeiten

19.00 Uhr
Nicolas Mahler: Präsentation der Graphic Novel „Alte Meister“ (Thomas Bernhard). Zur Arbeit eines Comiczeichners

21.00 Uhr
Konzert mit Voodoo Jürgens