Jürg Halter

20.03.2009, 20:00

»Nichts, das mich hält«

Ammann Verlag 2008

Am Schlagzeug: Julian Sartorius

Literatur Lana, Hofmannplatz 2, Lana

Jürg Halter

Jürg Halter, erschienen am 23. Juni 1980 in Bern, wo er lebt. Studium an der dortigen Hochschule der Künste. Halter ist Dichter und unter dem Namen Kutti MC auch als Mundart-Rapper bekannt. Halter hatte zahlreiche Auftritte an internationalen Literaturfestivals in Europa, Russland, den U.S.A. und Afrika. (u.a. Poetry International Rotterdam, Internationales Literaturfestival Berlin, International Poetry Festival San Francisco, Poetry Africa Durban, Book Fair St. Petersburg, ABC-Festival Antwerpen, American National Poetry Slam Chicago).

Zuletzt: «Nichts, das mich hält», 2008, das preisgekrönte Debüt «Ich habe die Welt berührt» 2005 und das Spoken-Word-Hörbuch «Aber heute ist der Tag, an dem ich mehr als sprechen will», 2007.

Veröffentlichungen in Zeitschriften, Anthologien und Zeitungen u.a. in: „ Natürlich die Schweizer“, „Lyrik von Jetzt 2“, „The Spoken Word Revolution Redux.“, „Hermetisch offen“, lyrikline.org“, „Zwischen den Zeilen“, «Volltext», «Manuskripte», «ndl», «Passagen», «Drehpunkt», „art.21-zeitdruck“, „NZZ am Sonntag“, „Der Bund“, „Das Magazin“, „Basler Zeitung“ und „Tages-Anzeiger“. Auftritte mit Musik u.a. mit dem Jürg Halter Quartett oder im Duo mit Julian Sartorius.
Übersetzungen einzelner Halter-Gedichte ins Englische, Polnische, Französische, Japanische, Holländische und Russische. Ungarisch, Tschechisch, Italienisch u.a.

Pressestimmen

Jürg Halter hat die Welt mit 25 schon kräftig berührt. Davon zeugt sein Gedichtband, das Schweizer Lyrikdebüt des Jahres. (...) „Ich habe die Welt berührt“ konzertiert präzis die Liebe, den globalen Wahnsinn, das sinnarme Sein in postideologischer Zeit“ (Die Weltwoche)


Um es gleich vorweg zu sagen: Dieser Mensch hat einen Hau. Aber einen von der guten Sorte. Einen, der mit Selbstbewusstsein, Chuzpe und kreativem Freiraum einhergeht. Jürg Halter heißt er, ist 25 Jahre jung, Dichter und Schweizer. (Die Tageszeitung, Taz)


Jürg Halter ist ein Mann für seltsame Kulte und für das Umwerten von allem. (Tagesanzeiger)


Seine Poesie ist so juristisch präzis wie seine Stimme, sie ist so radikal und unerbittlich wie die Glaubenskongregation selbst. (...) Auf der Bühne ist Jürg Halter, bleich, priesterlich, eine späte Wiedergeburt von Buster Keaton, der perfekte Anti-Entertainer. (Das Magazin)


Es gehört zur wunderbaren Leichtigkeit dieser anrührend schönen Liebesgedichte, dass sie immer wieder einen Hauch von Heiterkeit zeigen, einen Glauben an die Hochseilartistik der Sprache, in der dem Leser nicht weniger zukommt, als der rettende Fänger zu sein.» 
(Neue Zürcher Zeitung)


Da versucht einer, in klaren Bildern eine Welt zu schildern, in der freilich das meiste nicht klar, sondern in Widersprüchen organisiert ist. Sogar die eigene Identität, die man nämlich verlassen kann wie ein leeres Haus. «Auch heute Nachmittag um halb vier / bleibt das Nichts unverändert», heisst es einmal. (...) Das ist die Unrast von einem, der nicht warten will, bis die Welt die Zeit hat, auf ihn zu warten. (Tages-Anzeiger)


Wer Halters Stimme für ein Stündchen in seiner Ohrmuschel Platz nehmen lässt, dem winkt Witz, Wortmusik und eine angenehme Irritation über ein solches dichterisches Tun als Lohn.
(Der Bund)


Eine individuelle Stimme, keine selbstreflexive Kokonlyrik, kein Rückzug in die Landschaft, sondern der Versuch sich im Alltäglichen zu verorten. Und dennoch: Gerade hinter der Alltäglichkeit schimmert das Weltgerüst, schimmern die großen Fragen hindurch. Serviert werden sie uns in einer luftigen, wenig erdrückenden, ja verspielten Art und Weise. (...) Lesen! (TITEL Magazin – Literatur und mehr" )


Jürg Halter - Lyriker des Notwendigsten. Der junge Berner Poet Jürg Halter scheint mit seiner unprätentiösen Lyrik ein breites Publikum anzusprechen. Seine neuen Gedichte sind erfahrungsgesättigte Geschichten, die der Form wegen nur das Notwendigste preisgeben. (Radio DRS 2)

AUS »Nichts, das mich hält« (2008)


DAS GESPRÄCH
Vor nicht allzu langer Zeit
trafen sich Suizid und Heldentod
in einer Konkurs gegangenen Bar
zum Gespräch über den Nutzen der Sehnsucht.
Noch hatte keiner der beiden das Wort ergriffen,
da löste sich von der Decke der Kronleuchter.
Begrub die zwei Tunichtgute unter sich. –
Das Gespräch, das sie führten, hält bis heute an.
SPIEGELBILD
Wenn ich die Augen schließe,
hörst du auf zu sein?
Lies mir von den Lippen.
Wenn ich lange schon schweige,
vernimmst du meine Stimme noch?
Lies zwischen meinen Zeilen.
Lausche weiter.
Doch sag mir, Spieglein an der Wand: Wie lange noch
willst du mich eigentlich beweisen?
KERNFUSION
Wir drehen uns im Kreis,
ich, Proton, du, Neutron.
Kommen zu keinem
gemeinsamen Stillsein.
Wenn ich über etwas schweige,
schweigst du über etwas anderes.
Wir spiegeln uns gegenseitig,
bis sich nichts mehr regt in uns.
Wer bin ich und wer bist du?
Unsere Fusion bleibt aus.
Neue Namen müssen her.
Sind nur Schall und Rauch.