LITERATUR LANA. VEREIN DER BÜCHERWÜRMER
Die Literaturinstitution in Lana wurde 1980 vom Verein der Bücherwürmer gegründet. Seit ihren Anfängen verpflichtet sie sich der Vermittlung und dem Verständnis von Literatur in einer kontinuierlich diskursiven und künstlerischen Auseinandersetzung. Im Mittelpunkt steht also zum einen die Präsentation von Literatur, zum anderen die Reflexion über die literarische Sprache und ihre Vorgänge, über die Möglichkeiten der Literatur selbst und über die Möglichkeiten des Gesprächs. Lana hat seinen Ort in diesem Gespräch der Literatur immer auch zu reflektieren versucht und ihn eingebracht als einen „springenden Punkt“ innerhalb eines Gesprächs weit über die regionalen Grenzen hinaus, wo sich die Bücherwürmer einen festen Platz im Netzwerk des literarischen Tuns erobert haben.
Als Konsequenz nimmt die Institution der Literatur in Lana Äußerungen von Sprache stets in zweifacher Hinsicht ins Blickfeld: Auf der einen Seite nimmt Sprache in ihrer Schriftlichkeit eine wesentliche Rolle ein, auf der anderen Seite werden Sprache und literarisches Sprechen in ihrem direktesten Wesen verstanden, nämlich als Stimme. Beide Wege der literarischen Äußerung und des poetischen Verständnisses von Literatur geht Lana seit seinen Anfängen auf allen möglichen Umwegen und Formen nach, im Dialog nicht weniger als im theoretischen Ansatz, im experimentellen nicht weniger als im traditionellen Sinn der performativen Darstellung von Literatur.
Von daher haben jene SchriftstellerInnen in Lana einen besonderen Platz gefunden, die der Dichtung ihren Ursprüngen und ihren Eigenarten nachgehen, ihren Gesetzmäßigkeiten der schwer gangbaren Sprachbewegungen, aber auch der sinnlichen und verspielten Eigenheiten. H.C. Artmann, Inger Christensen, Thomas Kling, Oskar Pastior, Oswald Egger oder Gennadij Ajgj sind nur einige wenige, die die Tradition in Lana begründen und mittragen.
Sowohl die Schriftlichkeit wie auch die Stimmlichkeit als grundlegende Qualitäten der literarischen und diskursiven Äußerung haben sich in Lana als wesentliche künstlerische Dokumente niedergelassen: Zum einen gibt es zahlreiche Bestände von Publikationen, die in Lana entstanden sind und als Bände der „edition per procura“ einen wesentlichen Beitrag zum zeitgenössischen poetischen und poetologischen Denken im deutschen Sprachraum geleistet haben.
Zum anderen sammelt ein Tonarchiv von über 3000 Aufnahmen literarische Lesungen und Performances, die in Lana eine einmalige Präsenz und Physis literarischer Wahrnehmung hinterlassen haben.
Zu den Tätigkeiten der Literatur Lana gehören im Wesentlichen:
- Literarische, deutsch- und fremdsprachige Veranstaltungen im Laufe des Jahres, etwa 2 bis 3 mal monatlich Lesungen, theoretische Vorträge zu Literatur und Kultur, Gespräche und mitunter auch musikalische Aufführungen.
- Kulturtage Lana: Das jährliche Festival im Frühherbst vereint LiteratInnen, WissenschaftlerInnen, MusikerInnen und KünstlerInnen, die in 4-5 Tagen meist zu einem im Mittelpunkt stehenden Thema in unterschiedlichen Formen des Gesprächs und der Präsentation Positionierungen zeitgenössischer literarischer Kunst zeigen.
- N.C.-Kaser-Lyrikpreis: Der Preis in Höhe von 10.000 € wird im Zweijahrestakt einem Dichter oder einer Dichterin des überregionalen Sprachraums vergeben. Die Vergabe erfolgt über eine kleine Jury, welcher jeweils der Programmleiter/die Programmleiterin und der Präsident/die Präsidentin des Vereins, der Dichter Oswald Egger sowie die Preisträgerin/der Preisträger der jeweils letzten Vergabe angehören. Der Preis wird finanziert von Paul Flora, der Marktgemeinde Lana sowie vom Österreichischen Bundesministerium für Kunst, Wissenschaft und Kultur.
- Literaturstipendium Lana: Alternierend zum N.C.–Lyrikpreis wird das Literaturstipendium einem jungen Dichter/einer Dichterin oder einer jungen Wissenschaftler/einer Wissenschaftlerin vergeben, die sich auf literarischen Grenzgebieten bewegen und in Zwischenräumen der künstlerischen und wissenschaftlichen Auseinandersetzung arbeiten. Das Literaturstipendium wird von der Marktgemeinde Lana und der Stiftung Südtiroler Sparkasse getragen und sieht einen 6wöchigen Aufenthalt in Lana samt Lesungshonoraren und ein Honorar von 4.000 € vor.
- Archiv für Poesie: Das Archiv sammelt seit Jahrzehnten literarische Neuerscheinungen und hat mittlerweile einen Umfang von ca. 15.000 Beständen, das Tonarchiv dokumentiert durch die zahlreichen auditiven Aufnahmen der literarischen Veranstaltungen die Geschichte des Vereins.
Die Institution wird getragen vom Verein der Bücherwürmer mit Onlus-Status, ihm gehören ca. 80 Mitglieder an.
Der Vorstand setzt sich laut Statuten zusammen aus dem Präsidenten und seinem Vize, dem Kassier, dem Schriftführer und weiteren 3 Mitgliedern. Derzeit gehören dem Vorstand folgende Mitglieder an:
Elmar Locher, Professor für neuere Literatur (Verona): Präsident
Klaus Hartig, Journalist (Meran): Vizepräsident
Haimo Perkmann, Übersetzer und Publizist (Prag, Lana): Schriftführer
Karl Terzer, Zahntechniker (Lana): Kassier
Eva Cescutti, Literaturwissenschaftlerin (Bozen): Mitglied
Hannes Egger, Künstler (Lana): Mitglied
Alma Vallazza, Kulturvermittlerin (Wien): Mitglied
Geschäfts- und Programmleitung: Christine Vescoli
christine.vescoli@buecherwuermer.com
Kontakt:
info@buecherwuermer.com
christine.vescoli@buecherwuermer.com
Literatur Lana (Verein der Bücherwürmer)
Hofmannplatz 2
Postfach 104
39011 Lana
t: +39 0473 560031