(*1971) österreichische Schriftstellerin. Studium der Germanistik und Publizistik. Schreibt Prosa, Hörspiele, Theatertexte und beteiligt sich an Inszenierungen von Theaterstücken und Performances. Lebt seit 1992 in Berlin. In ihren Texten arbeitet sie medienübergreifend, mit dokumentarischen Verfahren und mit den Mitteln der Komik und Ironie: Ihre Arbeiten sind experimentell, sprachkritisch und in steter Auseinandersetzung mit der Mündlichkeit der Schrift. Auszeichnungen (u.a.): Reinhard-Priessnitz-Preis (1995), Italo-Svevo-Preis (2001), Solothurner Literaturpreis (2005). Zuletzt: „wir schlafen nicht“ (2004. „junk space“ (2004). „draußen tobt die dunkelziffer (2005). „Disaster awareness fair“ (2006). „Recherchegespenst“ (2008). „worst case“ (2008).
Programm Symposium "Ästhetische Konzeptionen der Gegenwart"
Die in Berlin lebende Österreicherin wird in Bozen in einem literarischen und theoretischen Beitrag Analysen zur Weltwirtschaftskrise versuchen: Im Theatertext „die alarmbereite“, aus dem Kathrin Röggla lesen wird, und im brandneuen Band „“Gespensterarbeit, Krisenmanagement und Weltmarktfiktion“ begibt sich Kathrin Röggla auf die Spur der Mechanismen von Finanzmärkten und Fiktionsarbeit:
Welche unterirdischen Verbindungen existieren zwischen dem Fiktiven der Finanzmärkte und den Fiktionen der Filmindustrie, und wie sieht es mit der Filmkritik aus? Anhand der Analyse von Rhetoriken und sprachlicher Bilder in den medialen und politischen Diskursen zur Finanzkrise fragt Kathrin Röggla nach den Dramaturgien, den Plotstrukturen und den Figuren, die mit diesen korrespondieren. Immer wiederkehrende Motive wie das der Unsichtbarkeit, der Gier, des Dominoeffekts, des Worst-case-Szenarios und des Insiderwissens sowie ständig verwendete Begriffe wie »Bad Bank« oder »toxische Zertifikate« lassen nicht nur deutlich werden, dass Katastrophismus und Risikogesellschaft längst vereint sind, sondern auch, dass uns anscheinend eine gefährliche Genre-Gemengelage regiert, eine Art »Zombiekapitalismus«. Die Wirklichkeitsmacht der Fiktion hat auf den Finanzmärkten längst eine alles beherrschende Rolle eingenommen und lässt uns zurück mit der Frage, warum wir so zögerlich reagieren, ob Kritik in einer Gesellschaft des Spektakels überhaupt noch möglich ist.